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Golf-Caddie Michael Greller : Der Taschenspieler

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Das große Los: Michael Greller (l.) trägt nicht nur die Tasche von Jordan Spieth - er gibt dem Profi auch Ratschläge Bild: USA Today Sports

Früher war Michael Greller Lehrer, heute ist er der Mann an der Seite von Star-Golfer Jordan Spieth. Als guter Caddie macht er den Profi immer besser – und verdient dabei selbst Millionen.

          Er war schon immer ein hervorragender Golfer. Aber beruflich hatte er dann doch etwas anderes im Sinn. Michael Greller studierte Wirtschaftswissenschaften und wurde Lehrer. An einer Schule außerhalb von Tacoma fand er irgendwann auch die richtige Mischung. Einerseits brachte er Zwölfjährigen die Grundlagen der Algebra bei. An Wochenenden spielte er Golf und entdeckte dabei eine besondere Facette seiner Lieblingssportart:

          Greller wurde Caddie und bot hervorragenden Amateurspielern im Nordwesten der Vereinigten Staaten bei Turnieren von Rang seine Dienste an. An den Moment, der sein wohlsortiertes Leben durcheinander- brachte, erinnert er sich noch genau. Das war 2011, als er Joggen gegangen war und bei seiner Rückkehr eine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter vorfand. „Es war ein Telefonat von Jordan Spieth.“

          Erster in der Jahreswertung

          Wer dieser Spieth war, wussten damals nur sehr wenige. Eigentlich nur diejenigen, die sich mit amerikanischem College-Golf auskannten. Das hat sich mittlerweile geändert. Der 22 Jahre alte Spieth, eine Art Wunderkind vom Typ eines Tiger Woods, gewann in diesem Jahr sowohl das Masters als auch die US Open, schrammte bei den British Open und der PGA Championship nur knapp am ersten Platz vorbei und rundete eine formidable Saison am Wochenende in Atlanta mit lukrativen Siegen ab: Mit dem Erfolg bei der Tour Championship wurde er Erster in der Jahreswertung namens FedEx-Cup und kam dadurch auf eine Preisgeldsumme für 2015 von etwas mehr als 22 Millionen Dollar.

          Aber nicht nur der Weltranglistenerste verdient gut. Zwar kennt niemand die Absprachen zwischen Spieth und seinem Assistenten. Aber wer um die Gepflogenheiten im Profigolf weiß, braucht nicht lange, um hochzurechnen, was der 37-jährige ehemalige Mathematiklehrer eingenommen haben dürfte: etwa 2,1 Millionen Dollar, womit er mehr verdiente als die meisten Spieler auf der PGA-Tour.

          Aus Sicht von Spieth, der ein geerdeter, nüchterner und zielbewusster junger Golfer ist, war die Sache damals klar, nachdem er 2011 mit Greller an seiner Seite die amerikanischen Junioren-Meisterschaften gewonnen hatte. Er wollte Greller als ständigen Begleiter anheuern, als er ein gutes Jahr später Profi wurde. Greller gab seinen mit 55.000 Dollar dotierten Lehrerposten auf und ging mit seinem neuen Arbeitgeber auf Tingeltour. Unterstützt von seiner Frau: „Wenn Jordan in zehn Jahren das Masters gewinnt, wirst du dich doch fragen: Warum habe ich das nicht gemacht?“ Es sollte keine zehn Jahre dauern.

          Wobei die Zusammenarbeit mit Greller auf dem Platz beim rasanten Aufstieg des Profis durchaus eine Rolle spielen dürfte. Die beiden haben einen respektvollen Umgang miteinander gefunden, bei dem der Arbeitnehmer bisweilen auch als Amateurpsychologe fungiert. So wie im April in Augusta, als er Spieth auf der 18. Bahn vor allzu früher Begeisterung warnte. Der Texaner, der die Konkurrenz klar dominiert hatte, spielte dann auch einen Bogey und verpasste so um einen Schlag einen Masters-Rekord. Hinterher war er froh: „Das war perfekt. Das war genau das, was er in diesem Moment immer sagen sollte.“ Es war in jedem Fall deutlich besser als bei einem Vorkommnis im Jahr 2011. „Am ersten Loch war ich so nervös“, sagte Greller später. „Da habe ich ihm eine falsche Distanz angesagt. Es ging auf der zehnten Bahn los. Und ich dachte, wir sind auf der eins.“

          Taschenträger und Schirmhalter: Greller schützt Spieth Bilderstrecke

          Trotz des Altersunterschieds charakterisieren die beiden ihre Beziehung gerne als die von Brüdern. Wenn Spieth nach einer Runde vor Journalisten über einzelne Schläge reflektiert, unterstreicht er regelmäßig den Input seines Caddies. Er spricht von „wir“ und meint damit die Gemeinschaftsleistung, bei der auch der Adjutant Anerkennung erhält für seine Arbeit. Gute Caddies sind Ratgeber, die ihre Spieler vor jedem Schlag mit Informationen über Entfernung, Windrichtung und Geländeprofil füttern und ihnen den passenden und makellos sauberen Golfschläger in die Hand drücken. Und die als Blitzableiter bei Spannungen herhalten müssen.

          Wie ein Lottogewinn

          Obwohl in der Branche als ausgemacht gilt, dass ein guter Caddie einen guten Spieler pro Runde ein um anderthalb Schläge besser macht, wird ihre Rolle gerne ignoriert. Und wenn sie mal Luft ablassen wie der Neuseeländer Steve Williams nach seinem Rauswurf bei Woods, dann reagiert die amerikanische Golfpresse indigniert. Genauso wie viele Profigolfer. Im Fall von Greller und dessen Einnahmen schwingt allerdings auch ein wenig Respekt mit. Obwohl die Konstellation auf Außenstehende wie ein Lottogewinn wirken muss.

          Tatsächlich verwischen solche Nachrichten das tatsächliche Los vieler Caddies im Profigolf, die bescheiden verdienen, keine Krankenversicherung und keine Altersvorsorge haben und mehr als 30 Wochen im Jahr in billigen Hotels übernachten müssen. Greller hingegen ist ein gemachter Mann. „Eigentlich hat mich alles in meinem Leben darauf vorbereitet“, sagte er vor einer Weile. „Besonders die zehn Jahre als Lehrer. Wenn du nicht selbstbewusst bist, merkt das der Spieler. Gleichzeitig musst du bereit sein zu dienen und jemanden ständig anzufeuern. Das ist genauso wie in der Schule. Mit einer Ausnahme: Jetzt habe ich nur noch ein Kind.“

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