https://www.faz.net/-gtl-6yte4

Michael Bakos im Gespräch : „Wir sind die Gallier, die sind die Römer“

  • Aktualisiert am

Eine der erstaunlichsten Geschichten im deutschen Eishockey: Michael Bakos und die Straubing Tigers stehen im Halbfinale Bild: imago sportfotodienst

In Straubing wird viel getan für die gute Stimmung, nicht nur am Puck. Am Donnerstag starten die Tigers ins DEL-Halbfinale gegen die Eisbären Berlin (19.35 Uhr). Im F.A.Z.-Interview spricht Kapitän Michael Bakos über das regionale Frühlingsmärchen.

          Michael Bakos, Kapitän der Straubing Tigers, bestreitet seine 16. Saison in der Deutschen Eishockey Liga (DEL). Mit Mannheim war der 33-Jährige 2001 deutscher Meister - er fehlte aber im entscheidenden Finale verletzt. Nun hat der 100-malige Nationalspieler Anteil an einer erstaunlichen Geschichte mit den Tigers, die das Play-off-Halbfinale der DEL gegen die Eisbären Berlin erreicht haben. Um 19.35 Uhr an diesem Donnerstag startet die erste Partie in der Hauptstadt.

          Wie kann man bezeichnen, was in Straubing derzeit passiert?

          Irgendwo habe ich etwas von Frühjahrsmärchen gelesen. Das passt ganz gut. Denn Hoffnungen, dass in dieser Saison etwas Tolles passiert, hatten wir aufgrund unserer Leistungen in dieser Saison schon. Dass wir aber nun zu den besten vier Teams in Deutschland gehören und dass die Region hier regelrecht ausflippt, ist schon unglaublich. Ich würde es tatsächlich als regionales Frühjahrsmärchen bezeichnen.

          Haben Sie in ihrer Karriere schon mal erlebt, dass ein Halbfinal-Einzug so frenetisch gefeiert wurde?

          In Mannheim würde niemand einen Autokorso veranstalten, wie es nach unserem Sieg gegen Wolfsburg geschehen ist. Wir haben jetzt zwar etwas erreicht, aber auch noch nichts gewonnen. Das ist ein Zwischenerfolg. Trotzdem brechen hier alle Dämme. Ich finde aber genau das toll: dass sich Menschen auch über kleinere Erfolge so freuen können.

          Gibt es in Straubing jetzt ein ständiges Schulterklopfen für die Spieler?

          Im Eis-Center 2000 bekommen wir öfter Espresso und Spaghetti-Eis ausgegeben. Die Leute freuen sich halt auch, dass man zu ihnen kommt. Das ist auch nie ein unangenehmer Trubel. Wir freuen uns darüber, dass wir etwas bewegt haben. Der Bayer ist ja eher reserviert. Umso schöner, dass er jetzt so aus sich herauskommt.

          Worin liegt die Stärke der Mannschaft?

          In der Geschlossenheit. Wir haben keine Spieler, die sich wie Stars benehmen. Wir halten zusammen. Jeder gönnt dem anderen auch individuelle Erfolge. Das ist eine Grundstimmung, die gerade auch unser Trainerteam Dan Ratushny und Bernie Englbrecht verbreitet.

          Nach außen hin sorgen zwei Spieler besonders für Stimmung. Torwart Barry Brust lässt schon mal die Fäuste fliegen, und Verteidiger Bruno St. Jacques tanzt nach Siegen mit nacktem Oberkörper auf dem Eis . . .

          Bruno tanzt immer. Vor dem Spiel in der Kabine, nach dem Spiel, beim Training. Er fühlt sich halt wohl, zeigt das, und das hilft auch seiner Leistung. Als Spielertyp bin ich begeistert von ihm. Ja, und Barry ... Sagen wir so: Solche Typen kommen immer dann um die Ecke, wenn man denkt, man hat schon alles erlebt. Am Anfang war er nach seinen Fights oft gesperrt. Aber er hat sich akklimatisiert und strahlt eine Ruhe und Gelassenheit aus, als würde es um nichts gehen. Dazu spielt er Aufbaupässe wie ein Feldspieler. Und sollte im Halbfinale hingelangt werden müssen, ist er sicher auch wieder mit dabei.

          Ein regionales Frühlingsmärchen: Die Straubing Tigers stehen im DEL-Halbfinale und hoffen auf mehr

          Dort warten die Eisbären Berlin: kleinste gegen größte Stadt der DEL, Außenseiter gegen Meister. Das reizvollste aller Duelle?

          Wir sind die Gallier, und die sind die Römer. Wir brauchten Miraculix und den Zaubertrank. Aber wir sind nicht ohne Chance. Obwohl die Berliner mental und physisch sicher in einer besseren Verfassung als Wolfsburg sind.

          Stimmt es, dass es eine Meisterprämie zwischen 10.000 und 20.000 Euro geben würde?

          Nein. Über diese Meldung haben wir uns auch sehr geärgert. Bei Vertragsabschluss geht es bei jedem Profi auch um Prämien. Aber wir sind Straubing und nicht Mannheim oder Berlin. Wer sich im Eishockey auskennt, weiß, dass hier solche Summen gar nicht bezahlt werden können. Es wären eher 20 000 Euro für alle zusammen.

          Sie haben sich früh entschieden, den Verein nach der Saison zu verlassen und nach Augsburg zurückzukehren. Zu früh?

          Ich habe die Entscheidung aus familiären Gründen getroffen und bin sehr zufrieden damit, auch wenn ich hier sehr viel Spaß habe. Ich freue mich auf meinen Heimatverein und genieße jetzt noch die Zeit und den Erfolg in Straubing. Ich kann die Jungs ja schlecht alle mitnehmen.

          Weitere Themen

          Auf der Welle zum Rekord Video-Seite öffnen

          „Big Wave“-Surfer in Portugal : Auf der Welle zum Rekord

          Sebastian Steudtner surft in seiner Wahlheimat, dem portugisischen Nazaré, auf gigantische Wellen. Zwischen „Bergen aus Wasser“ surft der 33-jährige Deutsche, der schon zweimal den begehrten XXL Global Big Wave Award gewann, allerdings relativ gelassen.

          Topmeldungen

          Der Regelfall: Deutsche Polizisten als Freunde und Helfer beim DfB-Pokalspiel am 18. August in Ulm

          „NSU 2.0“ in Frankfurt : Die Polizei – dein Feind und Henker?

          Rechtsextreme drohen einer Frankfurter Anwältin, ihre zwei Jahre alte Tochter zu ermorden. Spuren führen zu einem rechtsextremen Netzwerk inmitten der Frankfurter Polizei. Bundestagsabgeordnete aller Fraktionen zeigen sich alarmiert.

          Reisewarnung wegen Brexit : Warnt May die Briten vor Europareisen?

          Der Brexit steht vor der Tür und ob es einen Deal gibt, ist immer noch unklar. Angeblich plant die britische Regierung darum eine Reisewarnung für Europa. Die Regierung dementiert. Doch die Unruhe wächst.

          Schwangerschaftsabbrüche : Die alten Gräben

          In der Debatte über das Werbeverbot für Abtreibungen wird viel Falsches behauptet. Auf beiden Seiten des ideologischen Grabens. Dabei darf man auch den größten Missstand nicht aus dem Auge verlieren. Ein Kommentar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.