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Fernsehen und die Formel 1 : Plötzlich interessieren sich alle für eSport

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Volle Hallen – so wie hier bei einem Event in Berlin – sind kein Einzelphänomen mehr: eSport wird bei den Sportfans immer beliebter Bild: dpa

Ist eSport bei den Deutschen schon so beliebt wie Radsport und Volleyball? Eine neue Studie behauptet das jedenfalls. Grund genug für die Formel 1, einen deutschen TV-Sender und einen Autobauer sich künftig im eSport zu engagieren.

          Der eSport-Boom zieht auf der ganzen Welt immer weitere Kreise: Nachdem in der vergangenen Woche der Berliner Kuro Salehi „KuroKy“ Takhasomi zum erfolgreichsten eSportler der Welt aufstieg und sich auch die Computerspielemesse Gamescom in den kommenden Tagen intensiv mit dem neuen Trendsport beschäftigt, springen nun auch immer mehr Sportarten, Fernsehsender und Sponsoren auf den rasenden eSport-Express auf. Am Montag hat sich nun auch die Formel 1 dem wachsenden eSports-Markt geöffnet und gleich eine eigene Serie ins Leben gerufen. Wie der Vermarkter der Motorsport-Königsklasse am Montag mitteilte, wird bereits ab September der beste virtuelle Formel-1-Fahrer der Welt gesucht. Der Sieger darf sich Weltmeister der Formel-1-eSports-Serie nennen. „Dieser Launch ist eine großartige Chance für uns. Einmal aus strategischer Sicht, und um neue Fans zu gewinnen“, sagte Formel-1-Marketingchef Sean Bratches. Der neue Königsklasseneigner Liberty Media geht damit einen Weg, den das Vorgängerkonsortium um Bernie Ecclestone konsequent abgelehnt hatte.

          Für die eSports-Serie der Formel 1 werden ab September die besten Fahrer in verschiedenen Ausscheidungsrunden ermittelt. Die Top 20 wird nach Abu Dhabi reisen und am letzten November-Wochenende parallel zu den Stars der Formel 1 ihren Champion küren. Aufhänger des Launchs der Serie ist die Veröffentlichung der neuesten Ausgabe des offiziellen Spieletitels „Formula 1“ am kommenden Freitag, der auf PC, Playstation 4 und Xbox One gespielt werden kann. Bei „Formula 1 2017“ kann man neben verschiedenen Spielmodi mit den Fahrern, Teams und auf den Strecken der laufenden Saison auch einen Karrieremodus bespielen sowie auf modernen Kursen mit klassischen Rennwagen fahren.

          In Asien schon längst ein Massenphänomen

          Besonders in Asien ist eSports längst ein Massenphänomen. Auch in Deutschland interessieren sich immer mehr Menschen für den elektronischen Sport. Laut einer aktuellen Studie des Forschungs- und Beratungsunternehmens Nielsen Sports in Kooperation mit Infront Deutschland und Sport1 Media interessierten sich 23 Prozent von 1191 befragten Personen zwischen 14 und 49 Jahren für eSports. Auf die gleiche Prozentzahl kamen die traditionellen Sportarten Radsport und Volleyball. Knapp dahinter landeten Skilanglauf, Snowboard (je 22 Prozent) und Tischtennis (19 Prozent).

          Die wachsende Begeisterung bei den Sportinteressierten macht das Thema eSports auch für die deutschen Fernsehsender immer interessanter. Wie die Sendergruppe ProSiebenSat.1 am Montag auf dem Spobis Gaming & Media in Köln bekannt gab, hat sie eine Partnerschaft mit der weltgrößten Spieleplattform ESL abgeschlossen sowie die bestehende Kooperation mit der Ligenplattform Eleague erneuert. „Wir glauben an eSport als eines der großen Wachstumsfelder im Sport. Free-TV als Massenmedium und hochwertiger Content sind das Rüstzeug, um neue Zielgruppen von diesem Thema zu begeistern“, sagte Geschäftsführer Zeljko Karajica von der ProSieben-Unternehmenstochter 7Sports.

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          Das Engagement des Senders beinhaltet ab dem 30. August (0.15 Uhr) das wöchentliche Magazin „ran eSports“ auf ProSieben Maxx, das sich dem Ego-Shooter Counter Strike und weiteren beliebten Spieletiteln widmet. Zudem wird Sport1 ab dem 22. September (21 Uhr) eine sechsteilige Dokumentation über die eSports-Aktivitäten des Fußball-Bundesligaklubs VfL Wolfsburg ausstrahlen. „Dieser Ansatz deckt sich mit unserer Pionierarbeit und der Positionierung von Sport1 als führende Destination für eSports-Fans im deutschsprachigen Raum“, sagte Robin Seckler, Geschäftsführer Digital Products bei Sport1.

          Lukrativ ist der Markt auch für Sponsoren. Michael Heina, der bei Nielsen Sports die Aktivitäten rund um eSports verantwortet, sagte dazu: „Die Bekanntheitswerte zeigen, dass eSports auch für Marken aus eSports-fernen Branchen eine spannende Plattform sein kann. Aktuell sind die Preise für Sponsoring-Pakete größtenteils geringer als im klassischen Sport.“ Passend dazu wird sich künftig auch Mercedes-Benz im eSports engagieren. Der Automobilhersteller aus Stuttgart kooperiert ab sofort mit dem weltgrößten eSports-Unternehmen ESL und beginnt bereits im Oktober mit dem ersten TurnierSponsoring. Dann findet mit der ESL One in Hamburg eines der größten eSports-Turniere in Deutschland – mit einem Preisgeld in Höhe von einer Million Euro – statt.

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