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Mein Fitness-Kick : „Wahrscheinlich leide ich am Bayern-Syndrom“

Jetzt ist er weg, der große Schwung der ersten Tage - Michael Horeni mit Trainer Shad Forsythe Bild: Wonge Bergmann

Ich hatte mein Lebenskonzept komplett umgekrempelt, bin hoch motiviert in die EM-Saison gestartet, konnte meinen Bauch bald nur noch mit dem Fernglas entdecken. Aber jetzt ist der Schwung weg. Vielleicht sollte ich in der Winterpause mal über neue Trainer nachdenken.

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          Meine Fitnesstrainer hatten mir vorausgesagt, dass es auf dem Weg bis zur Europameisterschaft, in der ich mich in Topform befinden möchte, zu Rückschlägen kommen werde. Sie hatten Recht. Es ist passiert. Seit drei Wochen merke ich, dass mein Ehrgeiz allmählich nachlässt. Zu einem Zeitpunkt, an dem ich damit nicht gerechnet hatte.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Es lief eigentlich alles prächtig. Noch vor einem Monat hatte ich von Oliver Schmidtlein und Shad Forsythe großes Lob für meine Fortschritte bekommen. Ich fürchte mittlerweile, dass mir die Komplimente genauso wenig geholfen haben wie die eine Woche Krankheit kurz darauf. Seither habe ich meinen Rhythmus verloren. In den vergangenen zwei Wochen bin ich insgesamt nur noch zweimal ins Fitness-Studio gegangen, und es lag nicht daran, dass die Zeit besonders knapp geworden wäre.

          Nicht ganz unerhebliche Vorweihnachts-Lethargie

          Ich gönnte mir zunächst nur mal die eine oder andere Pause, weil ich sicher war, dass ich sie mir verdient hatte. Es hatte gar nichts damit zu tun, dass ich keine Lust mehr verspürte, mich nahezu täglich oder eben mindestens dreimal die Woche in die Sportklamotten zu schmeißen. Ich weiß ja mittlerweile, wie gut mir das tut. Aber wenn dann am Abend mal wieder eine der vielen netten privaten Vorweihnachtsverabredungen oder eine der offiziellen Weihnachtsfeiern ein bißchen länger dauerten, dann ließ der Reiz der korrigierende Übungen, des Kraft-Zirkeltrainings und der Cardio-Programme am nächsten Morgen doch ziemlich zu wünschen übrig.

          Fitnesstrainer Shad Forsythe: Gespräch in der Winterpause

          In dieser Woche war ich noch gar nicht im Studio, und ich ahne auch schon, dass ich mich in den kommenden Tagen auch viel lieber dem Weihnachtsshopping widmen werde und dabei nett Kaffee trinken gehe, als mir morgens um neun den Herzfrequenzmesser umzuschnallen. Was im Übrigen auch gar nicht mehr geht. Ich kann das Ding seit gut zwei Wochen, seit ich meinen Rhythmus verloren habe, nicht mehr finden. Ich mache auch keine Anstalten mir einen neuen zu kaufen. Ich bin noch nicht ganz sicher, was mich davon abhält: Die nicht ganz unerheblichen Kosten von rund hundert Euro oder meine nicht ganz unerhebliche Vorweihnachts-Lethargie. Vielleicht sollte ich mir zu Weihnachten einfach einen neuen Herzfrequenzmesser wünschen. Aber wer schenkt einem schon so etwas?

          Der große Schwung ist weg

          Wahrscheinlich leide ich derzeit am Bayern-Syndrom. Die Parallelen sind jedenfalls verblüffend. Nach meinen zahlreichen körperlichen Niederlagen im vergangenen Frühjahr hatte ich mich zu dem rigorosen Schnitt entschlossen und habe mein sportliches Lebenskonzept komplett umgekrempelt. Ich bin dann hochmotiviert in die EM-Saison gestartet, die Fortschritte waren atemberaubend, die Zahlen auf der Waage sprachen eine eindeutige Sprache und das Lob von Oliver und Shad natürlich erst echt. Ich konnte meinen Bauch, wie Uli Hoeneß sagen würde, bald nur noch mit dem Fernglas entdecken. Und ich scheute mich auch nicht, meine beiden Trainer im Bayern-Jargon der ewigen Großartigkeit als „Glücksfall“ und natürlich als „die besten Fitness-Trainer der Welt“ zu bezeichnen.

          Aber jetzt ist er weg - der große Schwung der ersten Tage, Wochen und Monate. „Ich muß bescheidener werden“, denke ich mir nun seit einiger Zeit mit Uli Hoeneß. Die Zahlen auf der Waage lesen sich aber immer noch sehr gut, um nicht zu sagen: Wie Platz eins auf der persönlichen Fitnesstabelle. Und so denke ich nun wie der Bayern-Manager, wenn jede Krise so endet, dann wünsche ich mir noch mehr solcher Krisen - auch wenn ich mich im Innern doch wie ein unzufriedener Herbstmeister fühle, der den verflogenen Zauber des Anfangs betrauert, und ihn sehnlich zurückwünscht. Vielleicht sollte ich in der Winterpause mal über neue Trainer nachdenken. Oliver, Shad und ich werden uns unbedingt mal unterhalten müssen.

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