https://www.faz.net/-gtl-x8sy

Mein Fitness-Kick : Falls Jogi mal Hilfe braucht . . .

Das war mein Jahr: mühsames Joggen Bild: Wonge Bergmann

Das war's. Ein Jahr nach meinem atemlos gefassten Entschluss, wieder Sport zu treiben, habe ich den Abschlusstest bei Oliver Schmidtlein bestanden: Ich bin fast so fit wie ein Nationalspieler. Mein Fitness-Kick bei FAZ.NET. Die Bilanz.

          3 Min.

          Der Abschlusstest - fast auf den Tag genau ein Jahr nach meinem atemlos und mit brennenden Oberschenkeln gefassten Entschluss, wieder Sport zu treiben, hat mich Oliver Schmidtlein in sein „Kompetenzzentrum für integrative Sportmedizin und Sportlerbetreuung“ nach München bestellt. Das klingt ja schon mal nicht schlecht: Kompetenzzentrum.

          Michael Horeni
          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Aber in den letzten Wochen vor dem Test hatten mich erkältete Kinder und dazu eine hartnäckige eigene Krankheit doch ziemlich vom Training abgehalten. Und der Testtermin, ein Tag nach dem letzten Vorbereitungsländerspiel der deutschen Mannschaft in Gelsenkirchen gegen Serbien, war natürlich auch Gift. Mitten in der Nacht ging's zurück nach Frankfurt und am nächsten Morgen gleich wieder in aller Frühe weiter in den Zug nach München - um dort gegen 11.30 Uhr in Schmidtleins Institut die Leistung eines Trainingsjahrs mit den Fitnessprofis abzurufen. Das spricht natürlich jeder sportwissenschaftlichen Vorbereitung hohn.

          „Bei dem Ding kann man nicht schummeln?“

          Zunächst werde ich wieder einmal verkabelt. Omega-Wellen. Ich kenne das mittlerweile. Als jedoch Shad Forsythe die Kabel anlegt, ereilt mich trotzdem das schlechte Gewissen. Ich hätte gerne mehr trainiert im vergangenen Monat. „Bei dem Ding kann man nicht schummeln?“, frage ich meine beiden Fitnesstrainer vorsichtig. Sie schütteln die Köpfe.

          Das war mein Jahr: entlarvendes Körpermessen
          Das war mein Jahr: entlarvendes Körpermessen : Bild: Wonge Bergmann

          Das ist jetzt wieder wie in der Schule, wenn die Lehrerin die Klassenarbeiten in A und B aufteilt und dann auch noch die Tische auseinander stellt. Ob das Gerät wirklich nicht merkt, dass ich zuletzt ein wenig mit meinem Programm geschwächelt habe? Nach zwanzig Minuten schaut sich Oliver Schmidtlein die Daten an. Er stellt vollkommen zutreffend fest: „Zu wenig geschlafen.“ Aber ansonsten sieht zu meiner Erleichterung alles ganz gut aus.

          Der Schnitt liegt bei 17

          Jetzt steht der erste Test auf dem Programm. Aber ich spüre auf einmal meinen Magen. Das Deutsche-Bahn-Frühstück - Schweizer Müsli, drei Mini-Vollkornbrote (Käse, Schinken, Salami) und grüner Tee - war vielleicht doch nicht die ideale und ausreichende Sportlernahrung. Aber Ausreden zählen nicht mehr. Der „Functional Movement Screen“, den auch die Nationalspieler absolvieren mussten, kostet nur wenig Kraft. Sieben Übungen sind das, drei Punkte gibt's bei perfekter Ausführung. Es geht um Stabilität und Balance. Damit hatten wir zu Saisonbeginn auch begonnen. Damals kam ich auf 12 Punkte - ein Zeichen für Verletzungsgefahr, bei weniger als 15 Punkten wird Profis vom Einsatz abgeraten. Beim zweiten Test im April hatte ich mich auf 17 Zähler gesteigert. Zum Abschluss sind es jetzt 18 - persönliche Bestleistung.

          Der Schnitt bei der Nationalmannschaft, sagen die beiden Trainer, liegt bei 17. „Das reicht völlig“, sagen sie. Denn die Kloses, Gomez' und Podolskis sollen ja auch noch Tore schießen, und die Metzelders und Mertesackers müssen ja Ronaldo, Toni und Ribéry stoppen. Ich habe in dieser Saison irgendwie vergessen, mit dem Ball zu trainieren. Hätte ich vielleicht mal tun sollen.

          Es geht dabei nur um eins: Durchhalten

          Der Ausdauertest. Ein Steigerungslauf, rund zehn Minuten auf dem Laufband, mit fiesen Steigungen am Ende, es geht an die Leistungsgrenze. Mein Puls steigt kontinuierlich bis auf 191, die Regeneration danach funktioniert. Das Ergebnis, sagt der Computer auf Englisch, ist für mein Alter „excellent“. Dass ich vor einem Jahr beim Joggen um die Alster dem Kollaps nahe war, liegt unendlich weit zurück. Dreimal die Woche habe ich seitdem im Schnitt trainiert. Erst alleine, dann von August an unter Führung der DFB-Fitnesstrainer. Sie erstellten für mich „korrigierende Übungen“, um mich erst einmal für anspruchsvolleres Training zu präparieren, arbeiteten danach immer wieder neue und anspruchsvollere Lauf- und Kraftprogramme aus. Nach ein paar Monaten schickten sie mich in ein Fitness-Studio (59 Euro pro Monat), wo ich Hanteln und Zugmaschinen kennen lernen sollte. Es wuchsen aber nicht nur Muskeln und Ausdauer, es wuchs vor allem die Lebensqualität durch ein neues Körpergefühl.

          Sie erklärten mir dann auch noch, wie wichtig Regenerationszeiten sind und wie förderlich gesunde und zu den richtigen Zeiten eingenommene Ernährung ist - und irgendwann teste ich dann ganz freiwillig meine Grenzen beim Boxtraining mit den ganz harten Jungs. Ich lernte dabei in eineinhalb Stunden, dass es dabei nur um eins geht: Durchhalten.

          Oliver und Shad haben meine Nummer

          Daran erinnerte ich mich, als der letzte Test auf dem Programm steht, der Klinsmann-Test. Der frühere Bundestrainer hatte seinen Spielern vor zwei Jahren angedroht: Nur wer fünf Klimmzüge schafft, darf mit zur WM! Das war beim Trainingsstart mit Schmidtlein und Forsythe auch mein Ziel. Fünf Klimmzüge. Damals aber machte ich schon nach einem schlapp. Aber jetzt schaffe ich tatsächlich die WM-Norm - fünf Klimmzüge, null Problem.

          Das war's. Test beendet. Oliver Schmidtlein schaut sich alle Ergebnisse an und sagt: „Jetzt bist du in der Lage, am Trainingslager der Nationalmannschaft teilzunehmen.“ Ich denke kurz darüber nach. Ich entscheide mich aber dafür, weiter über die Nationalelf zu berichten. Aber falls Jogi wirklich mal Hilfe braucht: Oliver und Shad haben meine Nummer.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Ein Airbus der Lufthansa landet im November 2020 auf dem Berliner Flughafen Tegel.

          Klimaschutz : Rettet die Inlandsflüge

          Ein Verbot von Inlandsflügen, wie es zuletzt in Frankreich beschlossen wurde, ist der falsche Weg zum Klimaschutz. Es gibt andere, bessere Möglichkeiten.
          Wichtiger Wert: Wie viele Covid-Kranke auf  Intensivstationen liegen.

          Kennwerte der Corona-Pandemie : Neue Zahl, neues Glück?

          Die Zahl der Neuinfektionen bestimmte in den vergangenen Monaten den Alltag. Damit soll nun Schluss sein. Doch die neuen Pläne der Regierung gehen Wissenschaftlern nicht weit genug – denn Entscheidendes wurde in Deutschland versäumt.
          Am 18. Juni in Teheran: Ebrahim Raissi winkt den Medien zu, nachdem er seine Stimme in einem Wahllokal abgegeben hat. Die Wahl gewann er.

          Irans neuer Präsident : Schlächter und Schneeflocke

          Nächste Woche tritt Ebrahim Raissi sein Amt als iranischer Präsident an. Mit ihm zerbricht der Mythos vom reformfähigen Regime. Weiß der Westen, mit wem er es zu tun bekommt? Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.