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Mehrkampf in Ratingen : Behrenbruch gewinnt Showdown

  • -Aktualisiert am

WM-Qualifikation geschafft: Pascal Behrenbruch beißt sich durch Bild: dpa

Hochspannung bis zur letzten der zehn Disziplinen, drei Athleten fast gleichauf - und das auf hohem Niveau. Der Zehnkampf in Ratingen hält, was die Werbung verspricht.

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          Man soll ja mit dem Begriff Showdown vorsichtig umgehen. Nicht jeder Wettkampf hält, was die Werbung verspricht. Das Mehrkampf-Meeting am Wochenende in Ratingen aber war in dieser Hinsicht alles andere als Etikettenschwindel. Zumal bei den Männern. Hochspannung bis zur letzten der zehn Disziplinen, drei Athleten fast auf einem - noch dazu erstaunlich hohen - Niveau. Und das bei dem immensen Druck. Denn Ratingen war die letzte Gelegenheit für die deutschen Zehnkämpfer, sich für die Leichtathletik-WM im August in Moskau zu qualifizieren. Da mochte keiner auch nur einen Zentimeter Boden preisgeben. Ein Nervenspiel. Und in der vorletzten Disziplin war der Frankfurter Jan-Felix Knobel dank eines 71,61 Meter-Wurfs mit dem Speer gar am Spitzenreiter und Favoriten Rico Freimuth aus Halle vorbeigezogen.

          Vor dem abschließenden 1500 Meter-Lauf lagen Knobel, Freimuth und Europameister Pascal Behrenbruch auf Platz drei nur 16 Punkte auseinander. Und dann setzte sich zum Schluss die läuferische und kämpferische Qualität Behrenbruchs durch. Seine 8514 Punkte bedeuten neue Jahresweltbestleistung - und das Ticket nach Moskau. Den eigenen Anspruch erfüllt. „Der Europameister muss doch einfach zur WM“, sagte der Mann von der LG Eintracht Frankfurt, der dort mit Freimuth (8488 Punkte) gemeinsam auftauchen wird. Behrenbruchs Vereinskollege Knobel muss sich trotz persönlicher Bestleistung (8396) mit der Erkenntnis begnügen, endlich wieder Spaß am Zehnkampf gefunden zu haben. Es waren nur noch zwei Plätze frei.

          Als Zweiter zur WM: Rico Freimuth
          Als Zweiter zur WM: Rico Freimuth : Bild: dpa

          Sie haben es nicht leicht, die Zehnkämpfer, das bringt schon die strapaziöse Vielfalt an zwei Tagen mit sich. Und dann noch diese lästige Rechnerei. Normalerweise beginnt die frühestens nach dem Stabhochsprung, der siebten Disziplin. Aber ausgerechnet in Ratingen ging die Rechnerei schon nach dem ersten Wettkampf los. Allerdings nicht in Punkten, sondern in Metern pro Sekunde. Weil mitten im 100-Meter-Lauf der aussichtsreichsten WM-Kandidaten eine Böe ungewöhnliche Schubkraft entwickelte. 10,36 Sekunden, wie sie Freimuth lief, bringen zwar mehr als 1000 Punkte, bergen aber wegen der 5,4 Meter pro Sekunde Rückenwind eine große Gefahr. Es gibt nämlich eine Regel, die besagt, dass Leistungen nur dann in die Bestenlisten aufgenommen werden können, wenn der durchschnittliche Rückenwind aus den „Winddisziplinen“ 100 Meter, Weitsprung und 110 Meter Hürden nicht mehr als 2,0 Meter pro Sekunde beträgt.

          Der unglückliche Dritte trotz persönlicher Bestleistung: Jan-Felix Knobel
          Der unglückliche Dritte trotz persönlicher Bestleistung: Jan-Felix Knobel : Bild: dpa

          Wäre es danach gegangen, hätte nach den Hürden nur noch Europameister Behrenbruch eine Chance auf Moskau gehabt. Alle anderen, Freimuth, dessen Vereinskollege Norman Müller oder Knobel, waren vom Rückenwind verweht. Nun hat der Deutsche Leichtathletik-Verband seine Nominierungsrichtlinien für Moskau aber clever formuliert. Die ersten beiden von Ratingen, heißt es darin, seien automatisch für die WM qualifiziert, sofern sie mehr als 8300 Punkte erzielten. Von Wind oder anderen Unwägbarkeiten ist da nicht die Rede. Wobei die 8514 Punkte Behrenbruchs Eingang in die Bestenliste findet.

          Schrader hatte seinen Platz schon sicher

          Der dritte Platz für Moskau war ohnehin vergeben. An Michael Schrader, der nach langer Verletzungspause Ende Mai in Ulm bei seinem Comeback nach zweieinhalb Jahren regulär 8427 Punkte erzielt hatte - bis zum Wochenende Platz eins der internationalen Bestenliste. Der Leverkusener saß in Ratingen auf der Tribüne, weil er sich seiner Sache sicher war.

          Die Deutschen haben zwar keinen Ausnahmekönner wie den amerikanischen Weltrekordhalter Ashton Eaton (9039 Punkte), aber dafür eine Breite auf hohem Niveau wie kaum eine andere Nation. Und das war in Ratingen deutlich zu sehen. Sechs Athleten über der 8200-Punkte-Marke, das hat es lange nicht gegeben. Die Männer von Zehnkampf-Bundestrainer Rainer Pottel, die bei der ersten großen WM-Qualifikation in Götzis (Österreich) bei eher frühwinterlichen Bedingungen im Mai bis auf Müller noch kollektiv Schiffbruch erlitten hatten, zeigten im windigen Ratingen ihr wahres Potential. Das gibt Hoffnung für Moskau. Ob die Ergebnisse nun für die Bestenlisten taugen oder nicht.

          Mächtig gesteigert

          Bei den Frauen hat ein Trio souverän das Ticket für Moskau gelöst. Die Neubrandenburgerin Julia Mächtig gewann die Ausscheidung mit der Weltjahresbestleistung von 6430 Punkten. Auch Claudia Rath aus Frankfurt mit 6317 Punkten sowie die drittplatzierte Leverkusenerin Kira Biesenbach mit 6185 Zählern schafften mit persönlichen Bestleistungen die Norm und fahren zu den Titelkämpfen.

          Mächtig gesteigert: Weltjahresbestleistung für Siebenkämpferin Julia Mächtig
          Mächtig gesteigert: Weltjahresbestleistung für Siebenkämpferin Julia Mächtig : Bild: dpa

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