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Deutsche Sportlandschaft : Turnhallen gegen die Monokultur

  • -Aktualisiert am

Viel los beim Tischtennistraining in Frankfurt Bild: Cornelia Sick

Teambesprechungen im Hotelflur und fehlende Hallenplätze: Jenseits von König Fußball kämpfen viele Sportarten täglich ums Überleben.

          Die ehemalige Hockeyspielerin und Filmregisseurin Rebecca Landshut hat die deutschen Nationalmannschaften für ihren Dokumentarfilm „Ecke, Schuss, Gold“ ein Jahr lang sehr eng auf ihrem Weg nach Rio begleitet. Gelungen sind ihr dabei tiefe Einblicke in eine Sportwelt, die bei weitem nicht so glitzernd ist, wie sich viele das vorstellen. In einer eher nebensächlichen Szene etwa sind die deutschen Herren bei ihrer Videobesprechung vor dem Endspiel der Hockey-Europameisterschaft 2015 zu sehen - die Spieler sitzen in Ermangelung eines Konferenzraums auf dem Teppich im Hotelflur, direkt vor den Aufzügen. Sie lauschen den Worten des Trainers, der seine Rede mitunter unterbrechen muss, wenn Gäste aus dem Fahrstuhl kommen und über die Nationalspieler steigen müssen, um ihre Zimmer zu erreichen.

          Im größtmöglichen Kontrast dazu stehen Zahlen, die am Mittwoch, gleichfalls als Nebensache, veröffentlicht wurden. Der Einzug in das Achtelfinale der Champions League wurde dem FC Bayern München mit 7,5 Millionen Euro vergütet, insgesamt hat der deutsche Fußballmeister in dieser Saison schon 23,2 Millionen Euro an Prämien eingenommen. In der vergangenen Saison, die für die Bayern im Halbfinale endete, erhielt der Klub 64,391 Millionen Euro - Titelgewinner Real Madrid steckte 80,067 Millionen ein, der englische Vertreter Manchester City kam aufgrund des komplizierten Aufteilungsschlüssels gar auf 83,853 Millionen Euro.

          Viele Vereine platzen aus allen Nähten

          Es sind also zwei Welten, die unterschiedlicher kaum sein können, in denen Spitzensport getrieben wird. Dass der Deutsche Fußball-Bund nun auch Futsal - die attraktivere Variante dieses Spiels unterm Dach im Vergleich mit dem Langeweiler Hallenfußball - entdeckt hat, darf die kleinen Sportarten dabei durchaus erschrecken, auch wenn die Ansprüche noch so bescheiden sind. Der Streit um Sendeplätze im Fernsehen ist für viele ein nicht zu gewinnender Kampf gegen Windmühlen - alles, wo Fußball draufsteht, befindet sich stets auf der Überholspur.

          Groß zu denken wie im Fußball verbietet sich so für viele der Sportarten, die täglich ums Überleben kämpfen. Und deshalb war die am Dienstag bei der Verleihung des Silbernen Lorbeerblattes geäußerte Hoffnung von Bundespräsident Joachim Gauck auf eine abermalige Olympiabewerbung Deutschlands zwar aller Ehren wert, sie würde aber das größte Problem nicht lösen. Gauck aber wünschte sich auch mehr Bedeutung für den Schulsport und den verstärkten Bau von Sportstätten für Schulen und Vereine im ganzen Land. Es ist schließlich nicht so, als würden Deutschlands Kinder nur noch vor dem Computer sitzen. Viele Vereine platzen aus allen Nähten, es fehlen Plätze und Hallen. Aber nur bei Konferenzräumen vor Finalspielen lässt sich improvisieren.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

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