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Mehr als Tennis : Johnnys Botschaft

  • -Aktualisiert am

Motivationsband: Andrea Petkovic und Jonathan Heimes Bild: privat

Jonathan Heimes und Andrea Petkovic kommen aus dem selben Tennisklub. Vor Jahren trennten sich ihre Wege. Sie stieg in die Weltklasse auf, er kämpft gegen den Krebs. Mit der Aktion DUMUSSTKÄMPFEN schlagen sie nun eine Brücke zwischen Sport und krebskranken Kindern.

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          „Zwei Wochen nach der Operation, als ich aus dem Koma erwachte, realisierte ich, was mit mir passiert war. Vor ein paar Monaten war ich noch ein Topsportler gewesen, und jetzt? Jetzt war ich nur noch dieses körperliche Wrack, das in einem Krankenhauszimmer lag. Meine Tagesaufgabe bestand darin zu atmen, das allein machte schon alle glücklich.“ *

          Jonathan Heimes, genannt Johnny, ist vierzehn Jahre alt, als ihm die Ärzte in der Nacht zum 13. Juni 2004 in Frankfurt den Schädel aufbohren und während einer sechsstündigen Operation einen bösartigen Tumor, ein Medulloblastom, aus dem Kleinhirn entfernen. Als er nach zwei Wochen aus dem Koma erwacht, wiegt er bei einer Körpergröße von 1,70 Metern noch 43 Kilogramm, die Wunde am Hinterkopf ist mit Metallnadeln getackert, die Kopfschmerzen sind trotz des Morphiums, das sie ihm geben, kaum auszuhalten. Seine rechte Körperseite kann er nicht bewegen, keiner der Ärzte kann ihm sagen, wie viel der Tumor und die Operation in seinem Kleinhirn zerstört haben. Was sie sagen ist, dass sich das Gehirn nach solchen Störungen manchmal wieder an Dinge „erinnern“ könne, die es schon einmal gelernt habe. An was, an wie viel, könne man nicht sagen. Aber es lohne sich zu üben, zu lernen, zu trainieren. Wie beim Sport.

          Zwei Jahre zuvor, mit zwölf, ist Jonathan Jugend-Hessenmeister im Tennis. Andrea Petkovic, drei Jahre älter als er, ist zur gleichen Zeit deutsche Jugendmeisterin. Zwei Tenniskinder vom TEC Darmstadt, trainiert von Zoran Petkovic, Andreas Vater. Die beiden sind die größten Talente, an die man sich im Verein erinnern kann. Andrea ist groß und stark, Jonathan klein und flink, geschickter als die anderen, seine motorischen Fähigkeiten sind überragend. Sie spielen im Hessenkader, auf internationalen Turnieren, dann trennen sich die Wege, vor Andrea liegt der Aufstieg in die Weltspitze, vor Jonathan eine lange Leidensgeschichte.

          Klein und flink: Jonathan ist Hessenmeister mit zwölf
          Klein und flink: Jonathan ist Hessenmeister mit zwölf : Bild: privat

          „Ich bin sehr glücklich mit dem, was ich erreicht habe“, sagt Andrea Petkovic, „aber was Johnny geleistet hat, wiegt um vieles mehr. Er hat viel, viel mehr erreicht als ich. Er war immer der Sportlichste, der Koordinativste von uns allen, und dann konnte er von einem Tag auf den anderen kaum noch gehen. Wie er sich durchgekämpft hat, wie er dem Krebs die Stirn geboten hat, mit seiner Willenskraft und seinem Durchhaltevermögen, das ist unglaublich.“

          Auch Francesco Pianeta sieht das so. Wer ein Schicksal habe wie Jonathan, sagt er, leiste „eine Milliarde Mal mehr“ als jeder Sportler. Der Schwergewichtler aus Gelsenkirchen kann das beurteilen, er ist Profiboxer, erkrankte vor drei Jahren an Hodenkrebs und hatte zwei Chemos. Jonathan hat dreiundzwanzig bis jetzt.

          Nimm dir ein Beispiel an Liverpool!

          Dreiundzwanzig Chemos, danach immer Kochsalzlösungen, acht Liter das letzte Mal, um das Gift, das MTX und Cisplatin, aus dem Körper zu spülen, das die Tumorzellen vernichten soll, aber den ganzen Körper angreift, die Nieren, die Schleimhäute, das Immunsystem. Gegen die Nebenwirkungen verabreichen die Ärzte Cortison, Antibiotika, Schilddrüsenmedikamente, dazu Dutzende Blutkonserven. Jonathan kann verstehen, wie sich ein Doper fühlt, wenn er frisches Blut bekommt.

          Krankenhausalltag: Training zu Beginn des ersten Chemozyklus
          Krankenhausalltag: Training zu Beginn des ersten Chemozyklus : Bild: privat

          Er nimmt sich Sportler zum Vorbild, Oliver Kahn und sein „immer weiter“, den Boxer Arthur Abraham, der einen WM-Kampf mit einem doppelten Kieferbruch gewinnt, den FC Liverpool, dessen Champions-League-Finale 2005 gegen den AC Mailand er auf der Frankfurter Kinderkrebsstation während seiner sechsten Chemo erlebt. Liverpool liegt zur Halbzeit 0:3 zurück, alles scheint verloren, aber die Engländer geben nicht auf, und tatsächlich, sie drehen das Spiel, holen den Titel. Nimm dir ein Beispiel an Liverpool! Das wird Johnnys Leitgedanke. Prominente Sportler schicken ihm Trikots und gute Wünsche, Boris Becker, Steffi Graf, Jürgen Klopp, Arthur Abraham und viele Stars des Hamburger SV, seines Lieblingsklubs: Sergej Barbarez, Ruud van Nistelrooy, später auch Rafael van der Vaart, den er bei einem Spiel in Mainz trifft. Auf sein Zimmer zu Hause, in dem die Trophäen hängen, sei wohl so manches Sportmuseum neidisch, sagt er.

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