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Medienkonzern : Sky steigt bei Top-Team des Radsports aus

  • Aktualisiert am

Geraint Thomas vom Team Sky gewann 2018 die Tour de France. Bild: AP

Mit großem finanziellen Einsatz verhalf der Sky dem Radsport-Team um um Tour-de-France-Gewinner Thomas zu vielen Erfolgen. Bald zieht sich der Medienkonzern zurück.

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          Das Ende der Ära Sky kam wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Sir Dave Brailsford, mächtiger Chef der größten Radsport-Macht der Welt, soll aus allen Wolken gefallen sein, als ihm der Hauptgeldgeber den Ausstieg zum Jahresende 2019 mitteilte. Die Topstars Chris Froome und Geraint Thomas erwischte die Nachricht wenig später im Trainingslager auf Mallorca kalt: Das Team Sky wird es in zwölf Monaten in dieser Form nicht mehr geben. „Sky wird weiterziehen, aber das Team ist offen für die Zukunft und die Zusammenarbeit mit einem neuen Partner“, sagte Brailsford, als er die Zäsur am frühen Mittwochmorgen öffentlich machte. Der 54-Jährige gibt sich kämpferisch. Der Sky-Rückzug soll nicht das Ende für sein Lebenswerk bedeuten, in dessen Mittelpunkt die sechs Tour-Siege binnen sieben Jahren durch Bradley Wiggins (2012), Froome (2013, 2015 bis 2017) und Thomas (2018) stehen.

          Für 2019 werde sich „nichts ändern“: „Wir sind noch nicht fertig. Vor uns liegt ein weiteres aufregendes Jahr“, sagte Brailsford. Von Fahrerseite kamen kaum öffentliche Reaktionen. Selbst der gemeinhin kommunikative Froome twitterte lediglich die offizielle Team-Mitteilung. Noch-Sponsor Sky schwieg sich in einer ersten Stellungnahme über die Gründe des Rückzugs aus. „Nach mehr als einem Jahrzehnt Engagement könnte ich nicht stolzer darauf sein, was wir erreicht haben. Aber Ende 2019 ist der richtige Zeitpunkt, um ein neues Kapitel in der Geschichte von Sky zu eröffnen,“ sagte Jeremy Darroch, Boss der Sky Group, deren Umsatz 2017 15,2 Milliarden Euro betrug. Die Radsport-Aufwendungen des Medien-Multis sind da Peanuts, rein finanzielle Rückzugs-Gründe unwahrscheinlich.

          Bei allen Erfolgen lagen über der Ära Sky allerdings stets Schatten. Brailsford und seine Mitstreiter stehen in dem Ruf, im Erfolgsstreben stets zumindest an der Grenze des Legalen zu operieren. Eine lange Historie an Doping-Vorwürfen begleitete den Rennstall. Vor allem der - letztlich folgenlose - positive Test Froomes auf eine erhöhte Konzentration des Asthma-Mittels Salbutamol im Herbst 2017 machte das erfolgreichste Team auch zum unbeliebtesten. Bei der Tour 2018 schlug Froome und Sky phasenweise blanker Hass entgegen. Nicht gerade der Wunschzustand für einen Sponsor. Dass es nach 2010 mit dem Team weitergeht wie bisher, scheint fraglich. Sky als größter Geldgeber der Radsport-Geschichte ist einzigartig - mehr als 200 Millionen Euro wird der Konzern bis zum Vertragende in sein rollendes Spielzeug gesteckt haben. Brailsfords Mannschaft agiert in einer eigenen Liga.

          Die letzte offiziell verkündete Etat-Summe belief sich auf 34,4 Millionen Pfund in der Saison 2017, im ablaufenden Jahr dürften die Aufwendungen bei umgerechnet mehr als 40 Millionen Euro liegen. Der Etat Skys, der Nummer zwei der aktuellen Team-Weltrangliste, ist so hoch wie jener von Quick-Step (Nummer eins) und Bora-hansgrohe (Nummer drei) zusammengenommen. Einen Nachfolgesponsor (oder mehrere) von ähnlicher Potenz zu finden, wird auch für Brailsford schwer.

          Andererseits: Ein neuer Geldgeber, womöglich aus den aufstrebenden Radsport-Märkten in China und Arabien, könnte sich ins gemachte Nest setzen. Sämtliche Fahrer von Bedeutung sind vertraglich über 2019 hinaus an Lizenzinhaber Brailsford gebunden: Der 33 Jahre alte Froome bis 2020, der amtierende Tour-Champion Thomas (32) bis 2021, der als kommender Superstar gehandelte Kolumbianer Egan Bernal (21) bis 2023. Das macht die Übernahme reizvoll - aber auch sehr teuer.

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