https://www.faz.net/-gtl-82uez

Mayweather gegen Pacquiao : Großmaul gegen Wohltäter

  • -Aktualisiert am

Zuckerschlecken: Pacquaio (r.) und Mayweather als Backware Bild: Reuters

Das Duell zwischen Floyd Mayweather und Manny Pacquiao in der Nacht zum Sonntag ist ein Duell sehr verschiedener Charaktere: Der Egomane Mayweather hat nur sein Ego und seinen Profit im Blick. Pacquiao kämpft auch für seine Werte und den Stolz Asiens.

          7 Min.

          Madonna, David Copperfield, Fleetwood Mac, Rush, Aerosmith - nicht übel, wer im MGM Grand Casino demnächst so alles aufschlägt. Aber das spielt keine Rolle in diesen Tagen. Im MGM, in ganz Las Vegas, gibt es derzeit nur ein Thema: Mayweather vs. Pacquiao, der Amerikaner gegen den Filipino, der teuerste, vielleicht auch der größte Kampf, den es jemals gab, der Super Bowl der Boxgeschichte, der in der NAcht zum Sonntag steigt (live in Sky).

          Es geht um drei WM-Titel im Weltergewicht, zwei hält Mayweather, einen Pacquiao. Zwischen 400 und 500 Millionen Dollar, so die Schätzungen, wird der Mega-Fight einspielen, an einem einzigen Abend. Die Börse der Kämpfer wird im Verhältnis 60:40 für den Amerikaner geteilt. Mayweather rechnet mit mindestens 200 Millionen Dollar Gage, Pacquiao käme dann auf rund 135 Millionen.

          Mayweather als Kartendealer

          Tickets für alle möglichen Events gibt es in Las Vegas an jeder Ecke. Nur für eines nicht: für diesen Boxkampf. Das lokale Blatt, das den Fight in allen Facetten beleuchtet, schreibt hinter das Stichwort „Tickets“ nur drei Worte: Forget about it!

          Diese Woche, Dienstag: Mayweather zieht offiziell ins MGM ein, zwanzig Minuten Verspätung. Schwarze Staatslimousine, Hiphop-Stars, Rapper, Cheerleader. Mayweather spricht ein paar Worte, erwähnt, dass er in den vergangenen 48 Stunden elf Millionen Dollar verdient habe. Womit? Jeder weiß es: Der Amerikaner hat Hunderte Kampf-Tickets zu Phantasiepreisen verkauft, jedes einzelne für ein Vermögen, kein Average-Joe, kein einfacher Fan, kann es sich leisten.

          Von den 16.800 Plätzen in der MGM Grand Arena sind nur 500 in den freien Verkauf gekommen. Die anderen sind für die Kämpfer und Sponsoren reserviert - oder wurden von den Casinos der MGM-Gruppe Top-Kunden angeboten. Der Rest floss in Hotel-Arrangements, wie jenes des Bellagio-Casinos, das für zwei Übernachtungen und zwei Tickets 18.000 Dollar verlangt, dasselbe Zimmer ist an normalen Tagen für 250 Dollar zu haben.

          130.000 Dollar für einen Platz in der ersten Reihe

          Am Ende werden allein die Zuschauer in der MGM-Arena 75 Millionen Dollar in die Kasse bringen - das Dreifache des bisherigen Rekords bei einem Boxkampf. Das MGM selbst berechnet für seine Standardzimmer am Kampfwochenende 1500 Dollar pro Nacht, sonst kosten sie 270 Dollar. Ein Platz am Ring wird im Internet auf dem sogenannten „zweiten Markt“ mit 130.000 Dollar gehandelt, das billigste Ticket, offiziell 1600 Euro teuer, kostet dort 6000 Dollar. In elf verschiedenen Casinos wird es in Las Vegas am Samstag Veranstaltungen mit Live-Bildern geben, 50.000 Tickets zu je 150 Dollar hat der MGM-Konzern dafür verkauft.

          Pacquiao kämpft nicht für sich

          Dienstag: Manny Pacquiao fährt mit seiner Familie im Luxus-Wohnmobil vom Trainingslager in Los Angeles nach Las Vegas. Im Mandala Bay Hotel stellt er sich vor, tausend Leute haben Platz gefunden, viele Filipinos sind darunter. Es gibt ein neues Musikvideo von Pacquiao zu sehen, Tänzerinnen, dann hält der Meister eine kleine Ansprache: „Macht euch keine Sorgen“, sagt er. „Ich werde diesen Kampf gewinnen.“

          Der “Gute“ im Kampf des Jahrhunderts: Manny Pacquiao
          Der “Gute“ im Kampf des Jahrhunderts: Manny Pacquiao : Bild: Reuters

          Pacquiao kämpft nicht für sich. Er hat das nie getan. Dabei hat er schon mit zwölf gekämpft, auf den Philippinen, dort, wo er aufgewachsen ist, in einem der ärmsten und gewalttätigsten Orte der Insel Mindanao. 100 Pesos gab es damals für einen gewonnenen Kampf. Das Geld gab er seiner Mutter. Mit 14 ging Pacquiao in die Hauptstadt Manila, um sich durchzuschlagen und vom Geld, das er zu verdienen hoffte, etwas nach Hause zu schicken, nach General Santos, kurz Gensan, wo seine Familie nun lebte.

          Mittwoch, Ka-Theater, Pressekonferenz: Pacquiao kommt in grauer Hose, hellblauem Hemd, dunklem Sakko, erzählt: „Ich habe auf der Straße gelebt damals, ich hatte Hunger. Und dann hat Gott aus mir den gemacht, der ich heute bin.“ Einen tiefgläubigen Mann, einen der besten Boxer, die es jemals gab, einen schwerreichen Kämpfer, einen Kongressabgeordneten, Mäzen, Unternehmer, Sänger, Schauspieler, Nationalhelden, einen Sozialhelfer. Warum er damals mit dem Boxen angefangen habe? „Nicht wegen des Geldes“, sagt er, „nicht wegen des Boxens. Ich wollte meiner Mutter ein Kilo Reis kaufen.“

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Wahl in Amerika : Trump macht Weg für Amtsübergabe frei

          Wochenlang hat Donald Trump eine geordnete Vorbereitung der Amtsübernahme durch Joe Biden blockiert. Jetzt ändert er seine Haltung in einem wichtigen Punkt. Von einer Wahlniederlage will er weiter nichts wissen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.