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Youtuber gegen Mayweather : Eine Verhöhnung des Boxens

Alles für die Show: Mehr als 15 Kilogramm trennen Mayweather (rechts) von seinem größeren und jüngeren Kontrahenten Paul. Bild: USA TODAY Sports

Boxikone Floyd Mayweather Junior steigt gegen einen unerfahrenen Youtube-Star in den Ring. Einen Gewinner gibt es bei diesem grotesken Kampf nicht, dafür einen schmerzhaften Tiefschlag für den Sport.

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          Ein Youtube-Star mit großer Klappe gegen den besten Boxer der letzten Jahrzehnte. Wer würde so einen Kampf wohl gewinnen? Was vor einiger Zeit noch als nervige Frage in sozialen Medien auftauchte, ist längst kein Fantasieszenario mehr für Gelegenheitsfans mit zu viel Zeit und Vorstellungskraft.

          Der „Kampf“ zwischen Logan Paul und Floyd Mayweather Junior steht für einen Trend, der an den Untergang des professionellen Boxens denken lässt. Boxen, die sogenannte „Sweet Science“, ist ein respektabler Sport mit einer langen und stolzen Tradition. Doch wie kaum ein anderer Sport ist er gezwungen, einen Spagat zwischen seriösem Wettkampf und Unterhaltung einzugehen.

          Die Zuschauer wollen ein Spektakel sehen. Dafür sind sie bereit, viel Geld auszugeben. Ein Champion soll nicht nur im Ring erfolgreich, sondern auch Entertainer sein. Floyd Mayweather Junior hat beides perfektioniert. 50 Kämpfe, 50 Siege – so lautet die Bilanz des legendären Kämpfers.

          Mayweathers sportliches Vermächtnis ist dessen Unbesiegbarkeit im Angesicht großer Widersacher wie Manny Pacquiao, Oscar De La Hoya oder Saúl Álvarez. Mit 44 Jahren ist Mayweather nun aber wieder in den Ring gestiegen, um sich in einem „Showkampf“ mit einem deutlich jüngeren, 15 Kilogramm schwereren Boxneuling zu messen, der mit Youtube-Clips Berühmtheit erlangte.

          Es geht um viel Geld

          Der Zweck des Kampfs lautet genauso wie Mayweathers Spitzname: Geld! Denn „Money“ Mayweather ist auch ein knallharter Geschäftsmann. Sein sportliches Können hat ihn wohlhabend gemacht, sein Marketingtalent schwerreich. Er versteht es, einen Kampf der Öffentlichkeit zu verkaufen. Und diese nimmt das Angebot dankend an. Das „Showduell“ mit dem Iren Conor McGregor gilt als mit Abstand erfolgreichste Boxübertragung im amerikanischen Bezahlfernsehen.

          Doch während der ebenso populäre McGregor immerhin damals mehr als ein Jahrzehnt lang als professioneller Mixed-Martial-Arts-Kämpfer erfolgreich war, fehlte beim Kampf gegen Paul sogar diese Legitimation. Dafür ist Paul athletisch, charismatisch, hat über Instagram, Twitter und Co. eine große Gefolgschaft und ist ebenso Entertainer und Geschäftsmann.

          Im Vorfeld provozierte er mit frechen Sprüchen, spottete über die Box-Ikone und damit indirekt den gesamten Sport. Mit Mayweather hatte er einen perfekten Widersacher mit genug Relevanz, dessen leichtere Statur eine ernsthafte Verletzung im Ring aber unwahrscheinlich machte. Ein sicheres Geschäft also.

          So verkam der Kampf, der in Miami stattfand, weil Las Vegas die Groteske nicht genehmigen wollte, zu einer langweiligen, aber kurzen Sache, die in einem Unentschieden endete. Das Publikum am Ort kommentierte den Ausgang angemessen mit Buhrufen.

          Als Sieger fühlten sich sowohl Paul als auch Mayweather dennoch, weil sie genug Millionen aus den Taschen der nach Unterhaltung lechzenden Fernsehzuschauer hatten ziehen können. Als Verlierer blieben im Ring allein zurück: der Ruf und die Integrität einer zuweilen großen Sportart, die zum überteuerten Kirmesboxen degradiert worden war.

          Alexander Davydov
          Sportredakteur.

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