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Basketballer Maxi Kleber : Mehr Kopf, weniger Adrenalin

Schwer zu verteidigen: Maxi Kleber weiß sich unter dem Korb zu behaupten - und will noch weiter zulegen. Bild: dpa

Maxi Kleber glänzt bei den Basketballern des FC Bayern München mit enormer Spannweite und einem besonderen Talent. Er ist erst 25 - doch in seiner Karriere hat es schon so manchen Rückschlag gegeben.

          Wie man sich doch täuschen kann. Da kommt einer schlaksig, leichtfüßig und mit einem angeborenen Lächeln daher - und man könnte ihn glatt für ein Leichtgewicht halten. Nicht Maxi Kleber. Vor sechzehn Tagen wurde der Basketballprofi 25 Jahre alt und hat seinen Platz und seine Rolle im deutschen Basketball doch so sicher wie ein Veteran. Im Team von Bayern München setzte er am Sonntag die eindrucksvolle Erfolgsserie fort, die es derzeit auf Platz drei der Liga und ins Viertelfinale des Euro-Cups geführt hat. 80:56 gewann München das Punktspiel bei Alba Berlin, sechs Tage bevor sich beide Mannschaften im Pokal-Halbfinale am selben Ort wiedersehen werden; zwischendrin steht er am Dienstagabend gegen Göttingen auf dem Parkett.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Fünfmal warf Kleber am Sonntag aus dem Spiel, einmal traf er, mit drei Freiwürfen kam er auf fünf Punkte. „Auch wenn ich meine Würfe nicht getroffen habe, habe ich doch ein gutes Spiel gemacht“, sagt der Spieler gelassen. Kleber könne mit null Punkten der beste Spieler auf dem Feld sein, schwärmt Bayern-Manager Marko Pesic, und dank seiner enormen Spannweite spiele er bei 2,07 Meter Körpergröße wie ein Mann von 2,20 Meter. Trainer Sascha Djordjevic ließ Kleber mehr als 26 Minuten auf dem Feld; kein anderer Münchner Spieler war am Sonntag so lange im Einsatz. „Alles-Kleber“ titelte das Basketballmagazin „Big“.

          In welcher Gewichtsklasse er antritt, zeigte Kleber in der vergangenen Woche, als er zum Sieg bei Khimki Moskau 21 Punkte beitrug, zehn Rebounds und drei Assists: im Schwergewicht. „Ich würde gern fünf Kilo mehr haben“, sagt er. „Aber 104 Kilo sind ein solides Gewicht.“ Längst weiß er, dass die Stärke eines Flügelspielers, wie er einer ist, sich nicht in Bizeps und Brustmuskulatur abbildet, sondern sich im Kern versteckt, in einer Widerstandsfähigkeit, die ihn auch gegen breitschultrige Center im Gerangel unter dem Korb bestehen lässt. Diese trainiert Kleber täglich, zusätzlich zum basketballspezifischen Programm.

          Zum ersten Mal seit langem schmerzfrei

          Er braucht sie, um sich auf dem Court durchzusetzen, und er braucht sie, um sich zu schützen. Ein Jahr verlor Kleber nach seinem Erstliga-Debüt in Würzburg durch eine Knieverletzung. Das Team stieg ab, er wechselte nach Spanien. Als er im Triumph nach Deutschland zurückkehrte, zu den Bayern, unterzog er sich einer Fußoperation, die ihn weitere Monate Einsatzzeit kostete. Den vergangenen Sommer, den er vermutlich lieber mit der Nationalmannschaft und bei Spielen der Summer League verbracht hätte, bei denen sich junge Spieler für die NBA empfehlen, opferte er einem Muskel- und Leistungsaufbau.

          Zum ersten Mal seit langem spielt er nun schmerzfrei - ein Mann von 25 Jahren. Vom Makel, verletzungsanfällig zu sein, will er nichts wissen. „Für mich ist das eindeutig Pech gewesen“, sagt er. Bänderriss, Fingerbruch, das passiere einfach im Sport. Knie- und Fußverletzung seien unüblich gewesen und überwunden. „Ich spiele mit viel Körpereinsatz“, sagt Kleber.

          Zu dünn ist Kleber also nicht, zu fragil für eine Profikarriere auch nicht. Aber vielleicht zu nett? Schließlich fordere ihn selbst der Trainer manchmal dazu auf, verrät er, auf dem Spielfeld unangenehmer zu sein. Aber auch dieser Eindruck ist falsch. Das Spiel von Kleber ist mehr vom Kopf als von Adrenalin gesteuert. Es ist trotz seiner Jugend von großer Erfahrung geprägt. „Ich bin ein freundlicher Mensch, aber ich würde nicht behaupten, dass ich auf dem Spielfeld nett bin“, sagt Kleber. „Ich weiß schon ganz genau, was ich zu tun habe, um zu gewinnen, und da gehören vielleicht ab und zu auch ein paar schmutzige Sachen dazu.“

          Festhalten meint er, vielleicht mal einen Ellbogen ausfahren. Doch einen Gegenspieler zu verletzen, hält er für inakzeptabel - und er meint auch verbale Injurien. Nicht einmal die Abreibung für die Berliner - das Hinspiel gewann Bayern mit 39 Punkten Unterschied - will er so stehenlassen: „Ich glaube nicht, dass Berlin es uns am Samstag noch einmal so leicht machen wird wie am Sonntag.“

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