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British Open im Golf : Ein Deutscher ist den Idolen ganz nahe

  • -Aktualisiert am

Matthias Schmid spielt bei den British Open an der Seite der Stars. Bild: dpa

Amateur Matthias Schmid startet als einziger Deutscher bei der British Open – ins Profilager will er aber nicht wechseln. Die Veranstalter gewähren ihm beim Turnier der Golf-Weltelite eine ganz besondere Ehre.

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          Seinen Optimismus und sein Selbstvertrauen hat Matthias Schmid nicht verloren: „Ich habe nach einer schlechten Runde schon oft ein niedriges Ergebnis gespielt. Es gibt kein Limit. Ich kann hier auch eine 65 spielen.“ Am ersten Tag der 148. British Open im Royal Portrush Golf Club in Nordirland reichte es für den 21 Jahre alten Oberpfälzer aus Maxhütte-Haidhof zwar nur für 76 Schläge, fünf über dem Platzstandard von 71. Für einen Amateur, der zum allerersten Mal auf der ganz großen Bühne auftreten darf, keine Katastrophe. Denn auch ein Weltstar wie der Amerikaner Phil Mickelson, der vor dem Turnier für 25 Jahre in den Top 50 der Weltrangliste geehrt wurde, musste genauso viele Schläge notieren. Schmid hat das Ziel, am Sonntag bei der Siegerehrung als bester der sechs teilnehmenden Amateure die „Silver Medal“ zu erhalten, noch nicht aufgegeben, auch wenn sich der Ire James Sugrue mit einer Par-Runde von 71 Schlägen eine gute Ausgangsposition schuf.

          „Im Golf ist alles möglich“, behauptet Schmid – und die Ergebnisse des ersten Tages unterstreichen seine Aussage. Der große Favorit Rory McIlroy verzog seinen ersten Abschlag ins Aus und begann das Turnier mit einem Quadruple-Bogey, acht Schläge an einem Par-4-Loch. Der 30 Jahre alte Nordire brach an einem Tag, an dem mal die Sonne schien, es mal in Strömen regnete, total ein und benötigte 79 Schläge, einen mehr als der ebenfalls enttäuschende Tiger Woods (78). Die beiden Favoriten lagen damit nach der ersten Runde schon weit hinter dem Führenden JB Holmes (66) und müssen sich gewaltig steigern, wollen sie auch am Wochenende mit von der Partie sein.

          Aber egal, ob Schmid sein selbstgestecktes Ziel erreicht und die „Silver Medal“ mit nach Hause nimmt: Mit seiner Teilnahme hat er geschafft, was Martin Kaymer und allen anderen deutschen Golfprofis in diesem Jahr verwehrt blieb. Schmid spielt als einziger Deutscher bei diesem Treffen der Weltelite mit. Der Oberpfälzer qualifizierte sich durch seinen Sieg bei der Amateur-Europameisterschaft in Atzenbrugg (Österreich) Ende Juni für das älteste und wichtigste Golfturnier der Welt. Seit 1986 wird diese Kontinentalmeisterschaft ausgetragen. In der Siegerliste taucht nur ein weiterer Deutscher auf: 2008 gewann der Heidelberger Stephan Gross. Er qualifizierte sich 2010 für die European Tour, verlor aber prompt seine Spielberechtigung und verschwand danach in der Versenkung.

          In dieser Liste der European Amateur Championship findet man auch etliche Spieler, die diesen Titel als Sprungbrett für eine große Karriere nutzten. Zwei dieser Champions, der Spanier Sergio Garcia (1995) und McIlroy (2006), gewannen gar Majors. Die Veranstalter der British Open gewähren dem Europameister vielleicht auch deshalb eine ganz besondere Ehre: Er darf den „Champions Locker Room“ nutzen und sich an der Seite von Stars wie Woods und McIlroy umziehen – für Schmid ein Glanzpunkt des Trips nach Nordirland. Denn vor dem Turnier hatte er verkündet, er wolle vor allem seine beiden Idole Tiger Woods und McIlroy beobachten. „Ich habe auf der Driving Range direkt neben Tiger Bälle geschlagen“, erzählte er. Der Superstar nahm freilich keinerlei Notiz von seinem Mitspieler. „Tiger ist immer ganz auf sich fokussiert“, sagte Schmid.

          Wie Woods hat auch Schmid ganz früh mit Golf begonnen. „Mein Vater hat mir, als ich drei Jahre alt war, die ersten Schläger zusammengebaut“, erzählt Schmid. Damals arbeitete der Vater als Golflehrer im Golf- und Landklub Schmidmühlen und gab seinem Sohn die ersten Lektionen. Sie trugen schnell Früchte. Mit sieben Jahren gelang „Matti“ sein erstes Hole-in-one. Mit elf hatte er mit –4,8 ein einstelliges Handicap erreicht. Etwas, wovon die meisten Hobbygolfer nur träumen können. Zeitweise hatte er seine Vorgabe bis auf +6,4 verbessert. In der Amateur-Weltrangliste wird er als bester Deutscher auf Rang 33 geführt. Gelegenheit, diese Position zu verbessern, hat er in den nächsten Jahren. Im Gegensatz zu vielen anderen Amateuren lässt sich Schmid Zeit mit dem Übertritt ins Profilager. „Ich werde in zwei Jahren meinen Abschluss als Bachelor machen und dann die Qualifikation für die European und die Web.com Tour spielen“, sagte Schmid, der mit einem Golfstipendium an der University of Kentucky in Louisville Finanzwissenschaft studiert.

          Aber zunächst einmal gilt es, in der zweiten Runde an diesem Freitagnachmittag den Cut zu schaffen, für jeden Amateur eine Glanzleistung. Unterstützung hat Schmid an der nordirischen Nordküste reichlich. Bundestrainer Ulrich Eckhardt begleitet ihn wie der Präsident seines Heimatklubs GC Herzogenaurach auf der Runde. Vater Roland, der die Rolle als Trainer an Craig Miller abgegeben hat, trägt seinem Filius die Tasche. „Da bin ich ausnahmsweise mal der Chef“, sagt Matthias Schmid.

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