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Matthias Dolderer : Die Kunst des Fliegens

  • -Aktualisiert am

Ein Wettkampf, in dem es nicht um Schönheit, sondern um Zeit geht – Matthias Dolderer beim Air Race in Spielberg Bild: Predrag Vuckovic/Red Bull Content Pool

Matthias Dolderer malt Figuren in den Himmel und ist einer der Stars der Kunstflug-Szene. Beim Air Race dreht er auf. Doch eine Runde über die Zugspitze – da geht nichts drüber.

          Auf geht’s. Anlasserlaubnis. Das Flugzeug starten, den Sechs-Zylinder-Boxer, 380 PS, acht Liter Hubraum, 7,50 Meter Spannweite. Hochziehen und rein in die Warteschleife. Dann mit 370 Kilometern pro Stunde über die virtuelle Startlinie. Eine Minute dauert das Rennen um die riesigen Pylonen. Was er in dieser Zeit braucht, nennt Matthias Dolderer „Superhochkonzentration“. In einer Höhe von 15 bis 25 Metern zieht er seine Kunstflugmaschine durch den Kurs wie ein Slalomläufer seine Ski. Die Kräfte, die auf den Piloten bei einem solchen Red Bull Air Race wirken, sind auf zehn g limitiert, eine Anzeige im Cockpit dokumentiert sie. Zehn g, das ist das Zehnfache des Körpergewichts, eine ungeheure Belastung - für die besten Kunstflugpiloten der Welt ist sie Routine.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          „Wenn du im Doppelsitzer jemand mitnimmst und ziehst mal acht g“, sagt Dolderer, „dann kann es schon sein, dass dem ein bissel schwarz wird vor Augen. Aber ist alles nur Gewöhnungssache, je öfter der Körper dem Druck ausgesetzt ist, desto besser kann er damit umgehen.“

          Dolderers Maschine ist auf 12,5 g ausgelegt. Auch diesen Druck hält er aus, bei Extremfiguren im klassischen Kunstflug. Er hält so viel aus wie seine 400.000 Euro teure Flugmaschine, konstruiert in der Hauptsache aus Stahl und Carbon. Der 45-Jährige aus Tannheim in Oberschwaben ist der einzige Deutsche unter den vierzehn Elitepiloten des Air Race, der weltweit spektakulärsten Kunstflugserie.

          Der schönste Spielplatz der Welt

          Tannheim. Vor dem Ortseingang biegt man rechts ab. Man kann den Ort nicht verfehlen, an dem Dolderer aufgewachsen ist. Es ist ein kleiner Flughafen in Familienbesitz, eine sogenannter Verkehrslandeplatz, geöffnet von neun Uhr bis Sonnenuntergang, mit einem Wohnhaus, einem Restaurant, einer Werkstatt, einer Tankstelle, einem Feuerwehrauto, einer kilometerlangen Wiese als Start-und-Lande-Bahn und ein paar Hallen, den Hangars voller Flugzeuge. Neunzig Maschinen stehen darin, acht sind Familieneigentum, den Rest stellen Privatleute und Firmen unter.

          Über den Dächern von Rovinj: Matthias Dolderer in seiner Maschine

          1976 hat Dolderers Vater den Flugplatz gebaut. Er war Bauer bis dahin, hatte sich für das Fliegen begeistert, seinen Hof verkauft und seinen Traum verwirklicht. Sohn Matthias war damals fünf Jahre alt und wuchs auf dem immer größer werdenden Platz auf. Die riesige Wiese, mit Rehen, Vögeln, Flugzeugen. Ein Traum. „Der schönste Garten der Welt“, sagt Dolderer. Der schönste Spielplatz. Und immer coole Leute am Stammtisch, Piloten von überall her. Nimmst du mich mit?, fragte der Kleine, und klar nahmen sie ihn mit, wenn es ging, und so verbrachte er einen guten Teil seiner Kindheit in der Luft.

          Mit 14 flog er das erste Mal allein, in einem Segelflugzeug. Mit 17 schon war er einer der besten Ultraleichtpiloten. Dritter bei der deutschen Meisterschaft, Sechster bei der Europameisterschaft in England. Dorthin ist er von Tannheim aus geflogen. Mit dem nur 80 Kilometer pro Stunde schnellen Miniflieger war er fünf Tage unterwegs.

          Kunstflug wurde Passion

          UItraleichtfliegen - das waren die Lehrjahre auf dem Weg zum Meister. Heute schaut Dolderer auf rund 8000 Flugstunden und 30.000 Landungen zurück. 1993 übernahm er mit seiner Schwester die Flugschule, die sein Vater 1978 gegründet hatte. Der Kunstflug wurde zu seiner Passion, das perfektionierte Fliegen im Grenzbereich. Seinen ersten Looping drehte er mit dem Segelflieger, und wer einmal damit anfängt, an den Grenzen der Physik zu fliegen, den lässt es nicht mehr los. „Man fliegt Manöver und Figuren Tausende Mal, um sie zu perfektionieren, das ist wie eine Sucht“, sagt Dolderer.

          In 20 Metern Höhe: Dolderer bei einem Wettbewerb

          An Wettkämpfen nahm er lange Zeit nicht mehr teil, bis 2006, als er sich über die Möglichkeiten informierte, beim Red Bull Air Race einzusteigen. Als Voraussetzung galt die Plazierung in der vorderen Hälfte einer WM oder EM in der Champions League des Kunstflugs, der Unlimited-Klasse. 2006 begann Dolderer in der zweiten, der Advanced-Klasse, 2007 stieg er in die Eliteliga auf, 2008 wurde er deutscher Unlimited-Meister, Neunzehnter bei der EM und Zweiter beim renommierten World Aerobatics Cup - das war seine Eintrittskarte zum Air Race.

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