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Masters-Champion Scheffler : Golfen für Gott

  • -Aktualisiert am

Ganz oben angekommen: Scottie Scheffler schlüpft nach einem souveränen Wochenende in das grüne Siegerjackett beim Masters in Augusta. Bild: dpa

Der tiefgläubige Scottie Scheffler wurde als Kind von seinen Mitspielern verspottet. Nun gewinnt er das Masters – und überstrahlt damit sogar das Comeback von Tiger Woods.

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          Gibt es noch Zweifel, dass Scottie Scheffler wirklich der aktuell beste Golfer der Welt ist? Alle Bedenken, dass er von Platz 14 aus nach drei Turniersiegen viel zu schnell an die Spitze der Weltrangliste geklettert war, hat der 25 Jahre alte Texaner am Sonntag mit seinem überlegenen Sieg beim 86. Masters in Augusta eindrucksvoll widerlegt.

          56 Tage nach seinem ersten Sieg auf der PGA Tour bei der Phoenix Open hat Scheffler seine unglaubliche Erfolgssträhne mit dem ersten Major-Erfolg veredelt. Es war sein vierter Sieg bei seinen vergangenen sechs Turnierstarts.

          In Augusta dominierte er das Turnier vom zweiten Tag an und ließ auch am Wochenende keinen Konkurrenten allzu nah an sich heran. Nachdem ihm der japanische Vorjahressieger Hideki Matsuyama in der Butler Cabin ins grüne Siegerjackett geholfen hatte, gab Scheffler offen zu, dass er sich um seinen Erfolg am Sonntag wenig Sorgen gemacht hatte: „Ich hatte das Glück, mich in eine Position zu bringen, in der ich das Turnier unter Kontrolle hatte. So musste ich mir keine Gedanken darüber machen, was die anderen da draußen tun. Ich habe mich um meine eigenen Sachen gekümmert und gutes, solides Golf gespielt. Ich hatte das Gefühl, dass ich den Job erledigen würde.“

          Smith schlägt ins Wasser

          Scheffler tat das so souverän, dass er sich am 18. Loch aus zwölfeinhalb Metern sogar vier Putts und das einzige Doppelbogey leisten konnte. Er siegte mit insgesamt 278 (69+67+71+71/10 unter Par) und drei Schlägen Vorsprung vor Rory McIlroy (281/73+73+71+64). Dem 32 Jahre alten Nordiren gelang am Sonntag mit 64 Schlägen die mit Abstand beste und einzige bogeyfreie Runde des gesamten Turniers.

          Cameron Smith, der mit drei Schlägen Rückstand gemeinsam mit Scheffler auf die Schlussrunde gegangen war, verspielte alle Chancen mit einem Schlag ins Wasser am zwölften Loch, ein Par 3 von nur 146 Metern. Mit einem Triple-Bogey endeten für den 28 Jahre alten Australier alle Siegesambitionen abrupt.

          Der Profi mit der Vokuhila-Friseur fing sich danach, doch zu mehr als einer Schlussrunde von 73 und insgesamt 283 Schlägen reichte es nicht. Immerhin konnte er sich damit den dritten Platz mit dem Iren Shane Lowry (69/283) teilen, dem British-Open-Sieger von 2019.

          Scheffler hingegen erklärte seine dominante Vorstellung auch damit, dass ihm mit Ted Scott ein erfahrener Caddie immer die richtigen Tipps gab. Scott hatte 2012 und 2014 als Taschenträger seinem damaligen Boss Bubba Watson zu zwei grünen Jacketts verholfen. Seit November vergangenen Jahres arbeitet er für Scheffler, der seinen neuen Mitarbeiter lobte: „Dank ihm wusste ich in Augusta immer, wo ich die Fehlschläge landen lassen musste, damit ich das Par noch retten konnte. Er kennt den Platz so unglaublich gut und ich vertraue ihm blind. Ich kann gar nicht genug von Ted als Mensch und als Caddie schwärmen. Er ist ein gläubiger Mensch und ich mag ihn.“

          Christen unter sich: Scheffler mit seinem Caddie Ted Scott
          Christen unter sich: Scheffler mit seinem Caddie Ted Scott : Bild: AFP

          Scheffler und Scott lernten sich beim Bibelstudium kennen, etwa ein Jahr, bevor sie sich zusammentaten. Scheffler verpflichtete Scott vor allem deshalb, weil er einen Christen an seiner Seite haben wollte. In der Siegespressekonferenz erzählte Scheffler, wie wichtig für ihn der Glaube sei. Mehr noch, er erklärte, warum er als Profi unterwegs sei: „Der Grund, warum ich Golf spiele, ist, dass ich versuche, Gott zu huldigen.“

          Als Knirps die PGA-Tour vor Augen gehabt

          Schefflers Karriere begann, als seine Eltern von New Jersey nach Dallas zogen und dem Royal Oak Country Club beitraten. So konnte der achtjährige Junge erstmals Unterricht bei dem renommierten Golflehrer Randy Smith nehmen, der ihn bis heute betreut. Schon bald kannte der Knirps nur noch ein Ziel: Er wollte eines Tages auf der PGA Tour spielen. „Ich bin mit so vielen Tourprofis in Royal Oak aufgewachsen. Schon als Drittklässler habe ich beim Golf wie auf der Tour lange Hosen und Hemden mit Kragen getragen. Meine Mitspieler haben mich damals zu Recht verspottet“, erzählte Scheffler.

          Jetzt ist er nach einer überaus erfolgreichen Junioren- und College-Karriere in seinem Job ganz oben angekommen. „Wenn man Tourspieler fragt, welches Major sie am liebsten gewinnen möchten, sagen die meisten das Masters. Dieser Platz macht so viel Spaß. Er ist so cool, wie es nur geht. Ich kann nicht glauben, dass ich ein Leben lang zurückkommen kann und diesen Golfplatz genießen kann“, sagte Scheffler, der als Masters-Champion nun jedes Jahr zum Masters eingeladen wird.

          Diese Regel nutzte auch Tiger Woods für sein Comeback nach seinem schlimmen Autounfall im Februar vergangenen Jahres. Auch wenn es am Samstag und Sonntag mit zwei Runden von 78 Schlägen für den fünfmaligen Champion auf Platz 47 endete, zeigte sich der 46 Jahre alte Superstar zufrieden: „Ich bin dankbar, dass ich überhaupt spielen konnte. Und nicht nur irgendwie spielen, sondern auch eine gute erste Runde. Ich habe es geschafft. Ich habe nicht ganz die Ausdauer, die ich gerne gehabt hätte, aber vor ein paar Wochen wusste ich noch nicht einmal, ob ich an diesem Turnier teilnehmen würde.“

          Woods wird wohl erst wieder bei den beiden nächsten Majors, der PGA Championship im Mai und der British Open im Juli, an Wettkämpfen teilnehmen.

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