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Golf-Masters in Augusta : Kommt noch was von Kaymer?

  • -Aktualisiert am

Üben bei schönstem Wetter: Martin Kaymer hofft auf eine gute Vorstellung in Augusta Bild: AP

Der ehemalige Erste der Golf-Weltrangliste sucht den Weg aus der Krise. Das Masters in Augusta soll Martin Kaymer das ersehnte Comeback bringen. Altmeister Bernhard Langer macht ihm Mut.

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          Der eine verabschiedete sich sofort ins Bett, der andere ging direkt für eine ausgedehnte Trainingseinheit auf die Übungswiese. Das unterschiedliche Programm der beiden einzigen deutschen Teilnehmer beim 78. Masters nach ihrer gemeinsamen Vorbereitungsrunde über die zweiten neun Löcher des Augusta National Golf Club am Dienstagmittag verdeutlicht, was den immer noch erfolgreichsten deutschen Golfer und seinen Kronprinzen derzeit plagt.

          Altmeister Bernhard Langer kämpft mit einer Bronchitis, sein Nachfolger Martin Kaymer sucht Wege aus seinem schon länger anhaltenden sportlichen Tief. Während es bei dem 56 Jahre alten Anhausener auch in diesem Jahr auf der amerikanischen Champions Tour für Golf-Senioren, die er seit seinem 50. Geburtstag Jahr für Jahr dominiert, blendend läuft und er auch diese Saison gleich zum Auftakt einen Turnier gewann und serienweise Spitzenplätze erreichte, wartet Kaymer nun schon seit seinem letzten Erfolg im Januar 2011 in Abu Dhabi auf den elften Sieg auf der European Tour.

          Das Absacken in der Weltrangliste nimmt der 29 Jahre alte Rheinländer zumindest äußerlich ganz gelassen hin. Es mache ihm keinen Druck, weil er ja viel an seinem Spiel geändert habe. Routinier Langer stärkt ihm den Rücken: „Ich mache mir um Martin keine Sorgen.“ Langer, der in diesem Jahr zum 31. Mal beim Treffen der Meister des Spiels im amerikanischen Bundesstaat Georgia mit von der Partie ist, ist überzeugt: „Martin wird wiederkommen.“

          Stellt sich nur die Frage wann. Vor drei Jahren stand Kaymer an der Spitze der Weltrangliste, wenn auch nur für acht Wochen. Mittlerweile ist er bis auf Rang 63 der Hackordnung abgerutscht. Bleibt als Trost nur die Tatsache, dass auch die drei anderen Europäer, die in den Jahren 2010 und 2011, als Tiger Woods nach Bekanntwerden seiner privaten Eskapaden auch sportlich abglitt, kurzzeitig zum Primus der Branche aufgestiegen waren, nach unten durchgereicht wurden.

          Lange vorbei: Einst stand der Deutsche sogar auf Platz eins der Weltrangliste
          Lange vorbei: Einst stand der Deutsche sogar auf Platz eins der Weltrangliste : Bild: AP

          Der Nordire Rory McIlroy steht derzeit auf Rang 9, die Engländer Luke Donald und Lee Westwood werden auf den Plätzen 27 und 37 geführt. Das mag die These von Günter Kessler bestätigen, der behauptet: „Dass Weltklassespieler in ein Formtief geraten, ist normal. Das bleibt niemandem erspart.“ Der Golflehrer aus Neuss trainiert Kaymer seit seinen Jugendtagen, ist auch in diesem Jahr wieder in Augusta an seiner Seite, ein enge Verbindung, die nun schon fast zwanzig Jahre währt.

          Auch dass der Profi aus Mettmann kurzzeitig mit dem Engländer Pete Cowen als Coach für das sogenannte „kurze Spiel“, also die hohen und flachen Annäherungsschläge zum Grün, fremdging, hat ihm Kessler nicht übel genommen: „Es war gut, dass er Erfahrungen gesammelt hat. Jetzt hat er ja alles wieder rückgängig gemacht.“ Kaymer bezeichnete es als „Rückkehr zu seiner natürlichen Art“.

          Damit auch jeder weiß, wo er ist: Das Masters in Augusta ist ein Höhepunkt der Golf-Saison
          Damit auch jeder weiß, wo er ist: Das Masters in Augusta ist ein Höhepunkt der Golf-Saison : Bild: dpa

          Aber auch das Altbewährte hat noch nicht die große Wende eingeläutet. Im Gegenteil: Der nächste Rückschlag folgte in der vergangenen Woche, als Kaymer bei der Shell Houston Open den Cut verpasste. Da habe es aber daran gelegen, dass der Ball auf den Grüns einfach nicht im Loch verschwinden wollte. Das Masters ist mit den extrem ondulierten Grüns der ultimative Puttingtest, aber zunächst gilt es ja, mit möglichst wenigen Schlägen das Grün zu erreichen.

          Etwas, was dem Profi aus Mettmann bei seinen bisher fünf Teilnehmer nicht immer nach Wunsch gelang. Die ersten drei Mal schied er nach zwei Runden aus, 2012 und 2013 landete er auf den Plätzen 44 und 35. „Martin kann den Ball jetzt mal links-, mal rechtsrum schlagen, alles kein Problem“, sagt Kessler.

          „Martin arbeitet so akribisch wie immer“, sagt sein Trainer Günter Kessler
          „Martin arbeitet so akribisch wie immer“, sagt sein Trainer Günter Kessler : Bild: REUTERS

          Lange kämpfte Kaymer, dessen natürlicher Ballflug ein Fade ist, also für Rechtshänder eine sanfte Rechtskurve, darum, auch den Ball mit der entgegengesetzten Flugbahn, einem Draw, ins Ziel zu steuern. Zumindest bei der Proberunde am Dienstag mit Langer und Vijay Singh aus Fidschi, dem 51 Jahre alten Masters-Champion von 2000, konnte Kaymer den Draw abrufen. In Augusta ist dies ein wichtiger Schlag, weil die meisten Spielbahn leicht nach links gekrümmt sind.

          „Martin arbeitet so akribisch wie immer“, sagt Trainer Kessler. Stundenlang standen beide am Dienstag, als sich die Gewitter, die am Montag die Trainingsrunde der Deutschen schon nach vier Löchern gestoppt hatten, verzogen und herrliches Frühlingswetter für ideale Bedingungen sorgte, auf der Übungswiese. Ob die fleißige Trainingsarbeit schon in Augusta Früchte trägt, wollte Kessler nicht versprechen. Immerhin ließ er sich zu einer optimistischen Prognose hinreißen: „Von Martin kommt in diesem Jahr noch etwas.“

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