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Masters in Augusta : Der exklusivste Golfclub der Welt

  • -Aktualisiert am

Was gibt es Schöneres für einen Golfprofi, als auf dem malerischen Platz von Augusta abzuschlagen? Bild: AFP

Der Augusta National Golf Club, der das Masters ausrichtet, hütet die Liste seiner 300 Mitglieder wie ein Staatsgeheimnis. Trotzdem drang durch, wer zum erlauchten Zirkel zählt.

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          Für Spieler und Zuschauer nur das Beste. Beim ersten Golf-Höhepunkt des Jahres soll sowohl für die diesmal 89 Teilnehmer als auch für die rund 15.000 Zuschauer, die an den drei Trainings-, und die 40.000, die an den vier Turniertagen die hügelige ehemalige Baumschule bevölkern, alles perfekt gerichtet sein. Dafür scheut der veranstaltende Augusta National Golf Club keine Kosten. So lieh der Club der Stadt Augusta 17 Millionen Dollar, um eine neue Straße mit drei Tunneln, zwei für Fußgänger und einen für Autos, zu bauen.

          Diese Ende Februar fertiggestellte New Berckmans Road erfüllt vor allem einen Zweck: Sie soll die Anreise zur an diesem Donnerstag (14.20 Uhr MESZ / Live bei Sky) beginnenden 80. Auflage des Treffens der Meister des Spiels reibungsloser gestalten, Staus verhindern und den Zuschauern den Fußweg zu einem der schönsten Golfplätze der Welt erleichtern, einen Weg, der nach dem Willen des Augusta National Golf Club in Zukunft einem Spaziergang durch einen Park gleichen soll.

          Aus den Grundbüchern der mit rund 200.000 Einwohnern zweitgrößten Stadt im Bundesstaat Georgia ist ersichtlich, dass der Augusta National Golf Club von 1999 bis 2014 rund 55 Millionen Dollar ausgeben hat, um Grundstücke und Gebäude rund um sein 155 Hektar großes Areal zu erwerben. Auf einem 5,2 Quadratkilometer großen Gelände im Norden des Clubs wurden alle Häuser abgerissen, es entstanden neue permanente Parkplätze, die der Verein liebevoll verschönern will.

          Leider wurde dieses Gelände durch die alte Berckmans Road getrennt, ein Makel, der seit diesem Jahr behoben ist. Die alten Parkplätze, die zum Großteil innerhalb der Clubmauern lagen, mussten 2010 der neuen „Practice Area“ weichen, einem auf der Welt einzigartigen Übungsgelände, auf dem jeder, aber wirklich jeder Schlag, den die Hauptdarsteller auf dem Platz benötigen, geprobt werden kann.

          Die Einkaufstour des Clubs ist damit aber längst nicht beendet. Derzeit verhandelt er mit Hauseigentümern, deren Anwesen direkt gegenüber dem Haupteingang zum Club an der Magnolia Lane liegt. Es heißt, der Club möchte für die VIP-Gäste dort ein weiteres Hospitality-Center einrichten. Angeblich steht ein Vertrag mit dem Augusta Country Club kurz vor dem Abschluss. Für 27 Millionen Dollar will Augusta National, wie der Club nur kurz und knapp genannt wird, die direkt an sein Gelände grenzende 9. Spielbahn des Nachbarn erwerben. Der Sinn dieses teuren Einkaufs: Das 13. Loch, ein Par 5, soll von 510 auf 550 Yards verlängert werden.

          Augusta National kann sich diese Großeinkäufe locker leisten. Nach Berechnungen des amerikanischen Magazins „Golf Digest“ verdient der Club mit dem Turnier in jedem Jahr rund dreißig Millionen Dollar, obwohl er längst nicht alle Einnahmequellen ausschöpft. So lässt er sich die TV-Rechte auf dem Heimatmarkt nicht bezahlen, behält dafür aber die totale Kontrolle über alles, was über den Sender CBS läuft, sogar wer kommentieren darf, bestimmt der Veranstalter.

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          Die Hauptsponsoren IBM, AT&T und Mercedes-Benz dürfen pro Stunde nur vier Minuten Werbung im amerikanischen Sender CBS ausstrahlen - üblich sind in den Vereinigten Staaten bis zu 15 Werbeminuten pro Stunde. Die drei Firmen finanzieren mit jeweils sechs bis acht Millionen Dollar die Produktionskosten. Weder CBS noch Augusta National verdienen auf dem Heimatmarkt mit der Übertragung Geld. Lediglich die Ausstrahlung in 190 Länder der Welt trägt 34,5 Millionen Dollar zum Gesamtumsatz von 115 Millionen bei. Was die amerikanischen Fernsehrechte auf dem freien Markt wert wären, zeigt ein Vergleich: Fox Sports zahlt für die Übertragung der US Open dem amerikanischen Golfverband (USGA) pro Jahr 93 Millionen Dollar.

          Die Masters-Rechte wären dank wesentlich höherer Einschaltquoten deutlich mehr wert. Zudem verkauft der Club Ware mit dem berühmten Logo nur auf dem Platz und verzichtet anders als die Veranstalter der drei restlichen Majors auf Merchandising über das Internet. Selbst die sogenannten „Season Badges“ sind für die vier Turniertage mit 325 Dollar im Vergleich zu anderen Sportereignissen günstig, allerdings für normale Sterbliche fast nur auf dem Schwarzmarkt für Preise von 5000 bis 10.000 Dollar erhältlich.

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          Wer freiwillig nicht alle Einnahmequellen ausschöpft, muss auch seine Mitglieder nicht schröpfen, obwohl sie fast ausnahmslos steinreich sind. Der Club hütet die Liste seiner rund 300 Mitglieder zwar wie ein Staatsgeheimnis, trotzdem drang durch, wer zum erlauchten Herrenzirkel zählt, der erst vor vier Jahren um zwei Damen erweitert wurde. Mit dem Großinvestor Warren Buffett und dem Microsoft-Gründer Bill Gates zählen auch zwei der reichsten Männer der Welt zum Kreis der meist älteren Herren, die sich auf dem Clubgelände immer in den grellgrünen Club-Blazer hüllen. 

          Nach Information, die dem amerikanischen Magazin „Golf World“ vor sechs Jahren zugespielt wurden, kostet die Aufnahme nicht mehr als 30.000 Dollar, im Vergleich zu amerikanischen Country Clubs, die in Großstädten oft ein Vielfaches verlangen, geradezu ein Schnäppchen. Der Haken: Man kann sich um die Mitgliedschaft nicht bewerben, man muss eingeladen werden. Eine Ehre, die einem ganz kleinen Kreis aktueller oder ehemaliger Manager amerikanischer Großkonzerne vorbehalten ist, garniert mit einigen nicht minder wohlbetuchten Ausländern. Der Club gilt als Musterbeispiel für das, was die Amerikaner ein „Old Boy Network“ nennen, ein Kreis, der gerne unter sich bleibt. So trägt der Augusta National Golf Club das Etikett „exklusivster Golfclub der Welt“ zurecht - und er darf mit Fug und Recht auch als der reichste der Welt bezeichnet werden.

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