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Martin Kaymer : Diesmal ohne schlechtes Gewissen

  • -Aktualisiert am

Da sah es noch gut aus: Martin Kaymer zu Beginn der Schlussrunde in Abu Dhabi Bild: Reuters

Eigentlich liegt Martin Kaymer der Platz in Abu Dhabi - doch beim Saisonauftakt fällt er auf der Schlussrunde zurück. Dank altbewährter Vorbereitung sollen die großen Erfolge zurückkommen.

          Horses for Courses“, sagt man im Turf, gemeint sind Rennbahnen, die bestimmten Pferden besonders liegen. Im Golf gilt das für Martin Kaymer und dem Platz des Abu Dhabi Golf Club, einem seiner absoluten Lieblingsplätze: „Ich habe hier nie das Gefühl, dass ich etwas Besonderes machen muss, um ein gutes Ergebnis zu spielen. Ich sehe auf diesem Platz viele gute Schläge, schon bevor ich den Ball geschlagen habe. Ich putte hier immer gut, sehe den Ball ins Loch gehen. Und da mir dann diese Schläge auch tatsächlich gelungen sind, habe ich viel Selbstvertrauen.“

          Hier war dem 32 Jahre alten Rheinländer 2008 der erste Turniersieg auf der European Tour gelungen, und hier hatte er zwei weitere in den Jahren 2010 und 2011 folgen lassen. Bei diesem ersten großen Turnier der European Tour, eine mit 2,7 Millionen Dollar dotierte Veranstaltung, an der auch etliche amerikanische Topspieler teilnehmen, sprach Kaymer bei der Titelvergabe fast immer ein Wörtchen mit. Neben seinen drei Triumphen war er noch drei weitere Mal unter den Top 5 gelandet.

          Am Schlusstag zurückgefallen

          Auch in diesem Jahr schien der ehemalige Weltranglistenerste aus Mettmann auf dem Weg zu einem weiteren Erfolg in der Hauptstadt der Vereinigten Arabischen Emirate. Nach zwei Tagen hatte er das Feld angeführt, eine Spitzenposition, die er nach einer Par-Runde von 72 Schlägen am Samstag eingebüßt hatte. Kaymer begann die Schlussrunde am Sonntag mit einem Schlag Rückstand auf dem geteilten zweiten Platz. Nach drei Birdies auf den Löchern sechs, sieben und acht eroberte er sich die alleinige Führung zurück.

          Doch dann schwächelte der Deutsche. Auf den nächsten fünf Löchern unterliefen ihm drei Bogeys - die Erinnerung an 2014 wurde wach. Damals hatte Kaymer in der Schlussrunde mit zehn Schlägen Vorsprung geführt, war eingebrochen und hatte sich mit dem dritten Platz begnügen müssen. Dank eines Eagles am 18. Loch reichte es diesmal für den vierten Platz, den er sich nach 273 (66+66+72+69) Schlägen mit dem Österreicher Bernd Wiesberger und dem Thailänder Kiradech Aphibarnrat teilte.

          Den Sieg und 421.000 Euro Preisgeld sicherte sich der 26 Jahre alte Engländer Tommy Fleetwood (271 Schläge). Den zweiten Platz belegten mit einem Schlag Rückstand der amerikanische US-Open-Champion Dustin Johnson und der Spanier Pablo Larazabal (beide 272), der dieses Turnier 2014 gewonnen hatte. Maximilian Kieffer aus Düsseldorf wurde Zwölfter (277). Dagegen verpassten Bernd Ritthammer (München), Alexander Knappe (Paderborn) und Marcel Siem (Ratingen) den Cut.

          Bali, New York, Scottsdale

          Nach dem Abschluss der European Tour Ende November hatte sich Kaymer gemeinsam mit den Kollegen Matteo Manassero (Italien), Nicolas Colsaerts, Thomas Pieters (beide Belgien) und Rafael Cabrero-Bello (Spanien) eine Woche Urlaub auf Bali gegönnt. Danach ging es für ein Wochenende nach New York, ehe er an seinem Zweitwohnsitz in Scottsdale (Arizona) drei Wochen über Weihnachten und Neujahr trainierte. Erst danach gönnte er sich ein paar freie Tage in der alten Heimat mit Familie und Freunden. Den letzten Schliff holte er sich dann vor dem Turnier mit seinem Trainer Günter Kessler in Dubai.

          „In den letzten beiden Jahren hatte ich ein schlechtes Gewissen. Besonders nach meinem zweiten Major-Sieg habe ich es etwas entspannter angehen lassen“, schrieb Kaymer in einem Blog für die European Tour. Statt wie seit 2005 jedes Jahr über den Jahreswechsel intensiv in den Vereinigten Staaten zu trainieren, hatte er sich 2014 und 2015 in den Ski-Urlaub verabschiedet. „Ich habe dann zwar viele Top-Ten-Plazierungen erreicht, aber auf dem Platz fehlte mir das gewisse Etwas, das man für Siege braucht“, blickte Kaymer zurück. Soll wohl heißen: Er hofft, dass er dieses fehlende Puzzlestück mit der Rückkehr zur altbewährten Vorbereitung in diesem Jahr findet.

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