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Neuer Handball-Nationaltrainer : Bessere Kommunikation, mehr Mut

  • -Aktualisiert am

Mann der Kommunikation: Bundes- und Bundesligatrainer Markus Gaugisch Bild: dpa

In der Doppelrolle als Bundes- und Bundesligatrainer ist Markus Gaugisch gewissermaßen im Austausch mit sich selbst. Neben einer besseren Kommunikation soll er auch spielerisch für Aufbruch stehen.

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          Natürlich sollte am Dienstagmittag bei der Vorstellung des „Neuen“ kein schlechtes Wort über Henk Groener verloren werden; der Deutsche Handballbund (DHB) und der nun ehemalige Bundestrainer sind im Guten auseinandergegangen – soweit das möglich ist, wenn unterm Strich beide Seiten voneinander enttäuscht sind, hatte man mit diesem großen Namen im Frauenhandball doch turmhohe Erwartungen verbunden.

          Groener, 62, hatte die niederländischen Handball-Spielerinnen in die Weltspitze gebracht und sollte das Gleiche mit den DHB-Frauen tun. Doch sein Wirken von Januar 2018 an war neben passablen Erfolgen von Streit mit der Bundesliga (HBF) geprägt.

          Ohne Liga geht es nicht, das dürfte die Erkenntnis des DHB unter Sportvorstand Axel Kromer sein, also präsentierte der Verband nach drei ausländischen Bundestrainern nun Markus Gaugisch aus Göppingen als neuen Chef. Kromer sagte, auch im Rückblick auf Groener: „Es ist für Markus von Vorteil, dass er sehr kommunikativ ist. Wir brauchen einen Bundestrainer, der mit den Bundesligatrainern im Austausch ist, um den Handball der Frauen voranzutreiben.“

          Erst deutlich, dann mit den Jahren abgeschwächt hatte Groener den Vereinen und ihren Spielerinnen mangelnde Professionalität vorgeworfen – das verhindere den Vorstoß der Deutschen in Medaillennähe. Die erbosten Konter aus der Liga folgten umgehend nach jedem der vier Großturniere unter Groener, und am Ende gewann man den Eindruck, dass nicht mehr alle an einem Strang zogen im deutschen Frauenhandball.

          Im Austausch ist Gaugisch nun gewissermaßen mit sich selbst, trainiert er doch seit der Saison 2020/21 die Frauen der SG BBM Bietigheim. Noch diese und die nächste Spielzeit wird Gaugisch den Bundesliga-Tabellenführer anleiten, sich dann allein auf den DHB konzentrieren. Der 47 Jahre alte Familienvater unterschrieb einen Vertrag bis 2024, der sich bei Qualifikation für die Olympischen Spiele 2024 automatisch bis April 2026 verlängert und damit auch die Heim-WM im Dezember 2025 umfassen würde.

          Lehrertätigkeit lässt Gaugisch ruhen

          Auch in Sachen Entwicklung und Talentscouting soll Gaugisch eingebunden werden. Seine Tätigkeit als Gymnasiallehrer im Fach Sport lässt er nach Ende des Schuljahres ruhen. Gebraucht werden seine Fähigkeiten sofort, denn schon am Donnerstag soll in der niederländischen Stadt Almere mit einem Pflichtsieg gegen Griechenland die Berechtigung zur Teilnahme an der EM im November erworben werden.

          Gaugisch dankte seinem Vorgänger für ein „bestehendes Gerüst“ und antwortete auf die Frage, ob die Nationalmannschaft mit ihm enger an die Liga rücke: „Es ist wahnsinnig wichtig, dass man mit den Vereinen zusammenarbeitet. Man muss mit den Vereinstrainern und den Spielerinnen in Austausch gehen.“ Aber in gewisser Weise gab Gaugisch Groener recht, als er sagte: „Im Unterschied zu ausländischen Topklubs sind die Rahmenbedingungen in der Bundesliga andere – wenn Spielerinnen bei uns neben dem Handball 30 bis 40 Stunden arbeiten müssen, ist das nicht ideal.“

          Treibende Kraft hinter Gaugischs Verpflichtung ist Sportvorstand Kromer. Die beiden haben beim VfL Pfullingen in der Bundesliga gespielt und ihre Söhne, als sie klein waren, in Mössingen trainiert. Gaugisch stehe für dynamischen, kreativen, flexiblen Handball, sagte Kromer. Er wolle mehr eins gegen eins wagen, weniger spielzughaft aufgestellt sein, sagte Gaugisch, der mehr Mut und Überzeugung versprach: „Das Zugpferd Nationalmannschaft soll den ganzen Frauenhandball nach vorn bringen. Ich strebe den Schritt zu den Olympischen Spielen an.“

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