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Interview mit Marko Pesic : „Uli Hoeneß ist die entscheidende Figur“

Der Planer: Marko Pesic hat beim FC Bayern ein neues, junges Basketballteam aufgebaut. Bild: Imago

Marko Pesic, Basketballchef des FC Bayern, spricht im Interview über den Hunger der Jugend, den Blick in die NBA und die Rückkehr des Chefs. Es hat sich in der Zwischenzeit einiges geändert.

          Nach sieben Jahren hat das Basketballprojekt des FC Bayern zuletzt an Schwung verloren – in zwei Spielzeiten ohne Titel. Die Folge: der größte Umbruch seit dem Aufstieg. Alles neu in München?

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Vieles ist neu. Einiges gezwungenermaßen, einiges gewollt. Wir haben uns bei den Spielern deutlich verjüngt, und wir haben einen neuen Trainer.

          Aleksandar Djordjevic, der mit Serbien gerade Olympiazweiter wurde. Er folgt auf Svetislav Pesic, der sich einer Knieoperation unterziehen musste. War es ein Fehler, den eigenen Vater nicht früher zum Aufhören bewegt zu haben?

          Im Nachhinein vielleicht, weil er lange so unglaubliche Schmerzen hatte. Im Rückblick sage ich: Seine Identifikation und sein Verantwortungsgefühl für diesen Verein waren zu groß. So groß, dass er seine gesundheitlichen Probleme ignoriert hat. Er war neben Uli Hoeneß und dem früheren Vizepräsidenten Bernd Rauch die entscheidende Person für die Entwicklung dieses Vereins. Jetzt ist die Zeit, da er auf sich und seine Gesundheit achten muss. Und wir uns verändern müssen.

          Svetislav Pesic – Vater von Marko Pesic – musste wegen einer Knieverletzung den Trainerposten aufgeben.

          Auch von der Spielweise?

          Wir gehen mit Djordjevic in eine neue Ära. Er wird den Weg, den mein Vater geebnet hat, nicht verlassen, aber die Dinge auf andere Weise erledigen. Dabei unterscheiden die beiden sich von ihrer Grundkonzeption nicht – in dem, was im Training wichtig ist, im Spiel, vor allem Disziplin. Nur die Methoden sind vielleicht anders.

          In den vergangenen Jahren holten Sie meist erfahrene Spieler aus der Bundesliga. Warum nun die Kehrtwende?

          Von den vier Spielern auf den großen Positionen ist nun keiner mehr älter als 25 Jahre. Sie bringen mehr Athletik und Enthusiasmus mit und vor allem mehr Hunger. Für uns ist Hunger das entscheidende Wort in dieser Saison. Nie satt werden, das wird der Schlüssel sein.

          War die Mannschaft zu satt?

          Wenn man sich unsere Meistermannschaft von 2014 anschaut, dann war außer Hamann und Schaffartzik keiner dabei, der zuvor die deutsche Meisterschaft gewonnen hatte. Diese Mannschaft hatte den Hunger, sich unbedingt zu verbessern. Wir sind zum Entschluss gekommen, dass wir nun wieder eine jüngere, hungrigere Mannschaft brauchen. Es ist einfacher, sich zu entwickeln mit Spielern, die nicht schon 30 oder 32 Jahre alt sind und viel Geld in ihrer Karriere verdient haben und denen die letzten paar Prozent Motivation fehlen.

          Damit ein Team sich entwickeln kann, muss sich auch das Budget entwickeln. Geht das mit Uli Hoeneß besser als ohne ihn?

          Es ist doch klar, dass er als früherer Spitzensportler mehr Emotionen einbringt und einen anderen Zugang zum Basketball hat. Aber Uli Hoeneß ist nicht nur für uns, sondern für den ganzen deutschen Basketball die entscheidende Figur in den nächsten Jahren. Weil er in der Lage ist, viele Dinge anzuschieben.

          Dieser Anschub fehlte, nachdem er wegen Steuerhinterziehung vor Gericht stand und in Haft musste.

          Noch immer stellt Uli Hoeneß eine Identifikationsfigur des FC Bayern dar.

          Nachdem Herr Hoeneß diese Probleme hatte, haben wir erst einmal ein Jahr gekämpft. Um uns zu finden und zu sehen, wie wir auch ohne ihn funktionieren. Wir hatten mit der Meisterschaft 2014 in Sachen Finanzen und Entwicklung ein wenig die Decke erreicht und brauchten einige Zeit, um Wege zu finden, uns operativ weiterzuentwickeln. Vorher war alles vielleicht zu schnell gegangen. Für die neue Saison haben wir nun finanziell einen sehr guten Grundstein gelegt. Die Infrastruktur und Organisation des Bayern-Basketballs war noch nie so gut wie jetzt.

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