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Marion Jones : „Es gibt genügend Indizien, um sie zu sperren“

  • Aktualisiert am

„Wir werden sie wieder in Rennform bringen” Bild: REUTERS

Eine amerikanische Zeitung titelte „B-Probe sauber, aber Verdacht bleibt“. Marion Jones kämpft trotz ihrer negativen Doping-Probe um ihren Ruf. Auch der Heidelberger Doping-Experte Professor Werner Franke belastet die Sprinterin.

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          Marion Jones kämpft um ihren Ruf. Nach der negativen B-Probe und dem damit verbundenen Ende ihrer dreiwöchigen Leidenszeit wegen öffentlicher Vorverurteilung plant die 30 Jahre alte Amerikanerin bereits beim Leichtathletik-Weltcup Mitte September in Athen ihr Comeback. Das Weltfinale an diesem Wochenende in Stuttgart kommt für die dreifache Olympiasiegerin noch zu früh.

          „Für Stuttgart hat es nicht gereicht, aber sie hofft, in Athen und dann eine Woche später in Schanghai dabei zu sein“, sagte ihr Manager Charles Wells am Donnerstag (Ortszeit). Marion Jones habe eine schwere Zeit hinter sich. Am 18. August war ihre positive A-Probe wegen Epo-Dopings bekannt geworden; erst seit der Veröffentlichung ihrer negativen B-Probe am Mittwoch darf sie wieder laufen und ist zumindest vorläufig rehabilitiert.

          „Wir werden sie wieder in Rennform bringen“

          Der Neustart ausgerechnet zum vermeintlichen Saisonende hat symbolischen Charakter. Die gestürzte Diva ist um Schadensbegrenzung bemüht und hofft wieder auf gute Zeiten. Viel trainiert hat sie seit Mitte August nicht, als sie - Stunden vor ihrem geplanten Auftritt beim Golden-League-Meeting in Zürich - erstmals vom positiven Test erfahren hatte. Ihr letztes Rennen absolvierte sie am 28. Juli in London. „So schlimm ist es nicht. Sie ist aktiv geblieben, wir müssen nur noch ein bißchen Tempoarbeit machen“, erklärte ihr Coach Steve Riddick, „wir werden sie so schnell wie möglich wieder in Rennform bringen.“

          „B-Probe sauber, aber Verdacht bleibt” schrieb die „Chicago Tribune”

          Die Welt-Anti-Doping-Agentur Wada reagierte mit Zurückhaltung auf die überraschende Wende im Fall Jones. „In solchen ungewöhnlichen Fällen ist es unsere Pflicht, das gesamte Material von beiden Tests anzufordern und herauszufinden, was passiert ist“, meinte Wada-Chef Richard Pound, bekräftigte aber gleichzeitig, volles Vertrauen in den umstrittenen Epo-Test zu haben.

          Werner Franke belastet Jones

          Diskrepanzen zwischen A- und B-Probe sind höchst selten. Das gilt allerdings vor allem für verbotene Mittel wie Anabolika oder Stimulanzien, nicht für den umstrittenen Epo-Test. Hier kommt es häufiger zu Abweichungen. Im vergangenen Jahr wurden in Wada-Labors knapp 183.000 Doping-Tests durchgeführt. Nach Angaben der „New York Times“ wurden in höchstens vier von 3.909 Fällen eine positive A-Probe durch die Analyse der B-Probe nicht bestätigt. Es müsse sichergestellt werden, daß alles mit rechten Dingen zugegangen sein, forderte Pound. Im Zweifel könne Wada die Testergebnisse anfechten.

          Für Marion Jones scheint das Spießrutenlaufen weiterzugehen. „Sie ist eine Ausnahmeathletin. Die Leute sollten sie endlich in Ruhe lassen“, forderte ihr Trainer Riddick. „Hoffentlich kann sie jetzt, da alles vorbei ist, ein wenig relaxen.“ Doch der deutsche Doping-Experte Werner Franke sagt nach Studium der Fakten aus dem Prozeß um das kalifornische Labor Balco, zusammengetragen im Buch „Games of Shadow“: „Es gibt genügend Indizien und Zeugenaussagen, um Marion Jones zu sperren.“ Aber er mutmaßt, die Anwälte der dreifachen Sydney-Olympiasiegerin hätten die amerikanischen Verbände und die Anti-Doping-Behörde Usada erfolgreich eingeschüchtert.

          Professor Werner Franke, Zell- und Molekular-Biologe der Universität Heidelberg und Abteilungsleiter am Deutschen Krebstforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg, fragt: „Warum wurden nur andere ohne positive Probe gesperrt - sogar für acht Jahre wie die frühere Hallen-Weltmeisterin Michelle Collins?“

          „B-Probe sauber, aber Verdacht bleibt“

          Jones war nach vier leistungsmäßig mageren Jahren in dieser Saison überraschend in die Weltspitze zurückgekehrt. Ihre Saisonbestmarke liegt bei 10,91 Sekunden. Bereits am Freitag wollte die ehemals schnellste Frau der Welt das harte Training wieder aufnehmen. „Ich kann es kaum erwarten, endlich wieder laufen zu dürfen“, hatte sie am Mittwoch in einer Stellungnahme mitgeteilt.

          Die Teilnahme als aussichtsreiche Medaillenkandidatin bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking hat sie immer wieder als Ziel ausgegeben. Bis dahin wird sie jedoch noch viel Überzeugungsarbeit leisten müssen, um die weit verbreitete Skepsis in den Medien zu reduzieren. „B-Probe sauber, aber Verdacht bleibt“, titelte die „Chicago Tribune“. Die Anwälte von Jones kündigten an, ihre Mandantin behalte sich gegen alle falschen Beschuldigungen Schadensersatzklagen in Millionenhöhe vor.

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