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Mario Baslers Hengst : Der neue Star des europäischen Trabrennsports

  • -Aktualisiert am

Auf Trab: Igor Font und sein Fahrer Jean-Michel Bazire Bild: Heiko Lingk

Mit Mario Baslers Hengst Igor Font kehrt der deutsche Trabrennsport an die internationale Spitze zurück. Den Kaufpreis hat das Pferd inzwischen dutzendfach zurückgezahlt. Das liegt nicht zuletzt auch an einem Franzosen.

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          Seine vierbeinigen Eltern sind Amerikaner. Geboren wurde der Traber in Italien, die grundlegenden Schritte auf dem Weg zu einer erfolgreichen Rennlaufbahn erlernte der Braune allerdings auf dem Gestüt Catch Glory ganz in der Nähe von Straubing. Und sein Sulkyfahrer Jean-Michel Bazire ist Franzose. Der Hengst Igor Font hat nicht nur einen multinationalen Hintergrund - er ist der neue Star des europäischen Trabrennsports.

          Dass der deutsche Anteil am Triumph dabei erfreulicherweise dominiert, daran lässt sein Besitzer Mario Basler keinerlei Zweifel. Obwohl der 30-malige Fußballnationalspieler sein eigenes Pferd aufgrund der weltweiten Startmöglichkeiten nur noch sehr selten zu Gesicht bekommt. „Aber wenn Igor Font mit uns spricht, dann klingt sein Akzent eindeutig bayrisch“, sagt der Trainer des Regionalligaklubs Eintracht Trier schmunzelnd. Gemeinsam mit seinem Schwager Roger Wittmann und dessen Lebensgefährtin, der ehemaligen Tennisspielerin Anke Huber, hatte Basler den Hengst im Spätsommer 2005 auf einer Jährlingsauktion in Mailand ersteigert - für 50.000 Euro.

          Seinen Kaufpreis hat Igor Font inzwischen dutzendfach zurückgezahlt. Seine Erfolge auf den europäischen Bahnen sprechen eine deutliche Sprache: 23 Rennen hat der fünfjährige Hengst bisher bestritten, elf davon hat er gewonnen. Weitere acht Mal war Igor Font plaziert. Innerhalb kurzer Zeit hat der Braune schon 618.038 Euro Prämie für Catch Glory, den gemeinsamen Rennstall von Basler, Wittmann und Huber, erlaufen.

          „Jean-Michel Bazire bildet mit Igor Font ein absolutes Traumpaar”, sagt Mario Basler

          Doch die Erfolgssumme drückt nur einen Bruchteil des wirklichen finanziellen Wertes aus - denn aufgrund seines exzellenten Stammbaums und seines herausragenden Exterieurs steht Igor Font auch als Zuchthengst vor einer gewinnbringenden Zukunft. Der Traber gilt schon jetzt als unbezahlbar. Mitbesitzer Roger Wittmann: „Wir haben von ausländischen Interessenten mehrere Angebote in Millionenhöhe erhalten. Doch ein Verkauf steht nicht zur Debatte, dazu hängen wir viel zu sehr an unserem Hengst.“

          „Das Allerwichtigste ist, dass der Braune gesund bleibt“

          Für den nach Anerkennung ringenden deutschen Trabrennsport ist die Treue der Besitzer zu ihrem Pferd ein Segen. Denn nach jahrelanger Abstinenz auf der großen Bühne mischt der heimische Sport endlich einmal wieder an der internationalen Spitze mit. Igor Fonts Siege in drei renommierten Gruppe-Eins-Rennen und die Weltrekordzeit, die der Hengst bei seinem mit 125.000 Euro dotierten Triumph beim Gran Premio d'Europa in Mailand erzielte, lassen die Herzen der deutschen Traberfans und Funktionäre schneller schlagen.

          Denn sie erinnern an die großartigen Erfolge, die Pferde wie Abano As und Sea Cove für die Gestüte des Olympiasiegers Alwin Schockemöhle und des Hamburgers Harald Grendel erkämpften. Dass der noch junge Igor Font schon bald in die Fußstapfen dieser vierbeinigen Heroen treten könnte, ist die große Hoffnung. Mario Basler: „Das Allerwichtigste ist, dass der Braune gesund bleibt. Unter dieser Voraussetzung peilen wir einen Start beim Elitloppet um 500.000 Euro Preisgeld Ende Mai in Stockholm und beim nächsten Prix d'Amérique an.“

          Igor Font unterlag nur hauchdünnum eine Zehntelsekunde

          Dass Igor Font zweifellos die Klasse für das alljährlich im Januar in Paris ausgetragene und mit einer Million Euro dotierte wichtigste Trabrennen der Welt mitbringt, unterstrich der Hengst vor drei Wochen mit seinem zweiten Platz beim Grand Critérium de Vitesse. Auf der französischen Nobelpiste in Cagnes-sur-Mer unweit von Nizza unterlag Baslers Hengst in dem 200.000-Euro-Rennen lediglich dem aktuellen Amérique-Sieger Meaulnes du Corta hauchdünn um eine Zehntelsekunde.

          Und dies wohl nur, weil der lange im Teilnehmerpulk festsitzende Hengst erst kurz vor dem Ziel den nötigen Freiraum fand. In einem packenden Finish flog Baslers Traber wie ein Pfeil mit riesigen Schritten heran. Zwar zu spät für den Sieg, aber rechtzeitig genug für einen großen Achtungserfolg. Den hoch eingeschätzten Gegner Offshore Dream - einen Traber, der bereits zwei Millionen Euro Prämie erlaufen und den Prix d'Amérique in den Jahren 2007 und 2008 gewonnen hat - wies Igor Font deutlich in die Schranken. Mit enormer Spurtkraft holte Baslers Hengst zwei Längen Vorsprung auf den drittplazierten Konkurrenten heraus.

          „Bazire bildet mit Igor Font ein absolutes Traumpaar“

          Am vergangenen Sonntag siegte Igor Font sogar in einem Rennen der Europagruppe eins: in Beaumont, in der Nähe von Toulouse, auf der direkt am Rand der Pyrenäen gelegenen Piste. Für Basler und seine Partner ging es wieder um viel Geld: 160.000 Euro Dotation. Igor Font wiederholte seine Glanzleistungen aus den vergangenen Monaten und gilt inzwischen als bestes Pferd Europas. Auch, weil in seinem Sulky wie immer der derzeit beste Trabrennfahrer der Welt saß.

          Jean-Michel Bazire verfügt über eine nahezu unglaubliche Bilanz. Der 37-jährige Franzose erzielte bei seinen Fahrten alleine in der Saison 2008 über acht Millionen Euro Rennprämie. Den bildhübschen Hengst des deutschen Besitzertrios hält der Spitzenprofi für das aktuell stärkste ihm anvertraute Pferd. „Über diese Einschätzung freuen wir uns sehr. Jean-Michel Bazire bildet mit Igor Font ein absolutes Traumpaar“, sagt Mario Basler. Die nächste Prüfung wartet schon am 25. April in Helsinki - Dotation 180.000 Euro.

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