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Maria Scharapowa im Gespräch : „Tennis ist ein großer Psychokrieg“

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Viel Licht, viel Schatten: In der Karriere der Russin ging es schon häufig auf und ab Bild: AFP

Vor zehn Jahren gewann Maria Scharapowa ihren ersten Grand Slam, noch immer gehört sie zur Elite im Damentennis. Im FAZ.NET-Interview spricht die Russin über die Kunst der Konzentration, Serena Williams und Lärm auf dem Platz.

          7 Min.

          Im Sommer 2004 ist Maria Scharapowa groß herausgekommen. Als 17-Jährige gewann die russische Tennisspielerin in Wimbledon und stieg danach zu einer Marketing-Ikone auf. 27 Millionen Dollar hat die 1,88 Meter große Blondine an Preisgeld gewonnen, noch viel mehr durch Sponsorenverträge. Seit zehn Jahren führt Scharapowa - nicht zuletzt dank ihres geschäftstüchtigen IMG-Managers Max Eisenbud - als bestbezahlte Sportlerin die Forbes-Liste an: Allein für das Vorjahr stehen 23 Millionen Dollar an Einnahmen zu Buche.

          Neben ihren vier Grand-Slam-Turniersiegen und insgesamt 29 Profititeln hat sie vor zwei Jahren angefangen, auch in Süßigkeiten zu investieren. „Sugarpova“ heißt die Marke, für die sie selbst verantwortlich ist. An diesem Samstag wird die Russin 27 Jahre alt. Groß feiern wird die aktuelle Weltranglistenneunte ihren Geburtstag in Stuttgart nicht. Schließlich beginnt dort an Ostern das WTA-Hallenturnier, wo sie abermals ihren Titel zu verteidigen hat.

          Es ist demnächst zehn Jahre her, dass Sie in Wimbledon Ihren ersten Grand-Slam-Titel gewonnen haben. Erinnern Sie sich noch an das Gefühl, als Sie den Matchball verwandelt haben?

          Das war eine Riesenüberraschung in meiner Karriere: zum einen, weil ich mich in so jungen Jahren körperlich überhaupt noch gar nicht dazu in der Lage gefühlt habe, etwas so Großes zu erreichen, zum anderen, weil ich im Finale gegen Serena (Williams) gespielt habe, die das Turnier zuvor schon einige Male gewonnen hatte und als Titelverteidigerin ins Rennen gegangen war. Die ganzen zwei Wochen waren eine großartige Erfahrung für mich. Ich habe völlig furchtlos gespielt, mich von Match zu Match gesteigert, immer die Entscheidung gesucht. Der Moment, als alles vorbei war, kam mir surreal vor.

          Mittlerweile haben Sie jedes der vier Grand-Slam-Turniere einmal gewonnen und insgesamt 29 Titel geholt. Fühlt es sich immer noch so an wie beim ersten Mal, wenn Sie einen Pokal überreicht bekommen?

           Auf jeden Fall. Ich bin so ein großer Wettkämpfer. Ich liebe es, zu gewinnen, dafür arbeite ich, deshalb will ich mich verbessern. Training ist nichts als Schinderei, die Trophäe hochhalten, das ist Spaß.

          Seit 2003 haben Sie in jedem Jahr mindestens ein Turnier gewonnen, und das trotz Ihrer Schulterverletzungen. Wie haben Sie das Schicksal angenommen und sich zurückgekämpft?

          Mit Wissen und Erfahrung. Ich hatte gute Phasen in meiner Karriere - und einige harte. In der Karriere eines Tennisspielers gehören Schulteroperationen zu den schlimmsten, um sich davon zu erholen. Nicht viele Spieler haben es geschafft, die Folgen eines solchen Eingriffs gut zu überstehen. Auch deshalb war es für mich eine sehr schwere Zeit: Ich konnte mir niemanden zum Vorbild nehmen, der so etwas durchgestanden hatte, danach ein Grand-Slam-Turnier gewann und die Nummer eins wurde.

          Es gab wirklich niemanden! Tommy Haas leidet ja auch seit langem unter Schulterbeschwerden und hat es immerhin geschafft, auf Weltranglistenplatz zwölf zurückzukehren. Aber ich hatte damals keine Ahnung, ob es möglich sein würde, wieder auf hohem Niveau zu spielen und jemals wieder ein Grand-Slam-Turnier zu gewinnen. Das war beängstigend.

          Gold in Rio - diesen olympischen Traum verfolgt Maria Scharapowa noch
          Gold in Rio - diesen olympischen Traum verfolgt Maria Scharapowa noch : Bild: AP

          Nach meiner Erfahrung gibt es zwei grundsätzlich verschiedene Spielertypen: Die einen spielen, um zu gewinnen, die anderen kämpfen, um nicht zu verlieren. Was ist Ihre Motivation?

          Das ist nicht nur eine Frage der Mentalität, sondern auch der verschiedenen Spielweisen. Der eine ist ein sehr defensiver Spieler, der viel läuft und viele Bälle zurückbringt. Er hat zwar keine große Power, gewinnt aber oft, weil er gut verteidigt. Einige machen sich es etwas einfach und sagen, dass diese Typen nur wegen der Fehler des anderen gewinnen. Aber ihre Stärke ist es eben, dass sie einen dazu bringen, Fehler zu machen. Es ist eine Kombination vom körperlichen und geistigen Aspekt.

          Ein Tennisduell ist für Sie also auch eine Art Psychokrieg?

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