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Maria Scharapowa : Goldenes Funkeln im roten Sand

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Noch nicht wieder die Alte: doch nach Paris bringt Maria Scharapowa dennoch den vermissten Glamour Bild: dpa

Mit Maria Scharapowa kehren rechtzeitig vor den French Open in Paris Flair und Glamour ins Damen-Tennis zurück - auch wenn die ehemalige Weltranglisten-Erste ihre alte Spielstärke noch längst nicht wiedergefunden hat.

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          Maria Scharapowa hat einiges mit Roger Federer gemeinsam: Beide standen mal an der Spitze der Weltrangliste, beiden fehlt zum sogenannten „Karriere-Grand-Slam“ nur noch ein Erfolg auf dem roten Ziegelmehl im Pariser Stade Roland Garros. Doch während der Schweizer Maestro nach seinem Finalsieg in Madrid gegen den Branchenprimus Rafael Nadal mit neuem Schwung und großen Hoffnungen in die am Sonntag beginnenden French Open geht, gibt sich die 22-jährige Russin bescheiden: „Ich erwarte nichts. Dies ist nicht die Zeit, um große Erwartungen zu hegen.“

          Und es ist auch noch nicht die Zeit, eine Gegnerin, die sie im vergangenen Jahr bei den beiden einzigen Duellen zweimal besiegt hatte, auch bei ihrem Comeback zu schlagen. Am Donnerstag verlor sie beim Turnier in Warschau 2:6 und 2:6 im Viertelfinale gegen die Ukrainerin Alona Bondarenko – zumindest nach den aktuellen Weltranglistenplätzen der beiden keine Überraschung. Maria Scharapowa ist nach einer Schulteroperation im vergangenen Jahr und insgesamt neuneinhalb Monaten Turnierpause, die nur von einer Doppelniederlage mit ihrer Landsfrau Elena Wesnina im März in der ersten Runde von Indian Wells unterbrochen wurde, auf den 126. Platz zurückgefallen. Alona Bondarenko wird auf Rang 39 geführt und war in Warschau an Nummer acht gesetzt.

          Aber wer wie die mittlerweile in Bradenton in Florida lebende junge Frau aus Sibirien seit August vergangenen Jahres kein Einzel in einem Turnier mehr bestritten hat, weiß, dass der Weg zurück mühsam wird. Immerhin gewann sie in der polnischen Hauptstadt ihre ersten beiden Matches gegen die Italienerin Tathiana Garbin (68. der Weltrangliste) und die Weißrussin Darja Kustowa (202.). Aber wichtiger war der Russin die Matchpraxis: „Das war die beste Vorbereitung auf Paris, die ich haben konnte. Ich habe drei Matches gespielt und drei bis vier Stunden auf dem Platz in guten Matchsituationen gestanden. Ich könnte nicht glücklicher sein.“

          Gegen Bondarenko gestrauchelt - Maria Scharapowa sieht sich dennoch auf einem guten Weg

          Neues Funkeln in Paris

          Klugerweise weigerte sie sich zu spekulieren, wie weit sie bei den French Open kommen könnte, zumal es die Auslosung nicht gut mit ihr meint. Nach einem vermeintlich leichten Auftaktmatch gegen die Weißrussin Anastasja Jakimowa (64. der Weltrangliste) droht im Siegesfalle ein Duell gegen ihre Landsfrau Nadja Petrowa, immerhin die Nummer elf der Hackordnung.

          Falls es so weit kommt, wäre Maria Scharapowa nach den Eindrücken von Warschau krasse Außenseiterin. Dort spürte auch Alona Bondarenko, dass die einstmals Beste der Welt noch ein gutes Stück von ihrer Bestform entfernt ist: „Ihr Aufschlag kommt nicht mehr so hart, aber ihre Grundschläge haben nichts an Härte verloren. Früher hat sie allerdings kaum leichte Fehler gemacht, jetzt unterlaufen ihr viele.“ Auch die Verliererin sah ihre Leistung ganz nüchtern: „Ich habe zu viel zu schnell versucht. Mir fehlte einfach die Geduld. Aber das sind die Fehler, die man nach einer langen Pause macht, und man muss aus diesen Fehlern lernen.“

          Mit Ohrringen von Tiffany

          Aber wer wie Maria Scharapowa mit einem jährlichen Einkommen von 26 Millionen Dollar als bestverdienende Sportlerin der Welt gilt, muss nicht gleich wieder siegen. Es reicht schon, dass sie wieder auf dem Tennisplatz auftritt, wenn sie dem Damentennis jenen Hauch Glamour gibt, der in den vergangenen Monaten so schmerzlich vermisst wurde. Der ständige Wechsel an der Weltspitze – nach Maria Scharapowa hatten die Serbinnen Ana Ivanovic und Jelena Jankovic sowie die Amerikanerin Serena Williams den ersten Weltranglistenplatz besetzt, ehe ihn am 20. April die Russin Dinara Safina übernahm –, und das Fehlen einer dominanten Akteurin mit Flair machten dem Damentennis in den Monaten ohne das Glamourgirl Maria Scharapowa zu schaffen.

          Natürlich wird der Auftritt des 1,88 Meter großen Teilzeitmodels in der Modemetropole Paris auch von einem besonderen Gag begleitet. Der Juwelier Tiffany, ihr Sponsor, entwirft für jedes Grand-Slam-Turnier neue Ohrringe. In Roland Garros wird sie den Court mit Stücken, in denen ein Aquamarine und ein Diamant in einem Tropfen aus Weißgold funkeln, betreten. Ein Schuss Extravaganz muss schließlich sein.

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