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Maria Scharapowa : Erstklassige Spielerin mit zweitklassiger Show

Strahlen für die Fotografen: Maria Scharapowa Bild: dpa

Kunstvolle Schläge, künstliche Gesten: Maria Scharapowa dominierte auch das Finale der Australian Open und besiegt die Serbin Ana Ivanovic klar mit 7:5 und 6:3. Ihr eiserner Wille hat die Russin wieder stark gemacht. Doch nicht jeder mag sie.

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          Man muss Maria Scharapowa nicht mögen, zumindest nicht so, wie man sie kennt. Viele ihrer Gesten wirken künstlich, sehen sehr einstudiert aus und sind nur auf Wirkung bedacht. Gegnerinnen würdigt sie keines Blickes, und wenn sie kerzengerade nach Punktgewinnen zur Grundlinie zurückstolziert, versprüht sie ungeheure Dosen an Arroganz. Vor jedem Aufschlag durchläuft sie das immer selbe Ritual, weswegen sie auch ein einfaches Opfer für Parodien ist.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Grimmig schaut sie dann rein, blickt aus eiskalten Augen rüber zu ihrer Gegnerin, steckt sich ein paar meistens imaginäre Haarsträhnen hinter die Ohren, tippt dann den Ball sehr exaltiert zwei Mal auf den Boden. Und dann dieses Gequieke: Je wichtiger der Punkt wird, desto lauter wird der spitze Schrei, denn sie dann bei jeden Schlag von sich gibt, und allein schon deshalb hofft man manchmal, dass der Ballwechsel bald beendet ist.

          Scharapowa als die größte Attraktion des Tennis

          Mögen muss man sie also nicht, aber bewundern als Tennisspielerin darf man sie schon. Denn Maria Scharapowa ist zwar mit 1,88 Meter Körpergröße und einer Modelfigur gesegnet und gilt dank ihres Aussehens als die große Attraktion dieses Sports, was ihr mehr Werbeeinnahmen garantiert, als sie je an Preisgeld zusammenspielen kann in ihrer Karriere. Aber auch davon kommt eine Menge zusammen, weil sie an guten Tagen kaum zu besiegen ist auf einem Tennisplatz. In Melbourne hatte sie viele gute Tage - und am Samstag gab es einen weiteren Siegerscheck über umgerechnet 821.000 Euro.

          Strahlen für die Fotografen: Maria Scharapowa Bilderstrecke

          Auch Ana Ivanovic konnte sie im Finale letztlich nicht gefährden, obwohl die Weltrangliste vorher etwas anderes ausgesagt hatte. Dort wird die Serbin am Montag auf den zweiten Rang vorrücken, während die Russin auf dem fünften Platz verharren wird. Nicht nur dieser 7:5 und 6:3-Erfolg gab Hinweise, dass dies nicht lange so bleiben wird: Auf dem Weg zu ihrem ersten Titel bei den Australian Open gab Maria Scharapowa keinen einzigen Satz ab.

          Kopfschüttelnder Dank an die besiegte Gegnerin

          Die Vorstellung auf dem Platz war beeindruckend, solange ein Schläger mit im Spiel war, die Vorstellung danach vorhersehbar. Natürlich ahnte jeder, dass Maria Scharapowa nach dem Matchball die Hände vor das Gesicht schlagen und so ungläubig schauen würde, als sei gerade etwas geschehen, womit sie nicht im Entferntesten gerechnet hatte. Kopfschüttelnd über diesen Erfolg bedankte sie sich bei ihrer Gegnerin, ging zu ihrem Stuhl, wieder die Hände vor dem Gesicht - und schwupps, nach einem kurzen Moment der Besinnung kehrte sie tanzend vor Glück wieder auf den Platz zurück und verteilte Kusshändchen ins Publikum.

          Beides zu mögen, die Spielerin Maria Scharapowa und die nicht besonders talentierte Schauspielerin Maria Scharapowa, ist eine schwierige Aufgabe. Aber das eine ist ohne das andere nicht zu haben. Die Siegerin der Herzen wäre nicht nur wegen ihrer australischen Verwandten die ebenfalls erst 20 Jahre alte Ana Ivanovic gewesen, aber auch in ihrem zweiten Grand-Slam-Finale ging die Serbin als Verliererin vom Platz. Vor einem Jahr hatten ihr in Paris die Nerven den Dienst von vornher-ein versagt, diesmal hätte ihr auch noch mehr mentale Stärke nicht genützt. Die kühle Gegnerin auf der anderen Seite des Netzes wäre immer noch zu stark gewesen.

          „Das geht nicht mit Eis schlecken und Chips essen“

          Immerhin, wenn die Fernsehkameras nicht mehr in Mannschaftsstärke auf sie zeigen und die Bilder nicht mehr um die ganze Welt gehen, dann fehlen auch die großen Gesten der Russin, und sie sagt auch vernünftige Sätze auf. „Ich habe extrem hart dafür trainiert, wieder dahin zu kommen, wo ich schon einmal war“, meinte sie nach dem dritten Grand-Slam-Erfolg ihrer Karriere. 2004 hatte sie in Wimbledon gewonnen, als 17 Jahre alter Teenager, 2006 bei den US Open.

          Als erste Russin hatte sie 2005 an der Spitze der Weltrangliste gestanden, und es gibt keinen Zweifel darüber, dass sie trotz allen Glamours, der sie umgibt, dahin wieder zurück will. „Das geht nicht mit Eis schlecken und Chips essen“, sagte sie in den Tagen von Melbourne, das hat auch nichts mit den Fotos zu tun, die in den Hochglanzmagazinen erscheinen. Das ist harte, schweißtreibende Arbeit, und Vater Juri, der auch ihr Trainer ist, wirkt nicht so, als lasse er seiner Tochter irgendeine Nachlässigkeit durchgehen.

          „Nichts gegen das, was ich in Singapur durchgemacht habe“

          Das aber ist die andere Seite der Maria Scharapowa, eine, die man ohne Einschränkung bewundern kann. Sie hat schon immer extrem viel dafür gegeben, dass sie in diesem Sport weiterkommt, und ob es manchmal vielleicht auch etwas zu viel war, wird nur sie selber beantworten können. Mit sieben Jahren ging sie nach Florida, um die Karriere als Tennisspielerin voranzutreiben, und weil das Geld für alle fehlte und es Probleme mit dem Visum gab, hatte sie knapp zwei Jahre mit ihrer Mutter nur telefonieren können. „Und damals waren die Verbindungen auch noch sehr schlecht“, erzählte sie nun in Melbourne.

          Der Verzicht auf ein Familienleben hat die Familie Scharapowa längst reich gemacht. Siegerschecks dürften so längst nicht mehr zur Motivation ausreichen, ehe der Wille, es allen zu zeigen. Vor einem Jahr hatte Maria Scharapowa das Finale in Melbourne 1:6 und 2:6 gegen Serena Williams verloren, eine verheerende Niederlage für eine, die schon jeden Punktverlust in einem Spiel persönlich zu nehmen scheint. In Australien war sie in der Vergangenheit immer auch an der Hitze gescheitert, diesmal war sie bestens darauf vorbereitet.

          Sie hatte in Singapur trainiert, wo es heiß und tropisch war. Am bisher wärmsten Tag dieser Australian Open mit Temperaturen von weit über 30 Grad Celsius hatte Maria Scharapowa deshalb vor diesem Finale nur einen Gedanken: „Das ist nichts gegen das, was ich in Singapur durchgemacht habe.“ Sie hat sich gequält, um diesen Pokal hochhalten zu dürfen, und manchmal würde man sie dafür gerne ein kleines bisschen mehr mögen.

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