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Marco Huck : Boxen mit dem Vorschlaghammer

Mit dem dicken Vorschlaghammer: Marco Huck lebt nach der Devise: „Man darf keine Zweifel zulassen, dann kann man alles schaffen.“ Bild: picture alliance / dpa

Weltmeister und Lebemann: Marco Huck ist der beste Cruisergewichtler der Welt - und fürchtet sich nicht vor den großen Jungs. Er würde gern gegen Wladimir Klitschko boxen.

          6 Min.

          Wer ihn einmal kämpfen sah, der weiß, das ist eine andere Nummer. Das ist kein Klitschko, kein promovierter Box-Unternehmer, das ist kein Arthur Abraham, kein vorsichtiger Box-Veteran, Marco Huck ist anders. In Huck steckt noch immer der Junge, der in einem Bielefelder Flüchtlingsheim aufgewachsen ist. In ihm steckt noch immer die Power, die Kraft, die von der Straße kommt, vom Hinterhof, von einer Jugend, in der einem nichts geschenkt wird.

          Michael Eder

          Sportredakteur.

          An diesem Samstag (22.35 Uhr / Live in der ARD) verteidigt Huck seinen WM-Titel im Cruisergewicht (90,7 Kilogramm), dem Limit unter dem Schwergewicht, zum 13. Mal. Das ist Rekord. Gegner in Halle/Westfalen ist der Italiener Mirko Larghetti.

          Huck könne schlagen, sagen die Stilisten, ja, aber er könne nicht wirklich boxen. Tatsächlich kann er einem wie Yoan Pablo Hernandez, seinem Berliner Kollegen vom Team Sauerland, nicht das Wasser reichen, was die technische Ausbildung betrifft, tatsächlich ist sein Repertoire limitiert. Aber was interessiert das schon? Sein sportliches Vorbild war neben Muhammad Ali immer Mike Tyson, der härteste aller Schläger, der brutalste Fighter der Box-Geschichte, aber eben auch jener Kämpfer, der für das steht, was Boxen im Innersten ist: ein erbarmungsloser Kampf, ein Duell mit dem Vorschlaghammer, nicht mit dem Florett.

          Klitschko-Gefechte? Lächerlich

          Huck hat keine Angst. Es gibt solche Menschen. Viele Boxer behaupten das von sich. Aber es stimmt nicht in den meisten Fällen. Wladimir Klitschko zum Beispiel, der Dominator im Schwergewicht, kämpft deshalb so langweilig, weil er Angst hat. Angst getroffen zu werden. Weil er seine letzte Niederlage, die zehn Jahre zurückliegt, nie akzeptiert hat, sie noch immer regelmäßig auf Video anschaut als warnendes Beispiel. Er hat Angst zu verlieren, Angst, getroffen zu werden, diese Angst formt seinen Stil. Deshalb liefert er schon lange keine Kämpfe mehr, sondern nur noch strategische Gefechte. Er schlägt die Gegner aus der Ferne, aus sicherer Distanz. Manche halten das für Boxen in Vollendung. Marco Huck lacht darüber. Für ihn ist das kein Boxen mehr. Kein Duell. Kein Kampf. Für ihn sind Klitschko-Gefechte lächerliche Aufführungen.

          Dem Luxusleben nicht abgeneigt: Marco Huck lebt gern gut.

          Huck war 15, als er an der Taekwondo-WM in Holland teilnahm. Im Finale knockte er seinen Gegner, einen Engländer, aus, was in diesem Semikontakt-Wettkampf nicht erlaubt war. Huck wurde disqualifiziert, sein schwer geschlagener Gegner zum Weltmeister erklärt. An diesem Tag wusste er. Limitierte Fights sind nichts für ihn. Er ist ein Mann für den Vollkontakt. Fortan konzentrierte er sich aufs Kickboxen, mit 16 war er Europameister, mit 18 Weltmeister. Dann wechselte er zum Boxen.

          Aus dem Bürgerkrieg  nach Deutschland

          Marco Huck stammt aus einem Dorf im südserbischen Sandschak. Sein Vater ist Albaner, seine Mutter Bosnierin. Er wurde als Muamer Hukić geboren, seit 2009 hat er die deutsche Staatsbürgerschaft. 1993 war die Familie vor dem jugoslawischen Bürgerkrieg nach Deutschland geflohen.

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