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Kipchoge gewinnt Marathon : Beflügelt auf dem Flugfeld

Sieger auf dem Rollfeld des einstigen Militärflughafens: Eliud Kipchoge Bild: dpa

Eliud Kipchoge beweist auf dem einstigen Militärflughafen, dass er längst nicht zum alten Eisen gehört. Katharina Steinruck löst in Enschede mit persönlicher Marathon-Bestzeit das Ticket zu Olympia.

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          Eliud Kipchoge hat bewiesen, dass seine Karriere nicht im Sinkflug ist. Der stärkste Langstreckenläufer der Gegenwart gewann den NN Mission Marathon auf dem Rollfeld des einstigen Militärflughafens Twente am Stadtrand von Enschede in 2:04:30 Stunden. Obwohl er Olympiasieger von Rio 2016 ist, den Weltrekord von 2:01:39 Stunden hält und als einziger Mensch auf der Distanz von 42,195 Kilometer zwei Stunden unterboten hat, wenn auch nicht den Regeln entsprechend, brauchte Kipchoge einen Beweis seiner Leistungsfähigkeit.

          Michael Reinsch
          (mr.), Sport

          Im Oktober wurde er, der zuvor zwölf seiner dreizehn Marathons gewonnen und bei seinem einzigen zweiten Platz, in Berlin 2013, seinem Förderer Wilson Kipsang den Vortritt gelassen hatte, beim Eliterennen des London-Marathons zum ersten Mal im Marathon besiegt. Er brannte darauf, zu beweisen, dass Platz acht in 2:06:49 Stunden nicht mehr als ein Ausrutscher gewesen war und dass er immer noch Favorit darauf ist, wie Abebe Bikila aus Äthiopien 1960 und 1964 sowie DDR-Läuer Waldemar Cierpinski 1976 und 1980 zum zweiten Mal Olympiasieger zu werden – selbst wenn der olympische Marathon in Sapporo stattfinden soll, rund 800 Kilometer nördlich von Tokio.

          Die Kulisse von Jumbo Jets der Lufthansa, die wegen der Pandemie ausgemustert wurden und in Twente womöglich verschrottet werden, sowie von historischen Kampfjets, die zur Ausstellung an den fünf Kilometer langen Rundkurs geschleppt worden waren, mag Kipchoge darin bestärkt haben, mit Nachdruck zu beweisen, dass er nicht zum alten Eisen gehört. Er gibt sein Alter mit 36 Jahren an; selbst enge Bekannte deuten an, dass der Athlet in Wirklichkeit längst vierzig sein könnte.

          Auf Platz sechs der „ewigen“ deutschen Bestenliste: Katharina Steinruck
          Auf Platz sechs der „ewigen“ deutschen Bestenliste: Katharina Steinruck : Bild: Reuters

          Im Ziel umarmte Kipchoge seinen Trainer Patrick Sang und seinen Manager Jos Hermens; dem siebzig Jahre alten Niederländer dankte er dafür, dass er das Rennen, das ursprünglich in Hamburg stattfinden sollte, wegen der Corona-Pandemie aber vor vierzehn Tagen abgesagt wurde, kurzfristig möglich gemacht hatte. „Es ist cool, ein Rennen mal in einem anderen Umfeld zu organisieren“, sagte er: „Es ist cool, in der Pandemie der Welt zu zeigen, dass wir immer noch rennen.“ Zuschauer waren in Twente nicht zugelassen. Zu den Sendern, die das Rennen übertrugen, gehörte der Kanal des Internationalen Olympischen Komitees. Kipchoges kenianischer Landsmann Jonathan Korir wurde in 2:06,40 Zweiter; Stephen Kiprotich, der ugandische Olympiasieger von London 2012, kam in 2:09:04 als Fünfter ins Ziel.

          Steinruck als Einzige in Winterkleidung

          Das Rennen der Frauen gewann die Frankfurterin Katharina Steinruck in 2:25:59 Stunden. In einem Schlussspurt mit anschließendem Touchdown auf dem Asphalt der einstigen „Vliegbasis“ verbesserte sie ihre Bestzeit vom Frankfurt-Marathon 2019 um 1:27 Minuten. Dreimal hat die Tochter von Marathon-Bundestrainerin Katrin Dörre und dem ehemaligen Bundestrainer Wolfgang Heinig damit die Olympia-Norm von 2:29:30 Stunden unterboten und sich als deutsche Nummer zwei hinter Melat Kejeta, der Zweiten der Halbmarathon-Weltmeisterschaft, etabliert, die 2019 ihr Marathon-Debüt in 2:23:57 gab.

          Katarina Steinruck demonstrierte, wie kalt es an diesem diesigen Sonntagmorgen in den Niederlanden war, indem sie als einzige der rund fünfzig Läuferinnen und Läufer in Winterkleidung lief: in langer Hose und langärmligem Trikot, mit warmem Stirnband und Handschuhen. Allein ihr Halstuch legte sie auf halber Strecke ab. Dritte wurde hinter der Portugiesin Sara Moreira (2:26:42) Rabea Schöneborn, jüngere Schwester der Fünfkampf-Olympiasiegerin Lena Schöneborn. Mit dem Ergebnis von 2:27:03 Stunden konnte sie jedoch nicht ihre Zwillingsschwester Deborah (2:26:55) von Platz drei der deutschen Rangliste verdrängen.

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