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Kipchoges Rekordschuhe : Ein Run auf die irren Treter

  • -Aktualisiert am

Mit besonderen Schuhen von Nike lief Eliud Kipchoge den Marathon so schnell wie noch nie ein Mensch. Bild: Reuters

Eliud Kipchoge lief als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden – mit einer modernen Version von Siebenmeilenstiefeln. Hersteller Nike kann mit ihnen geschickt von der hauseigenen Pharma-Sekte in Oregon ablenken.

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          Siebenmeilenstiefel wünsch ich mir so sehr, hey, wo krieg ich Siebenmeilenstiefel her, denn mein Supergirl wohnt sieben Meilen von hier ... Tralala. Das waren noch Schlagertexte, damals, in den siebziger Jahren. Die verstauben nie, auch wenn sie kaum mehr einer kennt. Man kann durchaus behaupten, dass der flotte Graham Bonney mit seinem Song Jahrhunderte umspannt, von zahlreichen alten Märchen, in denen kleine Menschen immer wieder mit Hilfe von Spezialschuhen in Windeseile Riesendistanzen zurücklegen, bis zum 12. Oktober 2019.

          An jenem Tag lief Eliud Kipchoge in Wien als Erster den Marathon unter zwei Stunden, und zwar in einer modernen Version von Siebenmeilenstiefeln. Und nun gibt es einen Run auf die irren Treter. Hersteller Nike kann mit ihnen geschickt von der hauseigenen Pharma-Sekte in Oregon ablenken, die er jüngst dichtmachen musste. Die schnellen Dinger sehen aus wie eine Mischung aus orientalischen Schnabelschuhen und den geflügelten Pop-Boots von Elton John. Und wer sie kauft für 275 Euro, der läuft demnächst Weltrekord.

          Zugegeben: Die Rechnung ist nicht ganz stimmig. Hätte Kipchoge echte Siebenmeilenstiefel angehabt, dann hätte er für den Marathon nur knapp vier Schritte gebraucht, und so etwas schafft nicht einmal der magere Kenianer, das konnte nur der kleine Däumling. Verblüffend schnell waren aber vor ein paar Tagen auch chinesische Soldatinnen und Soldaten, die bei den Militär-Weltspielen in Wuhan ihre Überlegenheit im Orientierungslauf demonstrieren sollten.

          Während die Konkurrenz aus aller Welt sich jedoch mit Hilfe von Landkarte und Kompass von Kontrollpunkt zu Kontrollpunkt arbeitete, wie es sich in diesem Sport gehört, wurde den Einheimischen von Zuschauern der Weg gewiesen. Es gab versteckte Zeichen und Geheimpfade, und unbestätigten Gerüchten zufolge liefen sogar Doubles mit, was zu märchenhaften Resultaten führte. Allerdings wurden sie erwischt, disqualifiziert und von allen weiteren Aktivitäten ausgeschlossen. Was als Vorbild für vielerlei militärische Aktionen dienen könnte, vorausgesetzt, es gäbe dafür einen vernünftigen Weltverband.

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