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Marathon der Extraklasse : Nur nicht überrundet werden

Der Vorläufer: Eliud Kipchoge wird das Elitefeld anführen Bild: EPA

Die 40. Auflage des London-Marathon ist gerettet. In Corona-Zeiten darf allerdings nur die Elite unter Ausschluss der Öffentlichkeit antreten. Der deutsche Rekordläufer hat ein bescheidenes Ziel definiert.

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          Das klassische Maß eines Marathons misst 42.195 Meter. Der traditionsreiche London-Marathon verzeichnete im vergangenen Jahr 42.549 Finisher. Eine hübsche Analogie der Zahlen. Stellte man sich die Läufer als Menschenkette vor, hätte zwischen Start und Ziel jeder Teilnehmer 99 Zentimeter Platz für sich. Selbst das wäre zu wenig in Zeiten der Pandemie. Ganz zu schweigen von dem üblichen Pulkverhalten der Marathonläufer.

          Um die Enge von Menschenmassen zu vermeiden, wird der London-Marathon des Jahres 2020 nun unter völlig anderen Gesichtspunkten ausgetragen: Im Frühling war er wegen der Corona-Krise bereits verschoben worden, im Herbst soll er nun stattfinden, allerdings als reiner Elitelauf. Wenn also am 4. Oktober der Startschuss zur 40. Auflage des Traditionslaufs erfolgen wird, dürfen gerade mal 85 Athleten losrennen. Der Marathon wird als Elitelauf der Extraklasse durchgeführt, auch als Qualifikationsrennen für die Olympischen Spiele 2021 aber nicht wie sonst als Volksfest für Teilnehmer und Publikum.

          Race-Direktor Hugh Brasher hatte mit seinem Team verschiedene Szenarien durchgespielt, wie er den Lauf retten könnte. Die größte Herausforderung seien nicht mal die Läufer selbst gewesen sondern die sonst üblichen Zuschauermassen. Als Quintessenz der Problemstellung fand sich eine ungewöhnliche Lösung: das Rennen wird nicht entlang der Sehenswürdigkeiten der Metropole geführt, sondern auf einem 2,4 Kilometer langen Rundkurs im St. James’ Park unter Ausschluss der Öffentlichkeit.

          Angeführt werden soll der Elite-Lauf von Eliud Kipchoge. Der Star der Szene kennt sich mit aseptisch erscheinenden Bedingungen aus, schließlich hat er vor gut einem Jahr beim einem Modellversuch in Wien ebenfalls auf einem Rundkurs als erster Mensch einen Marathon unter zwei Stunden absolviert. Seine Zeit von 1:59:40 wird zwar nicht als Weltrekord gewertet, doch die gültige Bestmarke gehört auch dem Olympiasieger aus Kenia, der 2018 in Berlin nach 2:01:39 Stunden gestoppt wurde.

          Mit am Start des hochkarätig besetzten Teilnehmerfeldes stehen auch sein äthiopischer Rivale Kenenisa Bekele (2:01:41) sowie dessen Landsleute Mosinet Geremew (2:02:55), Mule Wasihun (2:03:16) und Sisay Lemma (2:03:36), die allesamt unter den All-Time-Top-Ten zu finden sind.

          Der deutsche Rekordhalter: Arne Gabius versucht, die Norm für Tokio zu schaffen.
          Der deutsche Rekordhalter: Arne Gabius versucht, die Norm für Tokio zu schaffen. : Bild: dpa

          Auch das Frauenfeld ist mit vier Starterinnen, die unter 2:20 laufen können, stark besetzt: Titelverteidigerin Brigid Kosgei (2:14:04), Marathon-Weltmeisterin Ruth Chepngetich (2:17:08) und die 2018er-Siegerin Vivian Cheruiyot (2:18:31), alle aus Kenia, sehen sich von der Äthiopierin Roza Dereje (2:18:30) herausgefordert.

          Die deutsche Läuferszene wird von Anna und Lisa Hahner sowie Arne Gabius vertreten sein. Der deutsche Rekordhalter (2:08:33) gibt als Ziel an, die Olympia-Norm von 2:11:30 zu schaffen  und vor allem von Kipchoge und Bekele nicht überrundet zu werden. Dies ist bei Kilometerdurchschnittszeiten der Topstars von unter drei Minuten allerdings nicht auszuschließen.

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