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Mit Downsyndrom beim Marathon : Total normal

Chris Nikic vor seinem ersten Ironman. Nun hat er die Marathondistanz absolviert. Bild: Picture-Alliance

Chris Nikic hat als erster Mensch mit Downsyndrom einen Marathon beendet. Und er möchte wahrgenommen werden wie jeder andere Läufer auch. Warum auch nicht?

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          Während seines Marathons bleibt Chris Nikic immer wieder stehen. Weil er nicht mehr kann? Weil er etwas trinken oder essen will? Nein, um Menschen zu umarmen. Menschen, die ge­kommen sind, um ihn anzufeuern. Nach sechs Stunden überquert er die Ziellinie und streckt davor kurz die Arme in den sonnigen Himmel Bostons.

          Chris Nikic zeigt: Ein Marathonläufer ist ein Marathonläufer ist ein Marathonläufer. „Als ich aufwuchs, haben Menschen mich anders behandelt. Sie haben mir gesagt, dass ich das und das nicht kann“, sagt Nikic in einem Interview mit CNN. Chris Nikic ist seit November 2020 der erste Mensch mit Downsyndrom, der einen Ironman beendet hat. Seit wenigen Tagen ist er der erste Mensch mit Downsyndrom, der einen Marathon gelaufen ist. Es sei ein unglaublicher Tag, sagte Nikic danach. Warum? Er will wahrgenommen werden wie jeder andere Läufer. Mit jedem Schritt kommt er diesem Ziel etwas näher.

          Wer Nikic sieht, fragt sich: Ja, warum können nicht alle zusammen laufen? Warum wird im Sport immer noch mehr darauf gesetzt zu trennen, als einen gemeinsamen Wettkampf zu ermöglichen? Denn alles, was die Zuschauer und Zuschauerinnen immer wieder sehen, wird auch: total normal.

          Lasst es uns so machen!

          Wie sehr könnte ein gemeinsamer Auftritt die Sicht darauf verändern, was ein Sportler und eine Sportlerin alles sein kann. In einem Interview im Dezember sagte Nikics Vater, seinem Sohn stünden die gleichen Chancen zu wie jedem anderen in seinem Alter. Na klar, warum auch nicht? Seine Familie will, dass behinderte Sportler und Sportlerinnen mehr Sichtbarkeit erlangen. Und die Möglichkeit bekommen, an Läufen teilzunehmen. Alle gemeinsam in einem Event.

          Dieses Thema beschäftigte vor den Olympischen Spielen in Tokio auch einen deutschen Sportler: Markus Rehm, Leichtathlet mit Beinprothese. Ein Fest der Einheit der Menschheit in all unseren Verschiedenheiten seien die Spiele, schrieb das Executive Board des IOC im Sommer vergangenen Jahres. Und Rehm sagte: Lasst es uns so machen! Bei den Olympischen Spielen starten durfte er nicht.

          Was Nikic wohl dazu sagen würde? Vielleicht: Ein Weitspringer bleibt ein Weitspringer? Nikic läuft mittlerweile nicht nur, sondern hält auch Motivationsreden. Für sich selbst wolle er die Messlatte immer höher legen. Ein Satz, den wohl schon viele andere Sportler und Sportlerinnen vor ihm gesagt haben. Als Nächstes startet er beim Marathon in New York. Für das kommende Jahr hat er sich noch etwas Härteres vorgenommen: den Ironman Hawaii.

          Stefanie Sippel
          Sportredakteurin.

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