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Manny Pacquiaos Comeback : „Pac Man“ kann’s nicht lassen

  • -Aktualisiert am

„Ich trainiere hart für einen K.-o.-Sieg“ – In Los Angeles bereitet sich Manny Pacquiao auf den Kampf gegen Adrien Broner vor. Bild: AP

Mit 40 Jahre steigt Manny Pacquiao, Volksheld und Senator, wieder in den Boxring. Dabei profitiert der „Pac Man“ gleich doppelt von seiner Rückkehr ins Boxgeschäft.

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          Bis zum vergangenen Sommer galt Manny Pacquiao als eine lebende Legende im schleichenden Abschwung. Mitte 2017 hatte der furchtlose Boxprofi von den Philippinen, der schon so viele Stars seiner Branche demontieren konnte, in Brisbane gegen den unbesungenen Australier Jeff Horn verloren. Die umstrittene Niederlage nach Punkten war knapp, dennoch reichte sie Beobachtern als Indiz für einen beginnenden Substanzverlust. Die Hotel-Casinos in Las Vegas, die ihm ihre größten Arenen insgesamt achtzehnmal zur Verfügung gestellt hatten, verloren plötzlich das Interesse an ihm. Zumal er selbst im 23. Berufsjahr seiner denkwürdigen Karriere mit Rücktritt kokettierte.

          Dann aber konnte Pacquiao nach einjähriger Auszeit Lukas Matthysse, den argentinischen Weltergewichts-Champion der WBA, in Kuala Lumpur dreimal zu Boden bringen und vorzeitig besiegen. Der erste K.-o.-Triumph seit neun Jahren ließ manche Zweifel in den Hintergrund treten. „Ich bin noch immer da“, stellte der inzwischen 40-jährige Überraschungssieger mit seinem jungenhaften Grinsen fest, bevor er sein Rezept verriet: „Manchmal musst du einfach aussetzen und wieder zurückkommen.“ Zum Beispiel nach Las Vegas, wo Pacquiao diesen Samstag seinen 70. Vergleich als Profi bestreitet – als Hauptkämpfer im MGM Grand Garden, dessen übergroßes Bild die Flaneure und Zocker anlacht.

          Der Showdown mit dem elf Jahre jüngeren amerikanischen Profi Adrien Broner soll der erste „Megafight“ des jungen Jahres werden. Er führt zwei Widersacher zusammen, die beide wieder Anschluss nach ganz oben suchen. Auch der in Cincinnati trainierte Broner alias „The Problem“ ist schon Champion in vier Limits gewesen. Seine letzten Duelle konnte er aber nicht mehr gewinnen. Deshalb wird er von Insidern plötzlich in das zweifelhafte Fach des Talents einsortiert, der sein volles Potential nie ausgeschöpft hat. Ein „Underachiever“, der nach 37 Vergleichen (33 Siege, ein Remis) dringend einen neuen Nachweis seiner Extraklasse braucht.

          Er habe schon als Junge davon geträumt, einmal gegen diese Legende zu boxen, sagte Broner bei einem PR-Termin betont respektvoll – um dann den Ton zu wechseln. In Bestform könne er am Samstag siegen und selbst legendär werden, so Broner. Genau das habe er auch vor: „Ich werde ihn fertigmachen.“

          Vom Taschendieb zum Wohltäter

          Der „Pac Man“, wie sie ihn in Amerika rufen, müsste sich das nicht mehr unbedingt antun. Als er 1995, mit 16 Jahren, zu boxen begann, hießen die amtierenden Champions Roy Jones Jr., Felix Trinidad und Henry Maske. Seither hat er gegen alle großen Namen zwischen Fliegen- und Halbmittelgewicht schon geboxt und sie meist besiegt, von Marco Antonio Barrera über Miguel Cotto bis zu Timothy Bradley. Selbst die Punktniederlage im prestigeträchtigen „Kampf des Jahrzehnts“ mit Floyd Mayweather (2015) konnte an seinem Ruf nicht kratzen. Dafür hat die Kämpfernatur mit den explosiven Schlagserien zu viel vorgelegt. Kein Zweiter in der modernen Geschichte seines Showsports konnte Champion in acht Gewichtsklassen werden.

          Außerdem gäbe es in diesen Tagen so viel mehr zu tun. Der einstige Youngster aus ärmsten Verhältnissen, der auf den Straßen Manilas als Flaschensammler und Taschendieb überlebte, ist im Reich der 7000 Inseln zur nationalen Ikone geworden. Er besingt erfolgreich CDs, tritt im Fernsehen als Entertainer auf und zeigt sich mit regelmäßigen Spenden als Wohltäter. Schätzungen zufolge hat er etwa die Hälfte seiner Einnahmen (gut 500 Millionen Dollar) an karitative Träger oder spontan an Bedürftige verteilt. Nicht zuletzt ist er auch in der Politik aktiv. Von 2010 bis 2016 war er Abgeordneter auf der Großinsel Mindanao; anschließend eroberte er mit deutlicher Mehrheit einen Sitz im Senat.

          Doch wer hört auf, solange die Fäuste noch halbwegs schnell sind und die Börsen im siebenstelligen Bereich? „Ich trainiere hart für einen K.-o.-Sieg“, twitterte der Routinier vor Wochen aus dem Wild Card Gym in Los Angeles. Dort hat er sich von seinem Freund und Meistercoach Freddie Roach wieder einmal in Form bringen lassen. Der weiß aus Erfahrung, was die Boxduelle von „Senator Manny“ in dessen Heimat auslösen: „Wenn er kämpft, wird das Parlament geschlossen, und alle Terroristen legen die Waffen nieder.“

          „Meine Zukunft überlasse ich Gott“

          Pacquiao versteht sich als Held und Stellvertreter des gewöhnlichen Mannes, im Boxring wie im Ethikrat des Senats, der korrupte Praktiken untersucht. Damit überzeugt er viele, aber längst nicht alle Filipinos. Kritische Geister stießen sich an seiner Unterstützung für die nun wieder eingeführte Todesstrafe, mit der vornehmlich Drogenhändler bestraft werden sollen. Seine heftigen Tiraden gegen Homosexuelle haben ihm weitere Gegner beschert sowie die Kündigung eines Werbevertrags durch einen Sportartikel-Giganten. Auch die längeren Absenzen vom politischen Alltag in den Trainingsphasen werden nicht nur hinter vorgehaltener Hand kritisiert.

          Solange er weiter erfolgreich boxt, ist der Held jedoch kaum vom Sockel zu holen. In diesem Sinne tut „Manny“ gleichzeitig seinem Vermögen wie seinem Status als Volkstribun Gutes. An Spekulationen, wie weit er es in beiden Berufungen bringen kann, beteiligt sich der Protestant allerdings nicht. „Meine Zukunft überlasse ich Gott.“

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