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Madeleine Winter-Schulze : Die Gentlewoman des Pferdesports

Ein Stück Reitgeschichte hinter Glas: Madeleine Winter-Schulze in der Sattelkammer in Mellendorf. Bild: TOFFI-IMAGES

Der Erfolg der deutschen Reiterei wäre ohne Madeleine Winter-Schulze nicht denkbar. Die Frau hinter den vierbeinigen Millionenwerten, hinter ihren „Jockeys“ Beerbaum und Werth lebt dabei nach einem einfachen Motto.

          Zuallererst legt Madeleine Winter-Schulze einen vollgeschriebenen Zettel auf den Terrassentisch ihres Hauses. Lauter Jahreszahlen. „Mit 76 weißt du nicht mehr alles so genau“, sagt sie. Da steht alles: Wie ihr Leben mit Pferden begonnen hat, vor knapp 70 Jahren, als ihr Vater Eduard Winter in Berlin mit ihr und der zwei Jahre älteren Schwester Marion im Wald spazieren ritt. Da hat sie das Fieber gepackt. Wie alles weiterging, als die achtzehnjährige Tochter aus gutem Hause beim Turnier in der Berliner Deutschlandhalle den Taxifahrer und Berufs-Springreiter Dietrich Schulze kennenlernte, mit dem sie später jahrzehntelang das Leben und die Leidenschaft für Pferde teilen sollte. Und wie es jetzt ist: Der Erfolg der deutschen Reiterei wäre ohne Madeleine Winter-Schulze nicht denkbar – ohne die Pferdebesitzerin, Mäzenin, Funktionärin, ehemalige Turnierreiterin, Freundin des Sports.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Ihr gehören fast alle Pferde, die Isabell Werth, mit sechs olympischen Gold- und vier Silbermedaillen die erfolgreichste Reiterin der Welt, im Dressurviereck vorstellt. Außerdem fast alle Pferde des vierfachen Olympiasiegers und Bronzemedaillengewinners der Springreiter, Ludger Beerbaum, und etwa die Hälfte der Zuchthengste seines Unternehmens in Riesenbeck. Und auch Ingrid Klimke, zweifache Olympiasiegerin und Silbermedaillengewinnerin in der Vielseitigkeit, zählte schon zu ihren Schützlingen. Eine erlesene Auswahl. Und alle drei preisen sie nicht nur wegen ihrer Großzügigkeit. Mehr und mehr, sagen sie, wurde aus einer günstigen Beziehung echte Freundschaft. Die Reiter, in deren Welt es normale Übung ist, reiche Leute zu umschmeicheln, damit sie ihr Geld lockermachen, mögen sie wirklich und bewundern sie. „Eine Gentlewoman“, sagt Ingrid Klimke.

          Am 3. Mai wurde Madeleine Winter-Schulze eine seltene Auszeichnung verliehen. Breido Graf zu Rantzau, der Präsident der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, überreichte ihr in Stuttgart das Deutsche Reiterkreuz in Gold mit Brillanten. Jetzt liegt es funkelnd auf einem Sims in dem mit Erinnerungsstücken gefüllten Wohnzimmer in Mellendorf bei Hannover. Madeleine Winter-Schulze nimmt es in die Hand und sagt: „Das war teuer.“ Ein gewisser Tadel liegt in ihrer Stimme, offenbar ist sie der Meinung, dass man größere Summen nur für Pferde ausgeben sollte. Oder für wohltätige Zwecke wie die ihrem Vater gewidmete Eduard-Winter-Stiftung in Berlin, die bedürftigen Kindern hilft. Bei solchen Gelegenheiten lebt sie ihren Reichtum aus. Ihre Kleidung mag gediegen sein, aber ihr Stil ist locker und unprätentiös.

          Und vor allem praktisch. „Sie nimmt auch mal bei Lidl eine Jacke mit“, sagt Isabell Werth. „Dann sagt sie, super, die reicht doch, wenn ich im Stall herumwirble.“ Eitelkeit ist nicht ihr Ding, Ehrgeiz aber schon. Ihre Reiter sollten schon spitze sein. Zur feierlichen Verleihung des Reiterkreuzes erschienen denn auch ihre beiden wichtigsten „Jockeys“, Beerbaum und Werth, als Überraschungsgäste, und da wurde es emotional. Über den Orden, den außer ihr nur Liselott Linsenhoff und Dieter Graf-Landsberg-Velen erhielten, sagt sie heute schnell: „Ich freue mich über die Auszeichnungen. Aber dann ist auch wieder gut.“ Sie hat viele davon, alles, was die Branche hergibt, weil das Bedürfnis, ihr etwas zurückzugeben, überall groß ist. Die Liebste ist ihr aber doch das Bundesverdienstkreuz am Bande für ihre karitativen Engagements.

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