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Turn-WM in Doha : Das runde Comeback des Lukas Dauser

  • -Aktualisiert am

Turner Dauser bei den Deutschen Meisterschaften: Startpunkt einer Leidensphase, hier zog er sich 2017 einen Kreuzbandriss zu. Bild: dpa

Es war ein komplizierter Kreuzbandriss. Nun aber ist der Turner Lukas Dauser wieder vollständig genesen – und steht prompt im WM-Barrenfinale. Favorit ist aber ganz klar jemand anderes.

          Wenn Lukas Dauser an diesem Samstag an die Holme greift, dann ist seine Geschichte einer gelungenen Rückkehr ins internationale Turngeschehen rund – ganz gleich wie das Finale der besten acht Barrenturner der Welt in Doha (15.30 Uhr MESZ) ausgehen wird. Er hoffe, er könne „die Vorderen ein bisschen ärgern“, sagte er mit Blick auf den Wettkampf.

          Lukas Dauser war im vergangenen Jahr das Gesicht des Deutschen Turnfestes und wurde dort zum ersten Mal deutscher Mehrkampfmeister, in einem Trikot, das sowohl das bayerische Wappen als auch den Berliner Bären zierte. Die turnerischen Grundlagen hatte der Münchner bei Kurt Szilier in Unterhaching gelernt, wechselte dann, auch auf Bestreben des Bundestrainers Andreas Hirsch, mit 18 Jahren ins Zentrum nach Berlin. Am ersten Finaltag in Berlin riss beim Abgang von den Ringen das Kreuzband im rechten Knie. Eine recht häufige Verletzung bei Turnern, die bei Lukas Dauser allerdings schlimmer war, als in vielen anderen Fällen, da auch der Außenminiskus beschädigt war. Die Rehabilitationsphase war lang und mühsam.

          Psychisches und physisches Leiden

          Nach der Qualifikation in Doha, bei der die deutschen Männer mit dem zehnten Rang das angestrebte Teamfinale klar verpasst hatten, sagte Dauser, er sei körperlich fast wieder auf dem alten Niveau: „Ich freue mich, dass mein Knie hält, und dass ich wieder alle Geräte turnen kann, das war ja am Anfang nicht ganz klar.“ Bevor der 25-Jährige überhaupt wieder an einem Wettkampf teilnehmen konnte, war das psychische Leiden mindestens so groß wie das physische, berichtet er. Dass Lukas Dauser sich auch für das Mehrkampffinale von Doha qualifizierte, war somit bereits ein Erfolg, der 24. und damit letzte Platz, ärgerlich, aber nachrangig.

          Im Barrenfinale von Doha wird er von Robert Hirsch betreut, der seit 2016 in Berlin sein Heimtrainer ist. In den drei Jahren zuvor hatte sich Sebastian Faust um seine turnerische Ausbildung gekümmert, entschied aber dann wegen der latenten Unsicherheit des schlecht bezahlten Trainerjobs, das Angebot einer Umschulung zum Grundschullehrer anzunehmen. Lukas Dauser stand dann 2016 im Team, das bei den Olympischen Spielen in Rio den siebten Platz belegte, und wurde im Frühjahr 2017 EM-Zweiter am Barren. Der Kontakt zu Faust ist weiterhin da, mal sieht man sich, mal schreibt man sich und „das ist auch schön und gut so“, sagt Lukas Dauser.

          Die Tage in Doha sind wie so oft bei großen Titelkämpfen Tage zwischen Hotel und Trainingshalle, die gleich neben der überdimensionierten und kaum gefüllten Wettkampfarena liegt. Da ist die Polizeieskorte auf dem Weg von A nach B noch das Bemerkenswerteste. „Manchmal ist uns ein bisschen kalt“, sagt Lukas Dauser, man sei halt nicht daran gewöhnt, von den 35 Grad in der Wüste in die klimatisierten Räume des Hotels zu kommen. „Aber das geht schon.“

          Dauser, der an der Berliner HTW Betriebswirtschaftslehre studiert, ist kein Turner, der sich beschwert. Nach der Qualifikation rangierte er am Barren auf dem zehnten Rang, aber da gleich drei Turner aus Russland und drei aus China vor ihm lagen, doch nur zwei pro Nation ins Finale dürfen, rutschte er als Achter hinein. Dabei hatten einige eher an einen Finaleinzug von Marcel Nguyen, der immerhin 2012 Silber bei den Olympischen Spielen gewonnen hatte, geglaubt. Doch wie schon bei der Europameisterschaft vor wenigen Monaten, als Kollege Nils Dunkel im Barrenfinale stand, kam Nguyen wieder ein anderes Teammitglied zuvor. Es ist bei den Männern das einzige Gerätefinale mit deutscher Beteiligung. Als großer Favorit gilt der Chinese Zou Jingyuan, dessen Übung, so Lukas Dauser eine andere Welt ist: „Da können wir uns alle eine Scheibe abschneiden“.

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