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Nach der Nowitzki-Ära : Der neue Führungsspieler der Dallas Mavericks

  • -Aktualisiert am

Dallas’ Luka Doncic im Zweikampf mit Patrick Beverley von den LA Clippers Bild: USA TODAY Sports

Pässe aus dem Nichts, stark im Rebound, überragende Trefferquote: Luka Doncic entwickelt sich bei den Mavericks zur Führungsfigur. Ein Manko allerdings bleibt bei den „Mavs“.

          3 Min.

          Bei der Auswahl von jungen Spielern mit enormem Potential haben die Dallas Mavericks in der Vergangenheit schon häufiger ins Leere gegriffen. Legendär: das Jahr 1989, als man es bei der Draft fertigbrachte, sage und schreibe neun zukünftige All-Stars zu ignorieren, um sich einen Basketballprofi zu sichern, an dessen Namen sich heute kaum jemand erinnert (Randy White). Seither hätte man theoretisch bequem solche Ausnahmetalente wie Kobe Bryant und Giannis Antetokounmpo verpflichten können, aber überließ sie mysteriöserweise anderen Klubs.

          Zum Glück war bei der alljährlichen Talentemesse gelegentlich auch ein Volltreffer dabei. Sonst hätte man nicht vor 21 Jahren einen gewissen Dirk Nowitzki nach Texas gelotst, der sich im Laufe seiner langen Karriere zu einem der besten Spieler in der Geschichte der NBA entwickelte. Und zu einer stilprägenden Figur. Der 2,13-Meter-Mann aus Würzburg wurde zum Prototyp für eine neue Gattung von Basketballspielern: für den langen Kerl, der aus jeder Distanz per Sprungwurf Punkte macht. Schon eine Weile, ehe er mit 40 im großen Stil verabschiedet und ein Straßenabschnitt in der Nähe des American Airlines Center in Nowitzki Way umbenannt wurde, war den Verantwortlichen der Mavericks klar, dass irgendwann ein radikaler Neuanfang nötig sein würde. Und dass man dabei einmal mehr auf seinen Riecher angewiesen ist.

          Doncic glänzt hinten wie vorne

          Der Umbau begann mit der Draft 2018, als man sich einen 19-jährigen Spielmacher aus Slowenien sicherte. Der wurde von vielen anderen Klubs verschmäht. Warum? Luka Doncic war zwar kurz zuvor mit Real Madrid Euroleague-Meister geworden und als wertvollster Spieler der Finalbegegnung gegen Fenerbahçe Istanbul ausgezeichnet worden. Aber angeblich fehlte es ihm an Kraft und Muskelmasse. Und an einer zupackenden Einstellung zum Spiel in der Verteidigung. Was man in Dallas sah, klang vergleichsweise holistisch. Nowitzki nannte es „das komplette Paket“. Chefmanager Donnie Nelson („Es gibt viele Jungs, die werfen können“) war etwas präziser. Er schwärmte über Doncics Blick für das Spiel und seine Nebenleute und wie er mit seinen Pässen scheinbar aus dem Nichts Dinge aus dem Hut zaubert. Gut, dass der Slowene dies bereits in seiner ersten Saison bestätigte, als er als bester Nachwuchsspieler der Liga ausgezeichnet wurde und sich in die Rolle als kommende Führungsfigur hineintastete.

          Nur ein Jahr später zeichnet sich ab, dass er ähnlich wie Nowitzki das Zeug zum Innovator hat. Sein Beitrag zur Weiterentwicklung eines Spiels, das in den vergangenen Jahren schneller und kreativer geworden ist: Er taucht, obwohl als Spielgestalter eher an der Peripherie im Einsatz und mit 2,01 Meter nicht auffallend groß, ständig unter dem eigenen Korb auf und angelt sich Rebounds. Und das noch häufiger, als man das von einem klassischen Center erwarten würde – wie etwa sein lettischer Teamkollege Kristaps Porzingis, der 20 Zentimeter größer ist.

          Mit Rebounds sind nur wenige Basketballer in der Lage, Eindruck zu schinden. Was verständlich ist, wenn man an die traditionelle Rollenverteilung denkt, die diesen Job hauptsächlich robusten, eckigen oder überaus eigenwilligen Typen zuschanzte wie Dennis Rodman. „Es ist eine Arbeit, die niemand machen will“, wie Charles Barkley, einer der besten Rebounder der Dream-Team-Generation, mal gesagt hat. „Besonders wenn die Belohnung darin besteht, einen Ellenbogen ins Gesicht zu bekommen.“

          Tatsächlich glänzt Doncic auch in anderen Bereichen. Nicht zuletzt mit der Zahl seiner Korberfolge. So wie beim Hochgeschwindigkeitswettbewerb am verfangenen Sonntag bei den Houston Rockets, als der Slowene 41 Punkte erzielte und einen beachtlichen Teil dazu beisteuerte, den Titelaspiranten einen Dämpfer zu verpassen. Seine Trefferquote? Knapp über 50 Prozent.

          Den Mavs fehlt ein weiterer Scorer

          Trainer Rick Carlisle, der in den ersten Begegnungen permanent an seiner Startaufstellung herumdokterte, scheint nunmehr das richtige Konzept gefunden zu haben. Weshalb die Mavericks nicht nur in Statistik-Tabellen wie Punkteschnitt (117,9 pro Partie) und Rebounds (47,6 pro Spiel) zu den Besten gehören, sondern sich auch auf eine solide Position im oberen Teil der Tabelle der Western Conference vorarbeiten konnten. In der Nacht von diesem Freitag auf Samstag (3.00 Uhr MEZ) steht das nächste Spiel gegen die Phoenix Suns an.

          Die Zwischenbilanz signalisiert, dass der wichtigste Teil der Umbauarbeiten nach dem Ende der Nowitzki-Ära abgeschlossen ist und dass man sich in Dallas wieder auf das Erreichen der Play-offs und die damit verbundenen höheren Saisonziele einrichten darf. Gut für Spieler wie den Würzburger Maxi Kleber, der sich einen Stammplatz erkämpft hat und derzeit mit acht Punkten pro Match einen signifikanten Beitrag leistet.

          Was dem Kader insgesamt allerdings fehlt, ist ein weiterer starker Scorer, den Carlisle neben Doncic und Porzingis als Option einsetzen kann. Der Trainer kennt das Manko. Er ist kein Freund eines Systems, bei dem wenige die Hauptlasten tragen und der Rest nur Klempner- und Ausputzer-Tätigkeiten versieht. Was bedeutet, dass sich Chefmanager Nelson in den nächsten Monaten auf dem Transfermarkt nach wurfstarken Aspiranten umschauen wird.

          Das Problem: Mitten in der Saison können NBA-Klubs nur Profis tauschen. Wer sich verstärken will, muss im Gegenzug Spieler abgeben. Dazu kommt: In naher Zukunft können sich die Mavericks auch über die Draft nicht weiter verbessern. Um einen Mann wie Porzingis nach Dallas zu holen, musste man den New York Knicks im Tausch gleich zwei Erst-Runden-Plätze abtreten. So bleibt dem Team womöglich nur eine Chance, die der Lette vor ein paar Wochen so formulierte: „Wir müssen auf das aufbauen, was wir haben. Wir müssen besser werden. Jeden Tag ein Prozent besser. Bei jedem Training. Und in jedem Spiel.“

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