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Beachteam Ludwig/Kozuch : Plötzlich Weltspitze

Frauen mit Biss: Laura Ludwig und Margareta Kozuch setzen sich in Rom durch Bild: Picture-Alliance

Die Probleme waren groß, die Zweifel bisweilen noch größer. Doch am Ende einer schwierigen Saison wachsen Laura Ludwig und Margareta Kozuch als Team über sich hinaus und gewinnen das Finale der World Tour.

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          Die Zweifel waren da, sie ließen sich nicht immer verdrängen, im Laufe einer Saison, die nur wenige Höhepunkte bereit hielt und dafür von tieferen Tiefen geprägt war als gedacht. Selbst eine ausgewiesene Optimistin wie Beachvolleyball-Spielerin Laura Ludwig konnte sich nicht immer vor schwarzen Gedanken schützen. „Vielleicht ist deine Zeit vorbei?“, fragte sich die Olympiasiegerin in manch stiller Stunde, wenn sie im Laufe der Saison an der Seite ihrer neuen Partnerin Margareta Kozuch mal wieder nach einem 17. Platz oder einem Vorrunden-Aus ihre Tasche packen musste. Zunächst galt Kozuch als Wackelkandidatin, dann hatte auch Ludwig immer öfter Bälle verschlagen, die sie sonst mit Leichtigkeit beherrschte, hatte sich immer tiefer eingegraben in ihr „Fehlersystem“.

          Doch „aufgeben“ kommt nicht vor im Wortschatz der 33-jährigen Berlinerin. Stattdessen: weitermachen, trainieren, mehr trainieren. Reden mit dem Trainer, mit der Psychologin, mit der Spielpartnerin. Warten. Und vertrauen. Dass die Arbeit irgendwann Früchte tragen wird. Dass das Spielverständnis reifen wird. Dass sie sich irgendwann mit „Maggie“, wie Kozuch genannt wird, genauso gut verstehen wird wie zuvor mit Kira Walkenhorst, der Blockspielerin, mit der sie alle Titel gewann, die es zu gewinnen gab.

          „Vielleicht ist deine Zeit vorbei?“, zweifelte Laura Ludwig bisweilen – doch nun sind die Zweifel weggewischt.

          Und beim großen Schlussakkord der Saison, beim Finale der World Tour in Rom, der ewigen Stadt, klappte es plötzlich bei Ludwig/Kozuch. Erst war die Sicherheit da, dann gelangen den beiden auch wieder „verrückte Sachen“, wie ihr Manager Andreas Scheuerpflug hinterher sagte. Laura Ludwig und Margareta Kozuch kämpften sich durch das Turnier trotz einer Auftaktniederlage ausgerechnet gegen Karla Borger und Julia Sude, ihre schärfsten nationalen Konkurrentinnen im Kampf um die Olympiaqualifikation. Gegen die sie schon das Endspiel um die deutsche Meisterschaft verloren hatten.

          Sie mussten auch in Rom den Umweg über die erste K.o.-Runde nehmen, wie schon so oft in diesem Sommer. Doch diesmal war ihnen das nötige Matchglück hold. Sie blieben im Turnier, bezwangen die Chinesinnen Xia/Wang trotz eines 12:14-Rückstands im Tiebreak. Und entnervten die starken Schweizerinnen Heidrich/Vergé-Dépré bei 18:20-Rückstand mit ungewöhnlichen Aktionen, als plötzlich Ludwig blockte. Am Ende der Woche hatten sie sechs Matches in Serie gewonnen und triumphierten schließlich im Finale am Sonntagabend souverän 2:0 (21:19, 21:17) gegen die Brasilianerinnen Agatha/Duda.

          Sieger des World-Tour-Finales: Laura Ludwig (l.) und Margareta Kozuch

          Was danach kam war erst pure Freude. Umarmungen, Jubelgeschrei, noch mehr Umarmungen, Sektfontänen. Tote-Hosen-Gebrüll, „an Tagen wie diesen“. Und dann die Erleichterung, es geschafft zu haben. „Das wird nichts mit den beiden“, hatten sie mehr als einmal im Laufe der Saison das Geraune in der Beachvolleyball-Szene gehört. Schon war kolportiert worden, Kira Walkenhorst, die ihre große Karriere beendet hat, wolle sich noch einmal bereithalten, Kozuch ersetzen. Zwar will Walkenhorst tatsächlich wieder spielen, aber nur auf der niedrigeren Ebene der deutschen Tour.

          „Gib niemals auf, und das Glück wird dich finden“, schrieben Laura Ludwig und Margareta Kozuch bei Instagram. Und Laura Ludwig bekannte: „Ich liebe einfach Wettkämpfe und zu sehen, was noch alles möglich ist, bedeutet die Welt für mich.“ Nach ihrem Sieg in Rom dürfte die Beach-Welt sich noch eine Weile mit dem deutschen Topteam weiterdrehen. In der Weltrangliste haben es Ludwig/Kozuch nun unter die besten 15 geschafft. Tendenz steigend. Die Qualifikation für Tokio 2020 dürfte gelingen. Und dort vielleicht noch mehr.

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