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Volleyballerin Louisa Lippmann : Rauf auf die große Bühne

Schlagkräftig: Angreiferin Louisa Lipmann Bild: Picture-Alliance

Louisa Lippmann ist auf dem Sprung zur Weltklasse. Bei der Volleyball-WM soll sie das stark verjüngte deutsche Team anführen. Danach wartet schon die nächste große Herausforderung auf sie.

          Louisa Lippmann ist derzeit die auffälligste deutsche Volleyballnationalspielerin. Die Diagonalangreiferin schmettert wie keine Zweite, kann aber auch gefühlvolle Lobs ansetzen, wenn es die Situation erfordert. „Louisa ist einfach gut - sehr, sehr gut“, sagt Bundestrainer Koslowski über die variantenreiche und punktbeste Angreiferin in seinem Team: „Sie ist auf dem Sprung zur Weltspitze.“

          Auf das Durchsetzungsvermögen der 1,91 Meter großen Sportlerin wird es bei der WM in Japan maßgeblich ankommen, damit das stark verjüngte deutsche Team unter 24 Nationen den angestrebten Platz unter den besten zehn  erreichen kann. Zum Auftakt der Sechser-Vorrunde geht es  an diesem Samstag (8.40 Uhr) gegen die favorisierten Niederländerinnen.

          Von einem Sonderstatus will die Hochgelobte freilich nichts wissen. „Ich würde mich da nicht so rausstellen“, sagte die 24-Jährige im Gespräch mit dieser Zeitung unprätentiös: „Volleyball ist ein Mannschaftsding, bei uns steht der Teamgedanke im Vordergrund.“ Die Erfolge und Auszeichnungen der jüngeren Vergangenheit lassen freilich eine andere Deutung zu. Lippmann holte mit dem Schweriner SC in der abgelaufenen Saison den deutschen Pokal und wiederholte den Gewinn der Meisterschaft aus der Vorsaison. Die Diagonalspielerin mit der Rückennummer 3 überzeugte  dabei in Hauptrunde und Playoffs als erfolgreichste Angreiferin und  wurde zur wertvollsten Spielerin der Liga gekürt, nachdem sie 2017 bereits Deutschlands „Volleyballerin des Jahres“ war.

          Hierzulande kann sich die Rechtshänderin nicht mehr weiterentwickeln, deshalb macht sich die 24-Jährige daran, größere Bühnen zu erobern. Zur kommenden Saison hat sie einen Ein-Jahres-Vertrag bei Bisonte Firenze unterschrieben. Florenz, Toskana, Italien - nicht nur in Fragen der Lebensqualität ein Schritt in die richtige Richtung. Italien gilt noch immer das gelobte Land des Frauen-Volleyballs. „Es ist das Beste, was ihr passieren konnte", schwärmt Felix Koslowski über Lippmanns Karriereschritt, auch wenn er selbst vordergründig nicht davon profitiert. Denn der 34-Jährige ist zugleich auch ihr Bundesliga-Trainer in Schwerin, verliert dort also seine beste Spielerin. Doch kleinliches Kirchturmdenken ist ihm fremd. Als Ausbilder würde er sich im Gegenteil wünschen, dass noch mehr Spielerinnen aus seinem Aufgebot den Weg ins Ausland finden würden, weil erfahrungsgemäß nicht nur jede Einzelne davon profitiert, sondern auch die Nationalmannschaft als Kollektiv.

          Der Trainer und sein Star: Felix Koslowski mit Louisa Lippmann

          Als die „Schmetterlinge“, wie sich die deutschen Volleyball-Frauen traditionell nennen, in den Jahren 2011 und 2013 ihre schönsten Höhenflüge genossen und jeweils EM-Silber gewannen, spielte das Gros des Teams in Topklubs aus Italien oder der Türkei. Aus dieser Glanzzeit ist nur noch ein Trio verblieben: Zuspielerin Denise Hanke, Libera Lenka Dürr und Außenangreiferin Maren Fromm.

          Louisa Lippmann, Jahrgang 1994, hatte damals gerade erst den Schritt von ihrem Heimatverein, der TG Herford, über Post SV Bielefeld zum USC Münster geschafft. Innerhalb Westfalens immerhin so etwas wie ein Leuchtturm des Sports. Die große Blonde besuchte das Volleyball-Internat, um sich ihren Traum von einer Sport-Karriere zu nähern. Leicht fiel es ihr nicht. „Ich war immer der Underdog“, sagt sie heute: „Ich musste immer härter arbeiten, länger trainieren.“ Doch der Ehrgeiz zahlte sich aus. Sie wechselte zum Dresdner SC, wurde schon dort deutsche Meisterin, kam aber noch nicht auf die erhofften Einsatzzeiten. Also zog sie weiter nach Schwerin, um unter Koslowski die nötige Klasse zu erlangen. Und dieser Plan ging auf. 

          Nun also der nächste Schritt. Südlich des Brenners  trifft sie auf größere Namen als zu Hause, geballte Qualität, deutlich gesteigertes Niveau. Volleyball wird intensiver gelebt und geliebt als in Deutschland. „Ich freue mich total drauf“, schwärmt die Westfälin über ihre erste Station im Ausland. Sie bekennt, „sehr aufgeregt“ zu sein. „Aber ich weiß, worauf ich mich einlasse.“

          Die ersten zehn Tage wird ihr Freund sie begleiten. Danach muss sie alleine klar kommen, in den wenigen Spielpausen das Los mit Gleichaltrigen nach einem Karriereschritt teilen: sie wird pendeln. Ihr Fernstudium „Medien und Kommunikation“ hatte sie zu Dresdner Zeiten angefangen, aber abgebrochen. „Ich habe voll auf die Karte Volleyball gesetzt.“ Wenn es in Schwerin nicht geklappt hätte, so sagt sie rückblickend, hätte sie das Studium intensiviert und Volleyball nur noch als Hobby betrieben.

          Die Energische: Louisa Lippmann nach einem gelungenen Angriff

          Stattdessen steht sie nun an der Schwelle zur Weltklasse und soll nun die nachwachsende deutsche Generation bei der WM anführen. „Für Louisa ist es das erste Mal, dass sie so ein Riesenhighlight in der Führungsrolle erlebt“, ist sich Trainer Koslowski bewusst. Doch er macht sich keine Sorgen, dass sie der Drucksituation nicht gewachsen sein könnte: „Wenn sie es genießen kann, kommt auch die Leistung.“ Japan, von Koslowski als „Mutterland des Frauen-Volleyballs“ bezeichnet, sei zudem genau der richtige Austragungsort: „Hier ist Volleyball extrem populär.“

          Die WM bietet noch dazu einen Vorgeschmack auf die Olympischen Spiele 2020 in Tokio, das nächste große Ziel. Selbst an Unterstützung vor der Tribüne sollte es nicht mangeln, prognostiziert der Trainer. Vor der WM drehte ein japanisches Kamerateam fünf Tage lang im Trainingslager in Kienbaum, mit einem besonderen Fokus:  „Louisa Lippmann hat jetzt schon einen Fanklub in Japan.“

          Modus der Volleyball-WM

          Die Volleyball-WM 2018 der Frauen findet mit 24 Mannschaften vom 29. September bis 20. Oktober in Japan statt. Gespielt wird in Yokohama, Sapporo, Kobe, Hamamatsu, Nagoya und Osaka.

          Die deutschen Volleyball-Frauen treffen in Gruppe A auf folgende Gegner:

          - Niederlande (Sa., 29. September, 8.40 Uhr MESZ)
          - Kamerun (So., 30. September, 6.40 Uhr)
          - Argentinien (Mo., 1. Oktober, 6.40 Uhr)
          - Mexiko (Mi., 3. Oktober, 9.10 Uhr)
          - Gastgeber Japan (Do., 4. Oktober, 12.20 Uhr)

          Die besten Vier der vier Sechsergruppen qualifizieren sich für die zweite Runde, die in zwei Achtergruppen ausgespielt wird. Dabei nehmen alle Teams ihre Punkte mit. In Gruppe E treffen die Qualifizierten aus Gruppe A auf die besten Teams der Gruppe D (Serbien, Brasilien, Dominikanische Republik, Puerto Rico, Kasachstan, Kenia). Die Mannschaften aus B und C spielen in Gruppe F weiter.

          Die besten drei erreichen die dritte Runde, in der in zwei Dreiergruppen die vier Plätze für das Halbfinale ausgespielt werden. 

          Alle 103 Spiele des Turniers werden auf dem Online-Sportsender sportdeutschland.tv übertragen.

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