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London-Marathon : Kipsang und die vier Sekunden

Auf dem Weg ans Licht: Wilson Kipsang Bild: REUTERS

Wilson Kipsang hat den am besten besetzten Marathon der Welt gewonnen - und genauso knapp den Streckenrekord verpasst wie im vergangenen Jahr den Weltrekord.

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          Wieder diese verflixten vier Sekunden: Wilson Kipsang hat am Sonntag den wohl am besten besetzten Marathon der Welt, den der Olympiastadt London, in 2:04:44 Stunden gewonnen und sich damit zum Favoriten für die Sommerspiele gemacht. Für seinen Sieg erhielt er zwar 155.000 Dollar Prämie und Zeitboni. Er blieb allerdings vier Sekunden über dem Streckenrekord von Vorjahressieger Emmanuel Mutai, den zu unterbieten ihm weitere 25.000 Dollar eingebracht hätte.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Schon im vergangenen Jahr, als er den Frankfurt Marathon in 2:03:42 Stunden gewann, kosteten vier Sekunden Kipsang einen Triumph und viel Geld: So knapp blieb er über dem Weltrekord. Bis heute ist er der zweitschnellste Marathonläufer der Welt.

          „Tut mir leid, dass ich die Bestzeit nicht geknackt habe“, sagte Kipsang. „Aber für mich ist gewinnen das Wichtigste. Ich fühle mich jetzt ein bisschen müde; müde und glücklich.“ Immerhin ließ der 30 Jahre alte Kenianer in London den schnellsten Läufer der Welt weit hinter sich. Patrick Makau, der anfangs noch die Tempomacher angetrieben hatte, gab nach der ersten Hälfte der Strecke, die die Spitzengruppe nach 1:02:12 Stunden erreicht hatte, abgeschlagen auf.

          Schöne Zeit: Zwei Stunden, vier Minuten, 44 Sekunden für 42,195 Kilometer

          Kipsang attackierte nach 22 Kilometern. Martin Lel, drei Mal Sieger in London, wurde im Spurt mit dem Äthiopier Tsegaye Kebede Zweiter (2:06:51). Weltmeister Abel Kirui, der sich zwischenzeitlich an die Spitze zurückgekämpft hatte, joggte schließlich erschöpft als Siebter ins Ziel (2:07:56), fünf Sekunden vor Vorjahressieger Emmanuel Mutai.

          Die Karriere von Wilson Kipsang ist erstaunlich. Erst mit 21 Jahren entschied er sich, enttäuscht von seinem Beruf als Handelsvertreter für Farm-Produkte, professionell zu rennen. Mit einem Manager arbeitet er seitdem zusammen. Einen Trainer aber brauche er nicht, sagt er. Bis heute lebt Kipsang in Iten im kenianischen Hochland und entwickelt die Pläne für durchschnittlich zwei Läufe pro Tag gemeinsam mit den Freunden und Konkurrenten aus seiner Trainingsgruppe.

          Überlegene Siegerin: Mary Keitany hatte 1:13 Minuten Vorsprung

          Bei den Frauen, am Sonntagmorgen eine Dreiviertelstunde vor den Männern gestartet, blieben die ersten beiden unter 2:20 Stunden. Wie im Vorjahr siegte Mary Keitany. Die 29 Jahre alte Kenianerin unterbot in 2:18:36 Stunden den afrikanischen Rekord von Catherine Ndereba um elf Sekunden; damit ist die schnellste Halbmarathonläuferin nun die drittschnellste Marathonläuferin der Welt. Die Veranstalter belohnten sie dafür mit 140.000 Dollar.

          Mikitenko schnellste Europäerin

          „Die Zeit ist okay“, sagte die Läuferin. „Während der ganzen Woche war das Wetter hier nicht gut gewesen. Aber als ich heute morgen die Sonne scheinen sah, wusste ich, dass es gut für mich laufen würde.“ Weltmeisterin Edna Kiplagat wurde in 2:19:51 Stunden Zweite. Sie verbesserte ihre persönliche Bestzeit um fast eine Minute. Die WM-Zweite Priscah Jeptoo, Dritte in 2:20:14 Stunden, lief mehr als zweieinhalb Minuten schneller denn je.

          Prinz Harry mit den Siegern Mary Keitany (l.) und Wilson Kipsang: „Es ist atemberaubend“

          Irina Mikitenko aus Gelnhausen, zwei Mal Siegerin in London, fiel schon nach drei Kilometern aus der Spitzengruppe zurück. Sie war immerhin schnellste Europäerin und kam in 2:24:23 Stunden, hinter fünf Kenianerinnen und einer Äthiopierin, auf Platz sieben. Die rumänische Olympiasiegerin Konstantina Dita erreichte Platz 17; mit ihrer Zeit von 2:32:35 Stunden qualifizierte sich die 42-Jährige für die Olympischen Spiele.

          Ergebnisse London-Marathon

          Männer: 1. Wilson Kipsang (Kenia) 2:04:44 Std.; 2. Martin Lel (Kenia) 2:06:51; 3. Tsegaye Kebede (Äthiopien) 2:06:52; 4. Adil Annani (Marokko) 2:07:43; 5. Jaouad Gharib (Marokko) 2:07:44; 6. Abel Kirui (Kenia) 2:07:56; 7. Emmanuel Mutai (Kenia) 2:08:01; 8. Marilson Gomes dos Santos (Brasilien) 2:08:03
          Frauen: 1. Mary Keitany (Kenia) 2:18:37 Std.; 2. Edna Kiplagat (Kenia) 2:19:50; 3. Priscah Jeptoo (Kenia) 2:20:14; 4. Florence Kiplagat (Kenia) 2:20:57; 5. Lucy Kabuu (Kenia) 2:23:12; 6. Aberu Kebede (Äthiopien) 2:24:04; 7. Irina Mikitenko (Gelnhausen) 2:24:53; 8. Jessica Augusto (Portugal) 2:24:59

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