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London-Marathon : Die Leiden des Mo Farah

Tiefe Enttäuschung beim Marathon-Debüt: Mo Farah wird Achter in London Bild: AP

Während Weltrekordmann Wilson Kipsang in London in 2:04:29 Stunden leichtfüßig Streckenrekord läuft, stapft Mo Farah fast vier Minuten später ins Ziel – tief enttäuscht.

          3 Min.

          Vermutlich wünschte sich Mo Farah auf dem letzten Dutzend Kilometer eine Mo-Farah-Maske. Hunderte, vielleicht Tausende Zuschauer des London-Marathons am Sonntag trugen das lachende Gesicht des berühmtesten aller 35.000 Teilnehmer des Laufes aus Pappe; noch mehr winkten mit „Go Mo!“-Schildchen. Ausgerechnet dem echten Mo aber waren der Schmerz, den ein solcher Lauf über 42,195 Kilometer bereitet, und die Enttäuschung, nicht mit den Besten mithalten zu können, ins Gesicht geschrieben.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Während der Kenianer Wilson Kipsang, der den Weltrekord hält, scheinbar mühelos alle anderen Starter einschließlich Tempomacher Haile Gebrselassie hinter sich ließ und in 2:04:29 Stunden so schnell im Ziel war wie noch nie jemand in London, stampfte Farah fast vier Minuten später ins Ziel, das Gesicht vom Schmerz verzerrt und in einer Zeit von 2:08:21 Stunden. Damit war er Achter und hatte nicht einmal den britischen Rekord gebrochen, wie er es sich vorgenommen hatte, ganz zu schweigen von einem Platz auf dem Podium oder gar dem Sieg.

          Im Vergleich mit Kenenisa Bekele, der am Sonntag zuvor in Paris seinen ersten Marathon bestritten und gewonnen hatte, (2:05:04), lag er 3:16 Minuten zurück. Trotzdem verteidigte er seine Entscheidung, sich mit den vermutlich stärksten Marathonläufern der Welt gleich in seinem ersten Rennen zu messen. „Dies ist meine Stadt, Mann“, sagte er. „Es würde sich nicht richtig anfühlen, wenn ich irgendwo anders liefe.“

          Es dauerte nicht lange, bis der 31 Jahre alte Farah wieder sein lachendes Gesicht zeigte. Von Sätzen wie „Das ist hart. Ich bin ziemlich enttäuscht“ bis „Weißt du, das Leben geht weiter“, dauerte es höchstens ein halbes Dutzend Fragen. Sein Körper sei gar nicht müde geworden, versicherte er. „Nur meine Beine wurden schwerer und schwerer und schwerer.“

          „Als ob alles auseinanderfliegt“

          Paula Radcliffe, die seit elf Jahren den Weltrekord von 2:15:25 Stunden hält, empfahl Farah, kürzerzutreten. Statt sich in der Königsdisziplin des Langlaufs zu versuchen: „Man muss durchziehen, wenn es sich anfühlt, als ob alles auseinanderfliegt“, riet sie Mo, und er solle auf die Bahn zurückkehren, auf der er über 5000 und 10.000 Meter schließlich Olympiasieger und Weltmeister ist, und sich auf den 1500 Metern erproben. „Er hat hart gearbeitet in der Vorbereitung“, sagte sie, „das wird ihm sehr nützen, wenn er seine nächsten Ziele auf der Bahn angeht.“

          Wilson Kipsang, der beim Berlin-Marathon vor einem halben Jahr den Weltrekord auf 2:03:23 Stunden verbessert hatte, war der überlegene Läufer des Tages. Er schien keine Mühe zu haben, den frühen Ausstieg des prominenten Tempomachers Haile Gebrselassie auszugleichen.

          Mo Farah (Foto Mitte) kam bei seinem Marathon-Debüt auf Platz acht

          Leicht schüttelte er die sechs anderen Läufer der Spitzengruppe ab; zuletzt seinen kenianischen Landsmann Stanley Biwott (2:04:55) und den äthiopischen Sieger des vergangenen Jahres, Tsegaye Kebede (2:06:30). „Du kannst im Lauf den körperlichen Ausdruck von Glück finden“, sagte er anschließend. „Wenn ich Schmerzen spüre, versuche ich, mich glücklich zu fühlen. Gerade zum Schluss des Rennens war das wichtig für mich.“

          Auch Tirunesh Dibaba hatte Schwierigkeiten bei ihrem Debüt. Die dreimalige Olympiasiegerin auf der Bahn verlor das Rennen (Dritte in 2:20:35), als sie an einer Verpflegungsstation in der zweiten Hälfte des Rennens ihre Flasche fallen ließ, stehen blieb – und schon zehn Sekunden auf die nicht verwandten Kenianerinnen Edna Kiplagat und, Florence Kiplagat verloren hatte.

          Ganz oder gar nicht

          Edna Kiplagat, Marathon-Weltmeisterin von Daegu 2011 und Moskau 2013, war nach 2:20:21 Stunden als Erste im Ziel, drei Sekunden vor der in Amerika lebenden Florence Kiplagat, Siegerin von Berlin 2011 und 2013. Vorjahressiegerin Priscah Jeptoo und Olympiasiegerin Tiki Gelana kamen nicht durch.

          Indem Tirunesh Dibaba Flasche und Sieg entglitten, sorgte sie immerhin für eine Rehabilitierung von Mo Farah, der im vergangenen Jahr umgerechnet 350.000 Euro dafür kassiert hatte, dass er den Marathon lediglich zur Hälfte lief und auch von Paula Radcliffe heftig dafür kritisiert worden war.

          Sieg und Streckenrekord: Wilson Kipsang läuft in London allen davon

          Einen Marathon laufe man ganz oder gar nicht, sagte die Altmeisterin der Qual und des Leids. Ihm sei es nicht ums Geld gegangen, verteidigte sich Farah, sondern darum, zu lernen, wie Marathon funktioniert. Er habe zum Beispiel realisiert, wie schwierig es ist, in vollem Lauf eine Trinkflasche zu greifen; auch das habe er in den vergangenen Monaten in Kenia trainiert. Am Sonntag verpasste er wieder eine Flasche.

          Ob Maske oder inneres Glück: Wenn sich Farah an seinen Sprüchen messen lässt, steht ihm die nächste Enttäuschung bevor. Nach dem Marathon sei es Zeit, sich mit dem Weltrekord von Bekele über 10.000 Meter zu beschäftigen, hatte er getönt, als er sich noch auf dem Weg zu einem triumphalen Einstieg in die Welt des Marathons wähnte. Seit neun Jahren steht die Marke bei 26:17:53 Minuten. Farah müsste seine Bestzeit (26:46,57) um mehr als 29 Sekunden verbessern, um sie zu erreichen. Das dürfte ziemlich weh tun.

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