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Terrorgefahr bei Radrennen : „Sehr trauriger Tag für den Sport“

  • Aktualisiert am

Einige hundert Hobbyfahrer gingen trotz der Absage des Rennens auf die Strecke Bild: dpa

Das Landeskriminalamt sucht nach dem verhinderten Anschlag nach Mittätern. Einige hundert Hobbyfahrer gehen nach dem abgesagten Radrennen in Frankfurt dennoch auf die Strecke. Anderen macht die Situation mehr zu schaffen.

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          Nach der Festnahme eines verdächtigen Islamisten-Paares sieht das hessische Landeskriminalamt die Gefahr eines Anschlags noch nicht gebannt. „Wir müssen wissen, ob es Mittäter gibt, die noch agieren oder schon agiert haben“, sagte ein LKA-Sprecher am Freitag in Wiesbaden. Das geplante Radrennen „Rund um den Finanzplatz Frankfurt-Eschborn“ war am Donnerstag aus Sicherheitsgründen abgesagt worden, weil die Ermittler nicht ausschließen können, dass es weitere Beteiligte gab.

          Gegen das Paar, das türkische Wurzeln hat, hatte ein Richter am Donnerstagabend Haftbefehl erlassen. Sie werden der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat verdächtigt. Die Behörden vermuten, dass das Paar einen Terroranschlag plante und möglicherweise das Radrennen im Visier hatte.

          Am Donnerstag hatte die Präsidentin des hessischen Landeskriminalamts, Sabine Thurau, erklärt, dass bei dem Ehepaar Material sichergestellt wurde, das geeignet sei, eine Vielzahl von Menschen zu töten oder zumindest schwer zu verletzen. Die Ermittler gehen davon aus, dass das Paar Verbindungen zur islamistischen Szene hatte. „Es gibt nichts, was diesen Verdacht abschwächen oder widerlegen könnte“, sagte der Sprecher. Dem LKA sei zwar ein geplantes Anschlagziel nicht bekannt. „Allerdings gab es deutliche Überschneidungen von Streckenverlauf des Radrennens und Bewegungsprofil der festgenommenen Personen“, hieß es in einer Mitteilung.

          Trotz der Absage des Radklassikers gingen einige hundert Hobbyfahrer auf die Strecke. Veranstaltungschef Bernd Moos-Achenbach gab um kurz nach 9.00 Uhr in Eschborn den Startschuss für das Jedermann-Rennen, bei dem die Teilnehmer auch ein Zeichen gegen Gewalt und Terror setzen wollen. „Der Radsport lebt“, stellte Moos-Achenbach fest. Die Polizei war trotz der Absage an der Strecke präsent.

          Radprofi John Degenkolb hofft nach der kurzfristigen Absage auf weitere Austragungen in den kommenden Jahren. „Ich hoffe, das Rennen wird trotzdem eine Zukunft haben“, schrieb der Wahl-Frankfurter am späten Donnerstagabend auf seiner Facebook-Seite. „Die Arbeit der Organisatoren ist zwar für dieses Jahr zunichte gemacht worden. Aber es wird weitergehen. Da bin ich mir sicher“, betonte Degenkolb. Er sprach im Hessischen Rundfunk von einer „krassen Situation. Normalerweise passieren solche Dinge ganz weit weg. Nun ist man mittendrin. Das ist definitiv ein sehr trauriger Tag für den Sport.“

          Die Absage von "Rund um den Finanzplatz Eschborn-Frankfurt" hat uns völlig überrumpelt. Wir waren alle geschockt, als...

          Posted by John Degenkolb on Donnerstag, 30. April 2015


          Der Sieger von 2011 hatte als Mitfavorit für das Profi-Rennen und zeigte sich überrumpelt und geschockt von der Absage. „Man ist voll fokussiert und bereitet sich auf das Rennen vor und dann wird einem plötzlich gesagt, es findet gar nicht statt. Das war ein Hammer“, berichtete Degenkolb, der in dieser Saison bereits die Frühjahrs-Klassiker Mailand-San Remo und Paris-Roubaix gewonnen hatte.

          Trotz der Absage sieht Veranstalter Moos-Achenbach den Frankfurter Radklassiker nicht in seiner Existenz bedroht. „Wir freuen uns auf 2016. Wir werden am 1. Mai nächsten Jahres wieder unser Rennen machen“, sagte er am Freitag auf einer Pressekonferenz. Die am Donnerstagabend durch das hessische Landeskriminalamt erfolgte Absage bezeichnete er als „absolut richtig“. Man dürfe sich jedoch „nicht terrorisieren lassen“.

          Veranstaltungschef Bernd Moos-Achenbach gibt den Startschuss für die Jedermänner Bilderstrecke

          Zugleich hob er die große Solidarität hervor. Sponsoren und Teams hätten bereits signalisiert, dass sie weiter zu der Veranstaltung stehen. „Das ist ein großes Zeichen für den Radsport und das Rennen“, erklärte der 62-Jährige. Die genauen finanziellen Folgen konnte er noch nicht abschätzen. Der Etat für die Veranstaltung liegt zwischen 800.000 und einer Million Euro. „Wir sind versichert, die Details werden wir am Montag klären“, sagte Moos-Achenbach.

          Frankfurts Sport- und Ordnungsdezernent Markus Frank (CDU) sagte die weitere Unterstützung der Stadt zu. „Es ist niederträchtig, wenn der Sport angegriffen wird. Man muss auf allen Ebenen wachsam sein. Aber wir lassen uns nicht von kranken Menschen einschränken. Es geht weiter“, betonte er. Auswirkungen auf den Triathlon-Ironman Anfang Juli und den Marathon Ende Oktober in der Mainmetropole befürchtet Frank nicht: „Wir haben mehr Zeit, die Veranstaltungen vorzubereiten. Ich warne vor Hysterie. Wir sind ein freiheitliches Land.“

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