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Lisicki verliert Wimbledon-Halbfinale : Ein trister Tag endet etwas heller

Es hat nicht sein sollen: Sabine Lisicki verpasst das Endspiel Bild: dapd

Der Start ist fulminant, das Ende kommt dennoch schnell: Sabine Lisicki unterliegt Maria Scharapowa im Halbfinale von Wimbledon in zwei Sätzen. Trost spendet die Doppel-Konkurrenz, in der sie sich die Chance auf ein Wimbledon-Finale erhält.

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          Spät am Abend konnte sie wieder strahlen, und danach hatte es am frühen Nachmittag gar nicht ausgesehen, als Sabine Lisicki den Center Court verließ. Als erste Deutsche seit Steffi Graf 1999 hatte sie ein Semifinale in Wimbledon erreicht, und dann war doch vieles von dem, was sich für ihren großen Auftritt vorgenommen hatte, schief gelaufen. Ihr erster Aufschlag, vor dem alle Gegnerinnen so großen Respekt haben, hatte sie über weite Strecken der Partie genau in dem Moment im Stich gelassen, als sie ihn so dringend benötigt hätte. So verlor sie dieses Halbfinale 4:6, 3:6 und hatte eine große Chance vergeben, weil Maria Scharapowa ebenfalls nicht ihren besten Tag erwischt hatte.

          Peter Penders
          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Die Berlinerin winkte noch einmal ins Publikum und verdeckte dabei mit dem Handtuch ihr Gesicht, weil wohl niemand ihre Tränen sehen sollte. Die waren Stunden später wieder getrocknet - aus guten Gründen. Gemeinsam mit der Australierin Samantha Stosur hatte sie nach dem geplatzten Traum vom Einzel-Finale das Halbfinale im Doppel erreicht. Die nächste Chance auf ein Wimbledon-Finale kommt also schon an diesem Freitag.

          Trotzdem konnte man eigentlich Mitleid mit ihr haben, weil sie eine gute Stunde nach ihrer Niederlage gegen Maria Scharapowa schon wieder raus musste auf den Platz, um dieses Doppel zu spielen. Doch was zunächst den Anschein einer möglichen Tortur hatte, entwickelte sich zur besten Therapie. „Sam hat mich aufgebaut, und ich wollte einfach noch mal gewinnen an diesem Tag“, sagte Sabine Lisicki. Und deshalb endete der Donnerstag, der so trist gewirkt hatte am Nachmittag, mit einem hellen Schein - zumindest musste der lange Applaus der Zuschauer so wirken.

          Der Traum vom Endspiel ist vorbei: Sabine Lisicki unterliegt Maria Scharapowa
          Der Traum vom Endspiel ist vorbei: Sabine Lisicki unterliegt Maria Scharapowa : Bild: dpa

          Der große Traum vom Finale im Einzel aber hätte leicht wahr werden können, und er wäre gewiss sogar Realität geworden, wenn die 21 Jahre alte Berlinerin so weiter gespielt wie in den ersten Minuten der Partie. Sehr selbstbewusst war sie die größte Partie ihrer bisherigen Laufbahn angegangen, während ihre prominente Gegnerin in den ersten drei Spielen kaum einen Ball ins Feld spielte und ganze zwei Punkte gewann. Bei ihrem eigenen Aufschlag hatte die Russin zudem extreme Probleme offenbart und Sabine Lisicki gleich ein Break mit zwei Doppelfehlern erleichtert. Die Aufschlagschwäche von Maria Scharapowa zog sich durch die gesamte Partie - und die ohnehin magere Quote von 48 Prozent ersten Aufschlägen wurde auch noch mit 13 Doppelfehlern garniert.

          Der Aufschlag lässt sie im Stich

          Vielleicht wäre so tatsächlich alles anders gekommen, wenn Sabine Lisicki die Möglichkeit zum nächsten Break im ersten Satz genutzt hätte. Wieder war ihr Maria Scharapowa nämlich mit zwei Doppelfehlern sehr weit entgegen gekommen, aber der Stoppball der Berlinerin landete im Aus. „Das hätte natürlich alles geändert, wenn es da 4:0 gestanden hätte. Ich hatte meine Chancen, aber ich habe sie leider nicht genutzt“, sagte die Deutsche, „aber ich bin trotzdem stolz, wie ich mit der gesamten Situation umgegangen bin.“

          Was in diesem Halbfinale so gut begonnen hatte, änderte sich nach der vergebenen Chance drastisch. Der erste Aufschlag von Sabine Lisicki landete danach kaum noch einmal im Feld der Russin, die dann den zweiten Versuch ihrer Gegnerin stets attackierte und damit zumeist Erfolg hatte. „Mein Arm war schon etwas schwer, er hat ja auch viel geleistet hier“, sagte Sabine Lisicki. Das war sogar aktenkundig, denn sie führt schließlich nicht nur die As-Statistik mit 44 Volltreffern an, sie liegt mit knapp 200 Kilometern pro Stunde mit einem Aufschlag in der Zweitrundenpartie gegen Li Na auch in der Geschwindigkeitstabelle vorne. „Maria ist sehr groß und hat eine viel größere Reichweite als die meisten anderen“, sagte die Deutsche, der ausgerechnet in dieser Partie kein einziges As gelungen war. Das aber lag wohl nicht nur an der Stärke der Gegnerin - Sabine Lisicki hatte auch nur eine Erstaufschlags-Quote von 53 Prozent erreicht, was Maria Scharapowa die Arbeit erheblich erleichterte.

          Zurück unter den Top 30

          „Sie hat sehr gut gespielt“, sagte Sabine Lisicki, was die etwas realistischere Russin ganz anders sah. „Im Finale werde ich mich erheblich steigern müssen“, sagte die Siegerin von 2004, und das wird gegen die Tschechin Petra Kvitova, die sich gegen die Weltranglistenfünfte Victoria Asarenka (Weißrussland) 6:1, 3:6, 6:2 durchsetzte, auch tatsächlich nötig sein. Zu übergroßer Traurigkeit bestand trotz der ersten Enttäuschung kein Anlass für Sabine Lisicki, schließlich hatte sie alle Erwartungen übertroffen.

          Die Wildcard, die ihr der All England Lawn Tennis and Croquet Club nach ihrem Sieg beim Vorbereitungsturnier in Birmingham auch wegen ihrer Viertelfinal-Teilnahme von 2009 gewährt hatte, nutzte sie schließlich äußerst gewinnbringend. „Vor der Rasensaison war es mein Ziel, bei den US Open wieder im Hauptfeld zu stehen“, sagte sie. Nun aber rückt sie gleich unter die besten dreißig Spielerinnen der Welt vor und gehört damit in New York schon wieder zu den gesetzten Spielerinnen. „Das hätte ich vor ein paar Woche nicht zu träumen gewagt“, sagte die Deutsche, die im vergangenen Jahr wegen einer fünfmonatigen Verletzungspause nach einer Operation am linken Sprunggelenk von Rang 22 um gut 200 Plätze abgerutscht war.

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