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Lisicki unterliegt Bartoli : Der letzte Schritt ist noch zu groß

Am Ende konnte Sabine Lisicki doch wieder ein wenig stolz auf ihre Leistung sein Bild: AFP

Sabine Lisicki bekommt im Finale ihre Nerven nicht in den Griff. Die Berlinerin verliert 1:6 und 4:6 gegen Marion Bartoli. Steffi Graf bleibt damit vorerst die letzte Deutsche, die in Wimbledon gewann.

          5 Min.

          Es hatte doch alles so gut angefangen - aber dann war alles ganz anders gekommen. Mit einem Break hatte Sabine Lisicki zwar das erste Grand-Slam-Finale ihrer Karriere begonnen, aber danach war gegen die Französin Marion Bartoli auf dem Centre Court von Wimbledon gar nichts mehr wie nach Wunsch verlaufen. „Ich war überwältigt von der ganzen Situation“, sagte die 23 Jahre Berlinerin, die erst als alles so gut wie verloren war, ihre Nerven doch noch in den Griff zu bekommen schien.

          Peter Penders

          Stellvertretender verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Sie wehrte drei Matchbälle ab, war im zweiten Satz nach einem 1:5-Rückstand noch einmal auf 4:5 herangekommen, aber nach 81 Minuten nutzte die 28 Jahre alte Marion Bartoli dann ihre vierte Chance und sicherte sich mit dem 6:1 und 6:4-Erfolg den ersten Grand-Slam-Titel ihrer Tenniskarriere und einen Siegerscheck von 1,87 Millionen Euro, Für die Deutsche blieben rund 950.000 Euro, der Sprung auf Platz 18 - und die bittere Erkenntnis, dass sich Erfahrung durch nichts ersetzen lässt.

          „Ich möchte mich bei meinem Team bedanken“, sagte die Verliererin mit tränenerstickter Stimmung bei der Siegerehrung, „ich hätte euch so gerne den Titel geschenkt, weil wir schon durch so schwere Situation gehen mussten.“ Verglichen mit den Tälern, durch die sie bei ihrer schweren Knöchelverletzung vor drei Jahre musste, sollte der Weg diesmal nicht allzu schwer fallen. Sie hatte ein imponierendes Turnier gespielt - nur der letzte Schritt war noch zu groß.

          Als Sabine Lisicki und Marion Bartoli den Centre Court betraten, war noch keine Spur von Nervosität zu erkennen gewesen. Doch gleich im ersten Aufschlagspiel schien sich zu erweisen, dass ein solches Finale eine ganz besondere Sache ist, und dass dabei offenbar nicht einmal die Erfahrung weiterhilft, es schon einmal erlebt zu haben. Die Französin hatte hier 2007 überraschend das Endspiel erreicht, war dort aber gegen die Amerikanerin Venus Williams chancenlos geblieben.

          Lisicki gelingt gleich zum Start ein Break

          Das wurde als Vorteil angesehen, und für viele Experten war es das einzige Plus, das man der Französin gegen Sabine Lisicki einräumte. Marion Bartoli durfte dieses Finale also beginnen, und in diesem Fall muss man wohl sagen, sie musste beginnen. Mit zwei Doppelfehlern nacheinander schenkte sie ihrer deutschen Gegnerin gleich ein Break zum Start in dieser Begegnung.

          Ein optimaler Start für die Deutsche also, aber wer glaubte, diese müsse sich beruhigend auf die Final-Debütantin auswirken, sah sich schnell getäuscht. Die größte Stärke der Deutschen kam nur selten zum Tragen, weil sie schon mit dem Ballwurf beim Aufschlag ihre Probleme hatte.

          Lisicki wirkt schon früh verzweifelt

          Prompt revanchierte sie sich für Bartolis Einstandsgeschenk und gab ihren Aufschlag ebenfalls mit einem Doppelfehler ab. Und während die Französin nach und nach ihre Nerven in den Griff bekam, wirkte Sabine Lisicki schon früh verzweifelt darüber, dass sie an diesem bislang größten Tag ihrer Karriere nicht annähernd ihre beste Leistung bringen konnte.

          Alle hatten sie favorisiert, all die Tennisgrößen vergangener Tage, alle waren so beeindruckt gewesen von ihren Siegen gegen die Weltranglistenerste Serena Williams im Achtelfinale und gegen die Weltranglistenvierte Agnieszka Radwanska im Halbfinale.

          Bartoli ohne Satzverlust vor dem Finale

          Den Weg in dieses Endspiel hatte sich die Deutsche schließlich selbst freigeräumt mit diesen Erfolgen, während ihre Gegnerin auch davon profitiert hatte, dass in ihrer Setzhälfte ehemalige Wimbledonsiegerinnen wie Maria Scharapowa und Petra Kvitova scheiterten, bevor sich die Wege hätten kreuzen können.

          Die Französin war prompt ohne Satzverlust in das Endspiel eingezogen, hatte im Halbfinale nur 62 Minuten für ihren Zweisatzsieg gegen die Belgierin Kirstin Flipkens gebraucht und war trotz des Fehlstarts ganz augenscheinlich wild entschlossen, diese große Chance zu nutzen, die sich ihr im zweiten Teil ihrer Karriere bot. Dies war ihre 47. Teilnahme an einem Grand-Slam-Turnier - und es hatte noch keinen Sieger gegeben, der so einen solch langen Anlauf benötigte.

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