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Lisa Brennauer über Rücktritt : „Bei vielen Frauen läuft oft ein Plan B mit“

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Beendet ihre erfolgreiche Laufbahn: Lisa Brennauer Bild: picture alliance / Roth

Eine Olympiasiegerin steigt vom Rad: Lisa Brennauer, eine der erfolgreichsten deutschen Radsportlerinnen, spricht im Interview über ihr Karriereende, prägende Momente ihrer Laufbahn und die Zukunft des Frauen-Radsports.

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          Frau Brennauer, Sie sind eine der erfolgreichsten Rennfahrerinnen in der Geschichte des deutschen Radsports. Am Mittwoch haben Sie mit 34 Jahren Ihren Rücktritt angekündigt. Warum?

          Es fühlt sich jetzt einfach richtig an. Die großen Erfolge aus den vergangenen Jahren machen mir es gar nicht so schwer zu gehen. Ich habe so viel positive Energie, die ich mitnehmen kann in alles, was jetzt kommt. Jetzt noch die European Games in München nahe meiner Heimat im Allgäu, das ist ein wunderschöner Abschluss.

          Ihre Bilanz auf der Bahn und der Straße ist äußerst eindrucksvoll: Olympiasiegerin, vielfache Welt- und Europameisterin, 14 deutsche Meister-Titel. Welche Trophäe hält den ersten Platz in Ihrer Erinnerung?

          Das ist der Olympiasieg aus dem Vorjahr in Tokio. Emotional und von der Wertigkeit her war das mein größter Erfolg. Aber es ist natürlich gemein, eine lange Karriere auf einen einzigen Tag zu reduzieren. Es gab viele tolle Erfolge. Ganz besonders war das Jahr 2014, als ich im spanischen Ponferrada zweimal Weltmeisterin und einmal Vize-Weltmeisterin innerhalb von ein paar Tagen wurde und dabei im Zeitfahren auch meinen ersten WM-Titel in einer Einzeldisziplin gewann.

          Ronny Lauke, früher mal Sportlicher Leiter von Ihnen, hat erzählt, dass Sie anfangs Zweifel gehabt hätten, ob Sie es schaffen in die Spitze. Hat er recht?

          Es war lange okay für mich, gut zu sein. Aber irgendwann bekam ich den Schalter umgelegt und habe gesagt, ich will gewinnen. Woran ich gewachsen bin? An Aufgaben, die man mir gegeben hat. Da gibt es ein Erlebnis, an das ich mich erinnere, beim La Course-Rennen, einem Vorgänger der Tour de France der Frauen, da hat Ronny Lauke am Vorabend zu mir gesagt, du Lisa, alle fahren morgen für dich, du bist bereit, oder? Das war das erste Mal, dass eine ganze Mannschaft in einem großen Rennen für mich fahren sollte. Ich habe ihn angeschaut und in mir drin gedacht: Oh Gott! Und gesagt habe ich: Ja, klar! Das sind Tage, an denen man wächst. Ich habe mir in den Rennen auch immer noch einmal bewusst gemacht, die arbeiten jetzt alle für mich, und deshalb will ich jetzt erst recht! Zu sehen, wie mir andere vertrauen, war für mich nie eine Last, sondern pure Motivation.

          Der Radsport der Frauen hat in den vergangenen Jahren in jeder Beziehung große Fortschritte gemacht. Werden es junge Fahrerinnen in Zukunft leichter haben als Sie bei Ihrem Start?

          Es stimmt, es hat sich einiges getan, und es tut sich gerade noch sehr viel. Die Einführung von Mindestgehältern in der World-Tour, oder auch die Tour de France der Frauen. Es ist eine solide Basis geschaffen worden. Ich bin einen anderen Weg gegangen. Ich habe nach dem Abitur die Chance bekommen, zur Bundeswehr zu gehen. Da bin ich heute noch, seit letztem Jahr als Berufssoldatin. Die Bundeswehr war immer mein Anker, mein finanzieller Rückhalt. Die Fahrerinnen, die jetzt hoch kommen und neue Systeme im Frauenradsport vorfinden, werden es vielleicht ein Stück leichter haben, aber mit den Neuerungen und Verbesserungen ist auch das ganze Niveau so stark gestiegen, dass es dadurch wieder schwerer wird, Erfolge einzufahren. Es war nicht leicht für uns, und es wird nicht leicht für die Jungen.

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