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Spanien-Rundfahrt : Die vielleicht letzte Vuelta des einst Unbesiegbaren

  • -Aktualisiert am

Einmal geht es noch rund für ihn in Spanien: Alejandro Valverde Bild: Roth

In diesem Jahr ist die Vuelta ein Schaulaufen der Altstars. Im Blickpunkt dieser Spanien-Rundfahrt wird vor allem Alejandro Valverde stehen. Der Altmeister aus Murcia ist ein radelndes Relikt.

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          Die Geschichte der Vuelta a Espana ist voll von Rennfahrern, die gegen ihren Willen dort hingeschickt worden sind. Die sich bei ihren Teamchefs nicht beworben hatten für drei Wochen Kurbelei in der spätsommerlichen Hitze. Auf einer Route, die stets gespickt ist mit besonderen Härten wie bei den anderen beiden großen Landesrundfahrten. Nur dass Aufmerksamkeit und Stellenwert der Spanien-Rundfahrt nicht ganz so groß sind.

          Die Vuelta ist so etwas wie die weniger glanzvolle, aber fast ebenso schwer zu erobernde Cousine von Giro d’Italia und Tour de France. Immerhin geht es unter den Fittichen dieser Cousine vom ganzen Drumherum etwas entspannter zu. Bei der letzten Landesrundfahrt des Jahres heißt es für die Profis oft auch mal „tranquillo, tranquillo“ statt immer nur „venga, venga!“.

          In diesem Jahr ist die Vuelta zudem ein Schaulaufen der Altstars. Gleich sechs Profis, die wissen, wie es sich anfühlt, sonntagabends im Siegertrikot auf einem Podium mitten in Madrid zu stehen, nehmen teil: Alejandro Valverde (Gewinner 2009), Vincenzo Nibali (2010), Chris Froome (2011 und 2017), Nairo Quintana (2016), der wegen eines Schmerzmittelvergehens am Mittwoch nachträglich von der Tour de France disqualifiziert wurde und auch bei der Vuelta nicht starten wird (siehe Kasten am Ende des Textes), Simon Yates (2018), Primoz Roglic (2019 bis 2021).

          Valverde wird im Blickpunkt stehen

          Für den Spanier Valverde und den 37 Jahre alten Italiener Nibali, der zum exklusiven Klub an Fahrern gehört, die alle drei großen Landesrundfahrten mal zu gewinnen vermochten, wird es zudem die letzte Grand Tour vor dem Wechsel in die Radsport-Rente.

          Im Blickpunkt dieser 3280 Kilometer langen, mit gleich neun Bergankünften angereicherten Rundfahrt wird aber vor allem Valverde stehen. Die Fragen, wie lange er sich noch auf höchstem Niveau schinden will im Schlussbogen seiner langen, von sportlichen Triumphen und Doping-Schatten geprägten Karriere, begleiten ihn schon ewig. Nun ist er 42 Jahre alt, und sein Entschluss, am Jahresende Adios zu sagen vom professionellen Radbetrieb, der ihm eine schier lebenslange Heimstatt geboten hatte, soll endgültig sein.

          „Mehr als das Alter ist für mich entscheidend, dass ich bereits 20 Jahre auf höchstem Niveau im Profi-Peloton unterwegs bin“, sagte Valverde, dessen Abschied einen Einschnitt für den spanischen Radsport bedeuten wird. „Es ist so schwer, so etwas zu erreichen, sowohl physisch als auch mental, dass ich wirklich überrascht bin, dass es mir weiterhin so gut geht. Als ich jünger war, habe ich gedacht, dass ich mit 34 nicht mehr im Rennen sein würde.“

          Nun nimmt Valverde von diesem Freitag an seine sechzehnte Vuelta und seine 32. Grand Tour insgesamt unter die Reifen. Ein Heimspiel, das mit einem Gastspiel beginnt. Wie zuvor im Jahr der Giro (in Ungarn) und die Tour (in Dänemark) beginnt auch die Vuelta nicht in ihrem Kernland. Die ersten drei (Flach-)Etappen – den Auftakt bildet ein Teamzeitfahren in Utrecht – finden in den Niederlanden statt.

          Topfavoriten Roglic und Carapaz

          Valverdes Terrain kommt, wenn der Tross am ersten Ruhetag am Montag ins Baskenland übersetzt. Die Zuneigung der heimischen Fans wird ihm, der langjährigen Führungsfigur des spanischen Teams Movistar, gewiss sein. Auch wenn er nicht mehr „El Imbatido“ (der Unbesiegbare) ist und nicht mehr aufs Klassement, sondern auf Etappensiege zielt.

          Der Altmeister aus Murcia ist ein radelndes Relikt, das aber vom Zahn der Zeit nicht sonderlich angenagt worden ist, sondern immer noch Ergebnisse liefert, wie im Frühjahr die zweiten Plätze bei Strade Bianche und Lüttich–Bastogne–Lüttich bewiesen. Ein radelndes Relikt, das einst schon gemeinsam mit Armstrong und Ullrich Fahrrad fuhr und wohl auch dessen Methoden zur Leistungssteigerung teilte.

          Auch Valverdes Blut lagerte einst in der Praxis des berüchtigten Mediziners Fuentes – eine DNA-Analyse bestätigte dies. Im Frühjahr 2009 wurde er in Italien für alle dortigen Rennen gesperrt, im Spätsommer desselben Jahres triumphierte er bei der Vuelta, Mitte 2010 wurde er dann rückwirkend zum Jahresbeginn für zwei Jahre komplett aus dem Radverkehr gezogen.

          Im vorigen Jahr fiel Valverde bei der Vuelta nach einem Sturz einen Abhang hinunter. Mit gebrochenem Schlüsselbein stand er weinend, auf seinen Lenker gestützt am Straßenrand. Bilder, die sich nun nicht wiederholen sollen.Wiederholen könnte sich das typische Saisonmuster von Roglic, das folgendermaßen aussieht: Auf eine Tour-Enttäuschung folgt ein Vuelta-Gewinn.

          So war es in den vergangenen drei Jahren bei dem Slowenen, der nach seinem sturzbedingten Aus in Frankreich nun wieder Topfavorit in Spanien ist. Auch weil er das stark besetzte Team Jumbo-Visma im Rücken hat. Roglics härtester Widersacher um das Rote Trikot könnte Olympiasieger Richard Carapaz (Ineos) werden. Ob das belgische Supertalent Remco Evenepoel (Quick-Step) das Zeug hat, auch bei dreiwöchigen Rundfahrten zu brillieren, gehört zu den spannendsten Fragen des Rennens, in dem die deutschen Profis wohl nur Nebenrollen einnehmen werden.

          In Abwesenheit des erkrankten Emanuel Buchmann könnte Pascal Ackermann (UAE Emirates) bei Sprintankünften in Erscheinung treten. Der 19-jährige Marco Brenner (DSM) fährt seine erste Grand Tour überhaupt. Buchmanns deutsche Mannschaft Bora-hansgrohe setzt für die Gesamtwertung auf den Kolumbianer Sergio Higuita und den australischen Giro-Sieger Jai Hindley.

          Quintana will vor Cas ziehen

          Der kolumbianische Radprofi Nairo Quintana bestreitet den Gebrauch des Schmerzmittels Tramadol und will die Aberkennung seines sechsten Platzes bei der Tour de France anfechten. „Mir ist die Verwendung dieser Substanz überhaupt nicht bewusst und ich bestreite, sie jemals während meiner Karriere verwendet zu haben“, wurde Quintana in einer Stellungnahme in kolumbianischen Medien zitiert.

          Er bereite mit den Anwälten seine Verteidigung vor, sagte der zweimalige Tour-Gesamtzweite. Entgegen ursprünglichen Planungen sagte Quintana seinen Start bei der am Freitag beginnenden Spanien-Rundfahrt ab. Er wolle sich auf den Einspruch vor dem Internationalen Sportgerichtshof Cas konzentrieren, so der 32-Jährige am Donnerstag. Er habe aktuell weder den Kopf noch die Beine für den Wettbewerb.

          In zwei getrockneten Blutproben des Kolumbianers vom 8. und 13. Juli wurde das Opiat Tramadol nachgewiesen. Hierbei handelt es sich laut des Radsport-Weltverbandes (UCI) nicht um ein Dopingvergehen, aber um einen Verstoß gegen die medizinischen Regeln des Verbandes. Tramadol ist seit 1. März aufgrund seiner Nebenwirkungen von der UCI verboten, steht jedoch nicht auf der Verbotsliste der Welt-Anti-Dopingagentur WADA. Deshalb wird Quintana auch nicht gesperrt. (dpa)

           

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