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Tanzen : Im Rhythmus von Motsi Mabuse

  • -Aktualisiert am

Motsi Mabuse (mitte) neben Jorge Gonzalez (links) und Joachim Llambi (rechts) in der Jury von Let’s Dance. Bild: dpa

Sie ist nicht nur Jurorin bei „Let’s Dance“, sondern auch als Tanztrainerin unterwegs. In der Bad Homburger Tanzschule Karabey wurde Rumba getanzt und über Olympia gesprochen.

          Mehrere Dutzend Paare stehen aufgereiht inmitten des großräumigen Saals, die Damen tragen Tanzschuhe, manche in Beige oder Schwarz und manche mit Glitzersteinchen. Die Blicke sind nach vorn gerichtet auf eine junge Frau in schwarzer Hose und weißem Pullover und einem Mikrofon in der Hand: Motsi Mabuse. Vor einigen Tagen war die Südafrikanerin noch im Fernsehen als Jurymitglied bei „Let’s Dance“ zu sehen. Am vergangenen Sonntag gab sie in der Tanzschule Karabey in Bad Homburg einen Workshop in ihrem Spezialgebiet, den lateinamerikanischen Tänzen.

          „Viele der hier anwesenden Tänzer nehmen bereits an Turnieren teil. Uns geht es darum, ihnen, gemeinsam mit Motsi Mabuse, einen noch qualifizierteren Zugang zu den Tanztechniken zu geben“, sagte Sascha Karabey. Motsi Mabuse formulierte es so: „Umso mehr man weiß, desto mehr kann man mit seinem Körper anstellen. Das kann süchtig machen. Ich glaube, wenn man keine Liebe zum Tanzen hat, dann kann man eigentlich gleich aufhören.“

          Die Liebe zum Tanzen entdeckte Mabuse mit zwölf Jahren, als sie im Fernsehen ein Tanzturnier anschaute. Sechs Jahre später kam sie nach Deutschland und zählt heute zu den erfolgreichsten Tänzerinnen. Neben ihrer Tätigkeit als Jurorin bei „Let’s Dance“ ist Mabuse in ganz Deutschland unterwegs und gibt Tanztraining. Besonders überraschte sie in Bad Homburg der hohe Anteil der jugendlichen Teilnehmer. „Normalerweise sind die Tänzer alle etwas älter, vor allem die Männer. Für die Jugendlichen ist das doch meistens noch ein Tabu und uncool“, so Mabuse.

          „Für mich ist Tanzen Kunst. Es ist unmessbar.“ Mabuse spricht sich für separate „artistic olympics“ aus.

          Es ist dieses Klischee, welches noch tief in den Köpfen der männlichen Jugend verankert ist: Standardtänze sind „uncool“. Betrachtet man die Teilnehmer in Bad Homburg, kommen Zweifel auf. Schließlich kann man in der laufenden Staffel von „Let’s Dance“ auch dem ehemaligen Profifußballer Hans Sarpei dabei zusehen, wie er das Tanzbein schwingt. Erlebt das Tanzen durch die Fernsehshow wieder einen Aufschwung? „Ich glaube, dass dadurch den Menschen und den Männern das Tanzen einfach wieder ein bisschen nähergebracht wird“, sagte Mabuse.

          Dass sich der Tanzsport in den vergangenen Jahren immer wieder veränderte, begrüßt Mabuse. Auch die Rolle des Mannes ist nicht mehr dieselbe wie früher. Joachim Llambi, ehemaliger Profitänzer und Wertungsrichter, bezeichnete das Tanzen „als die letzte Bastion des Mannes“. Diese Einstellung, so Mabuse, sei veraltet. „Natürlich ist der Mann eigentlich der Chef, und er führt seine Partnerin. Aber ich denke, heutzutage ist das ein bisschen anders. Ich beobachte sehr häufig, dass die Frauen führen.“

          Ein eigener Bereich für Tanzen bei Olympia?

          Sicherlich ist das Tanzen nicht immer ein Vergnügen, es ist harte Arbeit, oft mit bis zu zehn Stunden Training am Tag. Große Beachtung findet der Tanzsport in Deutschland allerdings immer noch nicht, und daher streben viele Tänzer danach, in das olympische Programm aufgenommen zu werden. Motsi Mabuse ist skeptisch: „Da bin ich wirklich im Zwiespalt. Für mich ist Tanzen Kunst. Es ist unmessbar. Ich kann mir nicht vorstellen, dass es möglich ist, individuelle Choreographien sportlich zu bewerten. Wir müssten das Konzept ändern, die ganze Basis, aber dann verändern wir auch das Tanzen.“

          Eine Lösung für dieses Problem hat sie sich bereits überlegt: ein separates olympisches Turnier, „artistic olympics“ mit Gymnastik, Tanz und Eiskunstlauf. Ein eigener Bereich, mit eigenen Bewertungsformen. „Ich würde mich schon sehr freuen, wenn es olympisch werden würde, aber ich sehe uns einfach nicht zwischen Usain Bolt und Co. mit unseren Glitzersteinchen und Highheels“, sagte Mabuse.

          Mehr Spaß am Tanzen in Südafrika

          Die laufende Staffel der Tanzshow ist für Mabuse in diesem Jahr etwas ganz Besonderes, und das nicht nur, weil zum ersten Mal ihre Schwester Otlile mittanzt. Durch sie, aber auch durch Sarpei (Ghana) und Enissa Amani (Iran) komme ein bisschen mehr Farbe in die Show. „Wir haben dieses Jahr viele Kulturen dabei, das macht es noch interessanter.“ Tanzen in Deutschland im Vergleich zu anderen Kulturen - das könnte unterschiedlicher nicht sein.

          In Deutschland habe man zwar die besseren Bedingungen, was Lehrer und Räumlichkeiten angehe, „aber in Südafrika haben die Leute einfach mehr Spaß. Man verbindet dort das Tanzen mit dem Leben.“ Dieses Gefühl der Rhythmik und Freude möchte Mabuse in Zukunft mit einer eigenen Tanzschule auch in das Rhein-Main-Gebiet bringen.

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