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Leichtathletin Zatopkova ist tot : „Es ist besser, zu vergeben“

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Nicht nur im Sport vereint: Dana und Emil Zatopek im Jahr 1968 Bild: Picture-Alliance

Sie gewann 1952 Gold bei den Olympischen Spielen in Helsinki – am gleichen Tag wie ihr Mann. Später nahm das Leben des Ehepaars eine dramatische Wendung. Nun ist Dana Zatopkova im Alter von 97 Jahren verstorben.

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          Die Blumen im Vorgarten ihrer kleinen Wohnung im Prager Stadtteil Troja pflegte Dana Zatopkova bis zu ihrem 95. Geburtstag mit großer Hingabe. Aber besonders gerne weihte sie, die Olympiasiegerin aus einer ganz anderen Zeit, neue Sportplätze ein, auch im hohen Alter noch. Bis 2018 nahm sie mit großer Freude am öffentlichen Leben teil.

          Dana Ingrova wurde am 19. September in Karvina, im Osten des heutigen Tschechiens, geboren, 60 Kilometer entfernt von Koprivnice, wo an jenem Tag ein Junge namens Emil Zatopek auf die Welt kam. Sie war zunächst eine gute Handballspielerin. Dann wechselte sie zur Leichtathletik, 1948 heirateten Dana und Emil, die berühmtesten Leichtathleten Mährisch-Schlesiens. In Helsinki, bei den Olympischen Sommerspielen 1952, erlebte das Ehepaar Dana und Emil Zatopek die Sternstunde. Beide wurden am 24. Juli innerhalb von einer Stunde Olympiasieger: Sie im Speerwerfen, er im 5000-Meterlauf.

          Während Emil Zatopek im November 2000 an den Folgen eines Hirnschlages verstarb, erfreute sich Dana lange guter Gesundheit. „Nur mit dem Laufen ging es seit dem 90. Geburtstag bergab“, erzählte sie in ihrem guten Deutsch im Jahr 2016. Im Herbst des Jahres brach bei einem Sturz in ihrer Wohnung der Oberschenkelhals. Davon konnte sie sich relativ gut erholen. Ebenfalls 2016 hatte sie ein umfangreiches Buch über ihr Leben veröffentlicht. Das Thema Deutschland war für sie das schwerste Kapitel. Ihren Vater sperrten die Deutschen zwei Jahre in Konzentrationslager, darunter Buchenwald und Dachau. Er überlebte. Dana Zatopkova sagte 2016 dem WDR: „Ich kann bis heute nicht so gut darüber sprechen. Menschen können große Verwüstungen anrichten, aber diese darf man nicht in die eigene Seele eindringen lassen. Es ist besser, zu vergeben.“

          1952 gelang ihrem Ehemann in Helsinki das bis heute unerreichte Triple: Zatopek gewann die 5000 Meter, 10.000 Meter und den Marathon. Eine Strecke, die er noch nie zuvor gelaufen war. Auch deutsche Sportler waren 1952 zurück bei Olympischen Spielen. Über die 5000 Meter wurde der Deutsche Herbert Schade Dritter. Zwischen den Zatopeks und dem Solinger Schade entstand innige Freundschaft, die ein Leben lang fortbestand. Die Zatopeks waren oft in Solingen. „Wir waren Gegner, aber trotzdem sehr gute Freunde“, sagte Emil Zatopek 1998 über sein Verhältnis zu Schade. „Und ich muss sagen, dass die Freundschaft im Sport höher steht als all die Medaillen und Diplome.“

          1968 nahm das Leben für das Ehepaar Zatopek eine dramatische Wendung. Der Prager Frühling der tschechoslowakischen Reform-Kommunisten, der „Sozialismus mit menschlicherem Antlitz“ wurde im August durch Panzer des Warschauer Paktes niedergewalzt. Mehr als 100 Menschen starben. „Das war eine sehr kalte Zeit für uns“, sagte Dana Zatopkova, „aber Emil war sehr tapfer.“ Er, Sport-Oberst der Armee, unterstützte die Reform-Regierung von Alexander Dubcek in Prag. Zatopek forderte die Sowjets öffentlich zum sofortigen Abzug auf, seine Landsleute zum Protest. Mit verheerenden Folgen. Er wurde aus der Armee ausgeschlossen und musste mehrere Jahre im Bergbau schuften.

          Dana Zatopkova war bis zum Schluss eine aufmerksame Beobachterin des Sports. Und dessen, wozu er aus ihrer Sicht verkommen ist: „Ich habe natürlich Olympia in Rio 2016 von Anfang bis Ende im Fernsehen verfolgt. Aber ich muss sagen: Der Sport als Kern der Spiele soll dabei im Mittelpunkt stehen. Wir müssen mittlerweile mehr denn je aufpassen, damit der Sport nicht zu einer Zirkusveranstaltung verkommt“, sagte sie. „Ich hatte ein interessantes Leben, ich hatte viel Arbeit, Erfolg, konnte mit Emil viel von der Welt sehen. Also kann ich mich nicht beschweren. Ich bin froh, dass mein Leben so vielseitig war.“ Mindestens so, wie ihr Olympiasieg von Helsinki, die Silbermedaille acht Jahre später in Rom werden ihre ansteckende Lebensfreude und ihr Humor in Erinnerung bleiben. Am Freitagmorgen ist Dana Zatopkova im Alter von 97 Jahren im Prager Militärkrankenhaus gestorben.

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