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Leichtathletik : Zwei Sprünge - schon ist Danny Ecker Europameister

  • -Aktualisiert am

„So richtig gefreut habe ich mich zuerst ja nicht” Bild: AFP

Dass er mit nur 5,71 Metern gewonnen hatte, verdarb Stabhochspringer Danny Ecker bei den Hallen-EM zunächst die Freude über seinen Erfolg. Doch ein Titel ist ein Titel, und für Ecker ist es immerhin der erste internationale.

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          Sergej Bubka reckte und streckte sich, um Danny Ecker da oben auf dem Podium das rote Blumensträußchen zum Titelgewinn in die Hand zu drücken. Bei manchem mag sich dabei der Hintergedanke eingeschlichen haben, dass der Weltrekordler der Weltrekorde, der sich im Stabhochsprung zu 35 Bestleistungen bis 6,15 Meter in der Halle aufgeschwungen hat, eigentlich auf den neuen Halleneuropameister herabschauen müsste.

          Falsch: Bubka brachte während seiner einzigartigen Karriere nur einen kontinentalen Hallen-Erfolg unter Dach und Fach. Und zwar 1985 in Piräus, wo er mit bescheidenen 5,70 Metern gewann. Da legte Ecker am Wochenende in Birmingham doch glatt noch einen Zentimeter drauf und blieb wegen der geringeren Zahl der Fehlversuche vor den höhengleichen Denis Jurschtschenko aus dem Bubka-Land Ukraine und Björn Otto obenauf.

          Otto „ein bisschen dusselig“

          Gold und Bronze für Deutschland, aber irgendwie wollten sich die beiden freundschaftlich verbundenen Stabhochspringer mit dem Niveau dieses Wettbewerbs nicht so recht anfreunden. Ecker fing immerhin vorsichtig an zu lachen, wenn auch mit Verzögerung. Er hatte schließlich guten Grund, sich mit bald 30 Jahren über seinen ersten Titelgewinn zu freuen. Otto gelang nur ein säuerliches Lächeln, war er doch als Weltranglisten-Erster mit 5,90 Metern im Rücken zu seinem 400. Wettkampf gekommen.

          Danny Ecker feiert seinen Sieg

          Die Jubiläumsfeier hatte sich der akribische Statistiker, der sich erinnern wollte, als Jungspund 1990 in Lüttich zum ersten Mal leichtathletisch gelaufen zu sein, ganz anders vorgestellt - und angenommen, die gerade aus Amerika gelieferten neuen Stäbe würden ihn eine Etage höher katapultieren. Härter sollten sie sein, um aus der „schnellen“ Bahn größeren Nutzen zu ziehen: „Aber sie waren zu weich. Da hätte ich auch bei den alten bleiben können.“ Allerdings sah Otto ein, „dass ich mich ein bisschen dusselig angestellt habe“. Anlauf auf den Titel zu nehmen, ohne mit den importierten Stäben genug geübt zu haben, das war nicht klug.

          Ein Titel ist ein Titel

          Keiner wurde schlau aus einer Konkurrenz, die hätte spannender sein und länger dauern sollen. Doch nach gut anderthalb Stunden war schon Schluss, und Ecker schien seine Prognose im Nachhinein beinahe peinlich zu sein: „Ich habe doch getönt, dass man hier schon 5,90 Meter springen müsse, um zu gewinnen.“ Dabei fiel die Entscheidung bereits, als Ecker die 5,71 Meter im ersten Versuch seines zweiten Sprungs meisterte. Eine artistische Einlage, von der kaum jemand in der Halle Notiz genommen hatte und die in den Augen der meisten Zuschauer zunächst sogar als ungeschehen galt. Der Leverkusener konnte sich die Ignoranz des Publikums nur so erklären: „Ich bin genau in dem Moment gesprungen, als Tia Hellebaut im Hochsprung den Weltrekord versucht hat.“ Die Belgierin schaffte die 2,09 Meter zwar nicht, siegte aber mit 2,05 Metern - eine der herausragenden Leistungen dieser Titelkämpfe. Danach scheiterte Ecker dreimal an 5,81 Meter, wie auch Jurschtschenko und Otto, von dem der spätere Sieger angenommen hatte: „Der springt die noch.“

          Gemischte Gefühle habe er gleich nach seinem Erfolg schon gehabt: „So richtig gefreut habe ich mich zuerst ja nicht.“ Aber so nach und nach realisierte er, dass ein Titel ein Titel ist, ganz gleich mit welcher Höhe gewonnen. Daran geglaubt hatte Ecker während der vergangenen Jahre schon nicht mehr, nachdem ihm 2001 in Dortmund der deutsche Hallenrekord von 6,00 Metern geglückt war. Eine Verletzung löste die andere ab. Eine Schulteroperation, zwei Leistenbrüche und immer wieder kleinere gesundheitliche Rückschläge zermürbten allmählich seine Motivation. „Ich war nahe dran aufzuhören.“ Doch nicht zuletzt Heirat und Vaterschaft sorgten jetzt für eine neue häusliche und sportliche Stabilität: „Das hat mein Leben verändert, ehrlich.“ Drei Monate ist seine Tochter alt, „und ich habe die Bilder von ihr immer im Hinterkopf.“

          Wie aus dem Off erschien nach dem Wettkampf übrigens noch der dritte Deutsche auf der Bildfläche. Aber nur kurz. Tim Lobinger hastete durch die Interviewzone, die zu besseren Zeiten ein beliebter Aufenthaltsort für den zweimaligen Hallen-Europameister gewesen ist. Diesmal missachtete er das höfliche Stoppsignal derer, die auch auf ihn noch warteten, warf ihnen im Vorübergehen nur einen ironisch gemeinten Handkuss zu und wünschte allen „viel Spaß noch“. Den hatte Tim Lobinger als Fünfter mit übersprungenen 5,51 Metern ganz sicher nicht.

          Stabhochsprung, Männer:
          1. Danny Ecker (Leverkusen) 5,71 m; 2. Denis Jurtschenko (Ukraine) 5,71; 3. Björn Otto (Dormagen) 5,71; 4. Olexander Kortschmid (Ukraine) 5,51; 5. Tim Lobinger (Köln) 5,51; 6. Dmitri Starodubzew (Russland) 5,41; 7. Jerome Clavier (Frankreich) 5,41; 8. Spas Bukhalow (Bulgarien) 5,41

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