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Leichtathletik - Zehnkampf : An Sebrle führt kein Weg vorbei

  • -Aktualisiert am

Kraftprotz: Roman Sebrle Bild: AP

Roman Sebrle hat sein „Wohnzimmer“ in Götzis. Seit dem Weltrekord vor drei Jahren (9026 Punkte) hat der 29 Jahre alte Europameister hier nicht mehr verloren. Über Pfingsten gewann der Tscheche als erster Zehnkämpfer zum viertenmal in Folge.

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          Tom Pappas hat alles versucht. Drei persönliche Bestleistungen (110 Meter Hürden, Diskuswurf, Stabhochsprung) hat der Amerikaner aufgestellt, und welcher Ehrgeiz ihn vorwärtstreibt, wurde über 400 Meter am deutlichsten. Da trat der Zehnkämpfer die Flucht nach vorne an und überholte den vor ihm laufenden Roman Sebrle schon nach wenigen Metern. Doch auf der Zielgeraden konterte der Tscheche und hatte, wie auch nach Abschluß der zwei Wettkampftage, mit 8842 Punkten die Nase vorn. An Sebrle führt in Götzis eben kein Weg vorbei. Seit dem Weltrekord vor drei Jahren (9026 Punkte) hat der 29 Jahre alte Europameister hier nicht mehr verloren und damit als erster Athlet vier Siege in Folge geschafft. Boris Becker hatte sein "Wohnzimmer" auf dem Centre Court in Wimbledon, Sebrle hat sich in der kleinen Gemeinde im österreichischen Bundesland Vorarlberg gemütlich eingerichtet.

          Schwache Sprints, starke Nerven

          Vor drei Wochen aus dem Trainingslager zurückgekehrt, zeigte er bei den Sprints noch ungewohnte Schwächen. Stark hingegen waren seine Nerven: Immer wenn die Konkurrenz bedrohlich nahe rückte, antwortete Sebrle eiskalt, beispielsweise mit einem persönlichen Rekord von 71,10 Metern im Speerwerfen. Daß er am Ende 110 Punkte zwischen sich und den großen Konkurrenten Pappas gelegt hatte, freute ihn zwar, der Blick geht aber nach Athen. Dort will er den Mann schlagen, der ihm im Vorjahr den Weltmeistertitel wegschnappte. Hinter Sebrle und Pappas landete der Kasache Dmitri Karpow (8512) noch vor Olympiasieger Erki Nool (8317) aus Estland auf Rang drei.

          Von den deutschen Athleten war nicht viel zu sehen. "Uns sind die Überflieger ausgegangen", sagte Zehnkampf-Bundestrainer Claus Marek und dachte wohl an Athleten wie Frank Busemann oder Paul Meier. Lars Albert brach sich beim Weitsprung zum zweiten Mal den Mittelfuß und wird an diesem Dienstag in Freiburg operiert. Sebastian Knabe strauchelte über die Hürden, bevor er Pech beim Stabhochsprung hatte, weil der Stab bei seiner Anfangshöhe brach. Nur Andre Niklaus, der WM-Achte und Junioren-Europameister, erreichte trotz der indiskutablen Leistung von 11,19 Metern im Kugelstoßen ein zählbares Ergebnis von 7969 Punkten und damit eine passable Ausgangsposition im Rennen um die Plätze für die Olympischen Spiele. Deswegen zeigte er sich trotz der verpaßten Qualifikation optimistisch. "Ich habe gezeigt, daß ich etwas draufhabe, sonst hätte ich nicht trotz der Gurkenleistung im Kugelstoßen noch so eine Punktzahl gemacht", sagte der Berliner, der sich für das Meeting in Ratingen in vier Wochen 8100 bis 8150 Punkte vorgenommen hat.

          Carolina Klüft eine Klasse für sich

          Sorgen um die Qualifikation für Athen hat eine ganz bestimmt nicht: Carolina Klüft, die schwedische Europa- und Weltmeisterin im Siebenkampf. Nach den Absagen der WM-Zweiten Eunice Barber (Frankreich) und der WM-Dritten Natalja Sasanowitsch (Weißrußland) bestritt sie ihren Wettkampf fast außer Konkurrenz. 6820 Punkte, 414 mehr als die zweitplazierte Britin Kelly Sotherton, hatte sie nach dem abschließenden 800-Meter-Lauf gesammelt. Damit schob sie sich im Mösle-Stadion auf Rang fünf der Götzis-Bestenliste, die dreißig Jahre umspannt und sich wie eine Aufzählung der weltbesten Athletinnen liest. Knapp vor der 21 Jahre alten Schwedin liegt die Weltrekordhalterin Jackie Joyner-Kersee. Von den 7291 Punkten der Amerikanerin will aber Carolina Klüft nichts wissen: "Ich möchte einfach Spaß beim Wettkampf haben, Rekorde sind allenfalls ein Bonus für mich."

          Anders als bei den Männern übertraf immerhin eine deutsche Mehrkämpferin die A-Norm für Athen: Sonja Kesselschläger lag mit 6130 Punkten 50 Zähler über der geforderten Marke. Vor der letzten Disziplin hatte sie es noch einmal unfreiwillig spannend gemacht, als sie die erwarteten Probleme im Speerwerfen bestätigte. Sie brauchte unbedingt eine gute Leistung über 800 Meter - und lief Bestzeit, sehr zur eigenen Verwunderung. "Das war der beste 800-Meter-Lauf meines Lebens", sagte die Neubrandenburgerin erschöpft und fügte an: "Ich wußte nicht, daß ich so kontern kann." Katja Keller fehlten 19 Punkte zur Norm. Für die Vergabe der Olympia-Ticktes wird das Abschneiden in Ratingen (26./27. Juni) wichtiger sein, Sonja Kesselschläger kann aber optimistisch sein. Ihre Eltern sind es jedenfalls; die Unterkunft in Athen ist bereits gebucht.

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