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Leichtathletik-WM : Plötzlich ist Mohr wieder Favorit

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Plötzlich wieder die unangefochtene Nummer 1 unter Deutschlands Stabhochspringern: Malte Mohr Bild: dpa

Malte Mohr ist die letzte verbliebene Hoffnung der deutschen Stabhochspringer. Nach den Absagen von Holzdeppe und Otto sowie Lavillenie fährt er sogar als Titelanwärter zur Hallen-WM.

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          Mit Rekordsprüngen hat Malte Mohr seine Erfahrungen gemacht im noch jungen Leichtathletik-Jahr. In Donezk war er Mitte Februar staunender Augenzeuge, als der Franzose Renaud Lavillenie den als unantastbar geltenden Stabhochsprung-Weltrekord von Sergej Bubka auf nicht für möglich gehaltene 6,16 Meter verbesserte. „Unglaublich“, sagt Mohr noch eine Woche später, „das hat er super stark gemacht.“

          Bei der Hallen-DM in Leipzig am vergangenen Wochenende ließ der Bochumer nun den Stab selbst auf eine Rekordhöhe legen: 6,01 Meter. Es wäre zwar nur ein deutscher Hallenrekord gewesen, aber auch der ist schon mehr als 14 Jahre alt. Mohr scheiterte dreimal an dieser Höhe, fiel aber dennoch weich: Die zuvor souverän übersprungenen 5,84 Meter bedeuteten für den 27-Jährigen den dritten deutschen Meistertitel in der Halle, Platz zwei in der Weltjahresbestenliste hinter Lavillenie und damit die Favoritenrolle bei der Hallen-WM vom 7. bis 9. März im polnischen Sopot.

          Denn der französische Olympiasieger hat seinen WM-Start ebenso verletzungsbedingt abgesagt wie Freiluft-Weltmeister Raphael Holzdeppe und der Olympia-Zweite Björn Otto. „Ich würde natürlich gern um die Medaillen mitspringen“, sagt Mohr. „Aber sich darauf zu versteifen, wäre nicht gut. Es muss alles perfekt laufen, um das zu schaffen.“

          Mohr hatte schon forscher gesprochen vor einer großen internationalen Meisterschaft. Aber trotz arg dezimierter Konkurrenz geht der Athlet vom TV Wattenscheid lieber bescheidener ran an die Aufgabe. Zu viel ist in den vergangenen Jahren passiert, meistens nicht zu seinen Gunsten.

          Olympia-Platz neun war eine besonders große Enttäuschung

          Noch 2011 galt Mohr als klare Nummer eins unter den deutschen Stabhochspringern und größter Rivale des damals schon dominierenden Lavillenie. Er hatte ein Jahr zuvor die Silbermedaille bei der Hallen-WM gewonnen, während Holzdeppe nach Meinung der Beobachter noch zu jung und Routinier Otto längst abgeschrieben war. Doch im gleichen Maße, wie seine beiden deutschen Teamkollegen seit der Olympia-Saison 2012 international durchstarteten, verlor Mohr den Anschluss an die Weltspitze. Platz neun bei den Olympischen Spielen in London war eine besonders große Enttäuschung.

          5,84 Meter: Deutscher Hallenmeister 2014

          Die Kräfteverhältnisse änderten sich in diesem Jahr aber wieder. Als der Leistungssportausschuss des Deutschen Leichtathletik-Verbands am Montag über das Aufgebot für Sopot beriet, das er an diesem Dienstag bekanntgab, konnte er den Stabhochsprung der Männer in wenigen Sekunden abhandeln: Mohr wird definitiv der einzige Deutsche sein. Otto wegen einer Achillessehnenverletzung und Holzdeppe aufgrund von Rückenproblemen haben die Hallensaison für sich beendet.

          Und außer dem neuen deutschen Meister sprang bei der DM in Leipzig niemand auch nur annähernd an die WM-Norm von 5,75 Meter heran. Da bedauerte es Einzelgänger Mohr, der sonst eher auf sich, als auf andere achtet, schon fast, dass die Gegner fehlten: „Es wäre schon sehr schön, mehr Konkurrenz zu haben. Manchmal macht es etwas aus, ob da noch jemand Druck macht oder nicht.“

          Das deutsche Aufgebot für die Hallen-WM vom 7. bis 9. März in Sopot (Polen)

          Männer (10)
          60 m: Alex Schaf (Stuttgart) Lucas Jakubczyk (Berlin)
          1500 m: Homiyu Tesfaye (Frankfurt/Main)
          60 m Hürden: Erik Balnuweit (Leipzig) Gregor Traber (Tübingen)
          Stabhochsprung: Malte Mohr (Wattenscheid)
          Weitsprung: Christian Reif (Rehlingen)
          Kugelstoßen: David Storl (Chemnitz)
          Siebenkampf: Pascal Behrenbruch (Frankfurt/Main), Kai Kazmirek (Rhein/Wied)

          Frauen (11)
          60 m
          : Verena Sailer (Mannheim), Yasmin Kwadwo (Mannheim)
          400 m: Esther Cremer (Wattenscheid)
          60 m Hürden: Nadine Hildebrand (Sindelfingen), Cindy Roleder (Leipzig)
          Hochsprung: Marie-Laurence Jungfleisch (Tübingen)
          Stabhochsprung: Silke Spiegelburg (Leverkusen)
          Weitsprung: Sosthene Moguenara (Wattenscheid)
          Kugelstoßen: Christina Schwanitz (Thum); Josephine Terlecki (Hallesche/Saale)
          Fünfkampf: Claudia Rath (LG Eintracht Frankfurt)

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