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Leichtathletik-WM : Die Pleiten werden zur Existenzkrise

  • -Aktualisiert am

Platt: Lars Riedel Bild: dpa/dpaweb

Nach dem Ausscheiden von Astrid Kumbernuss und dem vierten Platz von Lars Riedel herrscht Ratlosigkeit: Auch kleine Erfolge können den Deutschen Leichtathletik-Verband nicht aus dem WM-Tief reißen.

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          Wie läuft's? Es geht so. Mit einer Bronzemedaille hat Andreas Erm Ergebniskosmetik betrieben, aber der Geher aus Potsdam kann damit den Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) nicht schlagartig aus dem WM-Tief reißen. Dem Erfolg Erms stand am Mittwoch morgen das Scheitern der dreimaligen Weltmeisterin und Olympiasiegerin Astrid Kumbernuss in der Kugelstoß-Qualifkation gegenüber.

          Tim Lobinger baut bereits vor

          "Ich bin untröstlich und ärgere mich sehr", sagte sie, auch wenn sie als ältere Athletin von 33 Jahren längst an die Grenzen der Schnellkraft gestoßen ist und selbst nicht mehr an eine große Medaillenchance geglaubt hatte. Am Abend zuvor scheiterten zudem zwei der drei Stabhochspringer, nur Tim Lobinger kam durch die Qualifikation. 5000-Meter-Läuferin Irina Mikitenko verabschiedete sich auch noch. Plötzlich packte sogar Lobinger die Angst, als Versager abgestempelt zu werden nach dem Finale an diesem Donnerstag. "Es ist immer ein Verhängnis, sich eine Medaille auszurechnen." Mit dem Druck müsse er jedoch umgehen. "Aber wenn ich nichts hole, darf man mich nicht gleich ans Kreuz nageln. Schließlich habe ich bei den letzten drei Großereignissen Medaillen geholt." Lobinger ist Welt- und Europameister in der Halle, bei den Freiluft-Europameisterschaften wurde er Dritter.

          Der andere Sieger: Riedel gratuliert Alekna

          Der Kölner weiß natürlich, daß frühere Resultate vergessen sind, wenn aktuell ein Scheitern - oder zumindest nicht das Wunschergebnis - zu vermelden ist. Wie am Dienstag bei Claudia Gesell, Fünfte über 800 Meter, und bei Lars Riedel sowie Michael Möllenbeck, Vierter und Fünfter im Diskuswerfen. Claudia Gesell fand in einem langsamen, taktischen Rennen nicht den Weg an die Spitze - obwohl Mitfavoritinnen wie Jolanda Ceplak und Stephanie Graf verletzt fehlten. "Auf einmal waren sie weg, und ich konnte hinten raus nicht mehr", gab sie zu. Sie sei nicht enttäuscht, habe aber eine gute Chance verpaßt. Riedel befand trotz allem, er habe einen schönen Wettkampf gezeigt und die Atmosphäre im Stade de France genießen können. Nett für ihn, Pech für den DLV. Er sei nicht mehr so beweglich wie Weltmeister Virgilius Alekna aus Litauen. Riedel ist 36, Alekna fünf Jahre jünger. "Wenn ich seinen Körper hätte, würde ich bestimmt 72 Meter werfen", behauptet der fünfmalige Weltmeister. Er kam am Dienstag auf 66,28 Meter, gerade einmal fünf Zentimeter weiter als Möllenbeck.

          "Gutes Abschneiden ist lebensnotwendig“

          Wie steht die Führungsspitze des Verbandes zu bislang nur zwei Medaillen (Silber und Bronze)? "Gutes Abschneiden ist lebensnotwendig. Der Sport kann nicht mehr aus dem Vollen schöpfen, alle Verbände führen Existenzkämpfe", sagt DLV-Vizepräsident Rüdiger Nickel. Es geht in Paris zum Teil schon um die Existengrundlage für eine Olympiade, nämlich die Zeit von 2005 bis 2008. WM-Ergebnisse bestimmen zu dreißig Prozent die Finanzplanung des Bereichs Leistungssport im Deutschen Sportbund. Generell fühlt sich die Leichtathletik mit ihren 46 Disziplinen zu schlecht bedacht. Doch Vorstöße, die Verteilung der Bundesmittel zugunsten des DLV zu verändern, werden - wenn überhaupt - frühestens nach Peking 2008 Wirkung zeigen. Und wer weiß, wie weit unten die deutsche Leichtathletik dann steht. Nickel muß im Jahr nach den Triumphen bei den Europameisterschaften eine alte Erkenntnis nur neu formulieren: "Es ist ein himmelweiter Unterschied, ob wir uns in Europa oder in der Welt messen." Und warum steckt man nach Weltmaßstab in einem Loch?

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