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Leichtathletik trotz Pandemie : „Wir haben ein Zeichen gesetzt“

Wieder im Wettkampfmodus: Malaika Mihambo siegt mit 6,74 Metern. Bild: EPA

Auch wenn die Zuschauerränge leer bleiben, trotzt die Leichtathletik mit Wettkämpfen in Karlsruhe und Düsseldorf der Pandemie. Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo nimmt weiter an Fahrt auf.

          3 Min.

          Auf dem langen Weg zum Höhepunkt der Saison nimmt Malaika Mihambo Fahrt auf. Die Weitsprung-Weltmeisterin aus Oftersheim bei Heidelberg ist, weil im Sommer die Olympischen Spiele im Terminkalender stehen und fürs erste März-Wochenende die Hallen-Europameisterschaft, aus der Kurzarbeit zurückgekehrt. Mit dem Sieg im Weitsprung des neuen Istaf von Düsseldorf im ISS Dome ist sie ihren Zielen am Sonntag um exakt 6,74 Meter näher gekommen. Sie plazierte sich vor der Schwedin Khaddi Sagnia, die in ihrem letzten Versuch auf dieselbe Weite kam, weil ihr zweitbester Sprung sie auf 6,73 Meter trug.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          Dritte wurde Ivana Spanovic aus Serbien, dreimal Hallen-Europameisterin und Hallen-Weltmeisterin von Birmingham 2018, mit 6,61 Metern. Den Sportsgeist der Weitspringerin illustriert, wie sie ihre schwedische Konkurrentin bei deren letztem Versuch vor weitgehend leeren Tribünen klatschend anfeuerte. Nach Versuchen von 6,65, 6,74, 6,63, 6,53 und 6,73 Metern trat sie selbst bei ihrem letzten Versuch über.

          „Heute war ein solider Einstieg“

          Armand Duplantis, der beste Stabhochspringer der Welt, stahl Malaika Mihambo nicht die Show. Zwar ließ der Amerikaner, der international für Schweden startet, 6,19 Meter auflegen, nachdem er den Wettbewerb mit einer Höhe von 6,01 Metern gewonnen hatte. Doch als er einmal durchgelaufen war, beendete er den Wettkampf und verzichtete darauf, seinen Hallen-Weltrekord von 6,18 Metern aus dem Februar vergangenen Jahres weiter zu steigern. Auch im Stadion hält der 21-Jährige den Weltrekord: 6,15 Meter.

          Im Fernduell des Abends übertrumpfte ihn allerdings der Franzose Renaud Lavillenie. Der Olympiasieger von 2012 sprang am Sonntagabend beim Leichtathletik-Hallenmeeting im französischen Tourcoing 6,02 Meter.

          Mit 5,86 Metern und Platz zwei, vor dem amerikanischen Weltmeister Sam Kendricks, überraschte in Düsseldorf Torben Blech. Der einstige Zehnkämpfer aus Leverkusen hatte seine Bestleistung erst am Freitag beim Sportfest in Karlsruhe auf 5,72 Meter gesteigert.

          6,01 Meter übersprungen: Armand Duplantis in Düsseldorf.
          6,01 Meter übersprungen: Armand Duplantis in Düsseldorf. : Bild: Reuters

          Vier Monate Auszeit hatte sich Malaika Mihambo im vergangenen, dem von der Absage von Tokio 2020 geprägten Sportjahr genommen und trat, selbst als sie die deutsche Meisterschaft gewann, entschlossen kürzer. Sie wurde sowohl 2019 als auch 2020 zur Sportlerin des Jahres gewählt. Nun ist sie von 16 zu 20 Schritten Anlauf zurückgekehrt und übertraf, immerhin, bei ihrem besten Sprung von Düsseldorf die Weite, mit der sie in Braunschweig im vergangenen Jahr den Titel gewann, um drei Zentimeter.

          Wenige Wochen später sprang sie in Dessau, obwohl sie kürzer trat, 7,03 Meter weit. Schon im Winter war sie, ebenfalls aus verkürztem Anlauf, weiter als sieben Meter geflogen. Beim Istaf indoor in Berlin siegte sie mit 7,07 Metern. Am kommenden Freitag wird die 27 Jahre alte Sportlerin in die Hauptstadt zurückkehren. „Heute war ein solider Einstieg“, sagte sie in Düsseldorf. „Ich glaube, dass ich noch weiter springen kann.“

          Applaus und Jubel vom Band

          In Karlsruhe am Freitag kamen Applaus und Jubel vom Band. In Düsseldorf am Sonntag hatten die Veranstalter die Ränge mit Pappfiguren gefüllt, die Kindergartenkinder gemalt und gebastelt hatten. Beim Istaf von Berlin, vor acht Jahren initiiert, um Diskuswerfer Robert Harting auch unterm Dach eine Bühne bieten zu können, ist ausgerechnet diese Disziplin gestrichen. Ohne Publikum, findet Meeting-Direktor Martin Seber, habe solch ein Spektakel keinen Sinn. Der tristen Situation setzte sein Karlsruher Kollege Martin Wacker Entschlossenheit entgegen. „Wir haben für die Leichtathletik ein Zeichen gesetzt“, bilanzierte er. „Es geht darum, vor der Pandemie nicht nur zurückzuweichen.“

          Doch auch die Perspektive ist unsicher: Wird es wirklich Olympische Spiele geben? In Tokio ist wegen der Infektionslage der Notstand ausgerufen, Polen gilt, was die Hallen-EM in Torun betrifft, als Risikogebiet. Lediglich wer Geschäftsreisen dorthin unternimmt – und als solche gelten die Wettbewerbe professioneller Athleten –, muss bei der Rückkehr nicht in Quarantäne.

          Selbst die deutschen Hallen-Meisterschaften am 20. und 21. Februar in Dortmund sind von den Behörden noch nicht abschließend genehmigt. Wenn sie stattfinden, werden nur Kader-Athleten teilnehmen dürfen, nicht ihre Herausforderer. Um sich zu messen und um Qualifikationsleistungen erzielen zu können, hatten viele Klubs und Trainingszentren „offizielle“ Wettbewerbe improvisiert – Ersatz für echte Wettkämpfe mit echtem Publikum.

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